20. Juni 2018, 15:00 Uhr

Auswandern

Von Buseck Richtung Silicon Valley

Die Buseckerin Janina Young tritt in den USA dort einen Job in der IT-Branche an. Seit ihrer Schulzeit ist sie immer wieder dorthin zurückgekehrt, das gespalten wirkende Land lässt sie nicht mehr los.
20. Juni 2018, 15:00 Uhr
Janina Young vor der Golden Gate Bridge (San Francisco) im Jahr 2011. (Foto: privat)

Die Koffer sind längst gepackt, das Visum endlich erteilt. An diesem Freitag fliegt Janina Young in die USA, ein paar Tage darauf tritt die 30-Jährige einen Job als »Account Manager« bei einem IT-Unternehmen an. Am neuen Arbeitsplatz in San Francisco ist sie dann etwa für Kommunikations-Strategien und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Es ist die Geschichte einer modernen Auswanderin.

Mit dem Job in den USA erfüllt sich für Young ein Traum. Ihr Ziel ist, sich dort ein Netzwerk aufzubauen, auf lange Sicht vielleicht bei einem der Branchen-Giganten im Silicon Valley zu landen. Doch nicht nur der Job, auch das Land reizt sie, und das schon seit langem. Woher stammt ihr Interesse an den Vereinigten Staaten?

 

Small Talk und Dresscode

Young war etwa 15 und Schülerin der IGS Busecker Tal, als sie eine Anzeige einer Austauschorganisation las. Die Möglichkeit, für ein Jahr als Schülerin in die USA zu gehen, packte sie beim Schopf. Young kam bei einer Gastfamilie in Iowa unter, einem ländlich geprägten Bundesstaat. »Es hat mir gut gefallen, dass alles so familiär ist«, sagt Young. An manches musste sich sie erst gewöhnen: »Das Klischee kennt man ja, aber die Amerikaner sind wirklich sehr auf Small Talk aus.« Der Tagesablauf sei dort strammer als auf ihrer deutschen Schule getaktet gewesen. Auch der Dresscode an der Schule war für sie ungewohnt: Nicht zu viel Beinfreiheit, keine politischen Symbole, keine Spaghetti-Träger, Apropos Spaghetti: Auch angesichts der üblichen Portionsgrößen bei Lebensmitteln kam die Buseckerin ins Staunen: »Wenn man dort einkauft, hat man das Gefühl, dass alles für 20 Personen ausgelegt ist.«

 

Im Greyhound-Bus durchs Land

Die USA hatten es Young angetan. Sie kehrte als Au-pair zurück, ging diesmal nach New Jersey. »Dort ist alles so teuer, dass die Leute nur ans Arbeiten gedacht haben.« Als krassen Widerspruch zum harten Alltag auf dem Land empfand sie Atlantic City. Eine Stadt voller Kasinos, quasi das Las Vegas der Ostküste. Gegensätze, wie sie ihr in dem stolzen Land jenseits des großen Teichs immer wieder aufgefallen sind.

Bis zu Youngs nächster Visite in den USA dauerte es nicht lange. Während des Studiums an der Frankfurter Goethe-Universität absolvierte sie 2011 ein Auslandssemester in Wisconsin, danach blieb noch ein Monat zum Reisen. »Ich habe mir ein Ticket für einen Greyhound-Bus gekauft und bin quer durch das Land gefahren.«

 

»Wenn Trump Präsident wird...«

Reisen gehört für die angehende Auswanderin selbstverständlich zum Leben dazu. Rund 40 Staaten auf verschiedenen Kontinenten hat sie schon gesehen. Für ausgiebige Episoden in einem Land, zum allmählichen Ankommen an einem Ort blieb bei diesem Pensum selten Zeit. »Meistens bin ich nicht länger als zehn Tage in einem Land«, erklärt Young. Für andere würden solche Reisen puren Stress bedeuten, doch Young tickt da anders: »Für mich ist das positiver Stress, ich komme gern schnell von einem Ort zum anderen.«

Nun, da sie in die USA zurückkehrt, scheint das große Land gespaltener denn je. Auf Facebook hält Young Kontakt zu vielen Bekannten in Übersee, darunter Studenten, aber auch Kriegsveteranen und Familien aus dem eher konservativen Süden. »Ich habe ursprünglich gesagt: Wenn Trump Präsident wird, gehe ich nicht.« Doch viele hätten ihr gesagt, dass gerade jetzt die Zeit dafür sei, etwas zu bewirken, dass vieles in Bewegung komme.

 

Keine Furcht vor Algorithmen

Die IT-Branche boomt jedenfalls, die Digitalisierung der Gesellschaft schreitet mit Siebenmeilenstiefeln voran. Allerdings gehe das in Deutschland längst nicht so schnell wie in den USA, sagt Young. Wenn es nach ihr ginge, sollte Programmieren als Pflichtfach in Lehrplänen stehen. »In den USA haben viele schon »Alexa« als Spracherkennung, so etwas dauert hier immer länger.«

Die Macht von Algorithmen, das Gewicht von persönlichen Daten als Ware ist unter anderem Datenschützern ein Graus. »Weil ich viel mit IT arbeite, habe ich vielleicht weniger Furcht davor«, sagt Young. »Mir machen Algorithmen keine Angst«. Man müsse an die Veränderungen positiv herangehen, die Chancen sehen.

 

Ehemann ist mit von der Partie

Am Freitag wird Janina Young in den Flieger gen Chicago steigen, dann wird es ernst. Young ist froh, dass sie noch einmal in ihrem Elternhaus im Großen-Busecker Oberdorf zur Ruhe kommen konnte. Und auch beim Start in den USA wird sie ein bekanntes Gesicht an ihrer Seite haben: Ihr Ehemann, den sie einst an der Highschool kennengelernt und 2016 in München wiedergetroffen hat. Als sie seinen Nachnamen annahm, musste sie übrigens nur ihren eigenen übersetzen: Aus »Jung« wurde »Young«. Klingt nach einem guten Omen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Algorithmen
  • Facebook
  • Gesamtschule Busecker Tal
  • Johann Wolfgang Goethe-Universität
  • Schulzeit
  • Silicon Valley
  • Buseck
  • Jonas Wissner
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen