22. Januar 2019, 21:23 Uhr

Vom Lädchen zum Supermarkt

Die Lebensmittelversorgung in Bieber und Rodheim ist seit jeher vom Wechsel geprägt. Die Crombach-Nachkommen haben es dabei geschafft, über vier Generationen mit Leib und Seele den Einkauf zu gewährleisten. Demnächst steht wieder eine Veränderung an.
22. Januar 2019, 21:23 Uhr
Im Frühjahr soll der neue Edeka-Markt am »Burgblick« in Rodheim seine Tore öffnen.

Darf’s etwas mehr sein?«, fragt die freundliche Frau hinter der Theke und faltet die Tüte mit Mehl sorgsam zu. Hinter ihr finden sich viele Schütten. Salz, Zucker, Mehl und Kaffee gibt es lose. In der Ecke steht das Fass mit Salzheringen. An der Wand hängt der Behälter mit Salatöl, das durch einen Zapfhahn in mitgebrachte Flaschen der Kunden fließt… Die Lebensmittelgeschäfte von einst sind heute zu Supermärkten geworden, deren Sortiment keine Wünsche offen lässt. Im Frühjahr soll in Rodheim der zweite Großmarkt, der Edeka am »Burgblick«, zu dem bereits seit 2007 in Rodheim bestehenden Rewe-Markt hinzukommen.

Allein in Bieber gab es bisweilen bis zu sechs kleine Läden, die die Grundversorgung der Bevölkerung abdeckten. Da war kurzzeitig der »Konsum«, die Läden von Peter Urbaniak, Rauber, Thomé und Bartak. Nur einer der sechs, der der Crombach-Nachkommen, existierte als großes Geschäft in moderner Form und konnte 1992 nach gründlicher Renovierung das 75-jährige Jubiläum feiern. 1917 übernahm Philipp Crombach das Konsumgeschäft in der Hauptstraße 44. Er betrieb zudem eine Schreinerei. So ging man in Bieber »bei Schreinersch« einkaufen. 1936 übernahm Karoline Jung (geb. Crombach) das Geschäft, das 1938 umgebaut wurde. Ihr folgte 1966 »Schreinersch Lottche«, Lieselotte Bartak (geb. Jung), die von ihrem Mann Oskar unterstützt wurde. In den folgenden Jahren wurde das Geschäft in der Hauptstraße mehrmals umgebaut und wuchs von etwa 40 Quadratmetern auf eine Verkaufsfläche von 160 Quadratmetern.

Dann stellte sich das Parkproblem in der alten engen Ortsdurchfahrt, und 1982 wurde in der Hauptstraße 2c am Ortseingang von Bieber, unweit des – damals noch existierenden – alten Bieberlies-Bahnhofes, ein neues, großes, modernes Lebensmittelgeschäft eröffnet. Es bot auf etwa 350 Quadratmetern mit Lebensmitteln, Frischobst, Backwaren, Fleischerei und Zeitschriften alles für den täglichen Bedarf. Der Edeka-Markt zwischen Rodheim und Bieber, am Fuße der beiden Baugebiete Rillscheid und Birkfeld gelegen, bot den älteren Bürgern Gelegenheit zum Einkauf »vor der Haustüre«.

1991 übernahm mit Carmen Köster geb. Bartak, und ihrem Mann Gerd die vierte Generation das Geschäft. 1992 wurde das 75-jährige Jubiläum nach einer gründlichen Renovierung gefeiert. Der mittlerweile verstorbene Oskar Bartak, der Fotos aus der Bieberer Historie gesammelt hat, erinnerte sich noch gut an die 1950er Jahre. »Das hat damals viel Arbeit gemacht. Mehl zum Beispiel wurde in großen Säcken angeliefert, Senf gab’s auch lose. Nur einige Konserven und Branntwein standen im Regal. Seine Frau Lieselotte Bartak, stets mit Leib und Seele Kauffrau, ist zu einer Bieberer Institution geworden.

Stolz kann die Familie der Crombach-Nachkommen darauf sein, dass das Lebensmittelgeschäft über eine große Tradition von gut 83 Jahren in Bieber verfügte und sich dem Wandel der Zeiten angepasst und auch in zwei Weltkriegen sowie der Wirtschaftskrise weiter bestand.

Konkurrenz zu groß

Im Jahr 2000 übernahm die Kauffrau Brigitte Koppe den kleinen Edeka-Laden und führte ihn bis zum 15. Dezember 2007 weiter. 2008 eröffneten Marianne und Jörg Gössel den Lebensmittelmarkt als »Gutkauf-Markt«, die Bäckerei Gössl mit Schaubäckerei und die Metzgerei Karl-Heinz Moos im ehemaligen Edeka-Markt. Doch die Konkurrenz durch den großen Rewe-Markt in Rodheim war zu groß. Der »Gutkauf« schloss an Pfingsten 2009, und Gössls gingen nach Vancouver-Island in Kanada.

In der Gießener Straße 14 in Rodheim, in der heute Bäckerei und Café Künkel und davor das Eis-Café »Da Toni« beheimatet waren, befand sich früher das Lebensmittelgeschäft von Otto Strackbein. Später war es ein Edeka-Geschäft. Danach betrieb Dieter Strackbein das Geschäft zusammen mit seiner Mutter. 1982 schloss es, und der neue Edeka-Markt wurde 1982 neben dem Schwarzen Hof in der Gießener Straße 38 mit der Metzgerei Karl-Werner Schmidt eröffnet. Er bestand mit Verkaufsstelle der Metzgerei Schmidt bis zur Eröffnung des großen Rewe-Marktes in Rodheim im Juni 2007. Auch in Rodheim existierten zahlreiche kleinere Lebensmittelgeschäfte wie der Edeka »Am Bornberg«, der alte »Konsum« in der Pfarrstraße, der neue »Konsum« in der Vetzberger Straße oder der kleine Rewe-Markt in der Gießener Straße. In der Dessauer Straße gab es den schon größeren »Spar-Markt« von Karl Mühlich.

Wenn im Frühjahr der neue Edeka-Markt mit integriertem Getränkemarkt mit rund 1800 Quadratmetern Verkaufsfläche und etwa 30 Mitarbeitern seine Tore öffnen wird, wird sich die Infrastruktur des Lebensmitteleinzelhandels erneut verändern.

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