21. Dezember 2016, 12:00 Uhr

Vom Hauskreis zur Kirche

Laubach (dis). Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Laubach feiert nun ihr 25-jähriges Bestehen. Sie entstand aus einem Hauskreis, der sich ab Mitte der 1980er Jahre traf. Mittlerweile gehören die wöchentlichen Gottesdienste im ehemaligen Schulungszentrum der BG Chemie zum festen Programm. Doch bis es eine freikirchliche Gemeinde geben konnte, war es ein langer Weg.
21. Dezember 2016, 12:00 Uhr
Ein Teil der Gemeinde im Gemeindezentrum. Das Gebäude diente zuvor als Schulungszentrum der BG Chemie und wurde zum Versammlungsort umgebaut. (Foto: dis)

Nach dem Reichstag von Speyer und dem Westfälischen Frieden gehörte man in Deutschland entweder zur katholischen Kirche oder zu einer evangelischen Landeskirche, zumindest nominell. Der Landesfürst gab den Kurs für seine Untertanen vor. Für Leute, die anders dachten, war eigentlich kein Platz. Auch nicht für Taufgesinnte/Baptisten, welche die Taufe als Folge einer persönlichen Entscheidung des Menschen für Gott praktizierten und auch ihren Kindern in dieser Entscheidung nicht vorgreifen wollten.
Selbst Luther hat die Taufgesinnten als »Wiedertäufer/Anabaptisten« und »Ketzer/Häretiker« verurteilt. Auf der Wartburg saß in der Lutherzeit ein Mann im Gefängnis-turm, weil er taufgesinnt war und Wiedertäufer unterstützt hatte. Da er Hesse war, entging er der Hinrichtung. Dennoch blieb er bis zu seinem Tod im Turm, und dies, obwohl er die Wartburg vor einem Großbrand bewahrt hatte.
Menschen, die von der Lehrmeinung der damaligen Staatskirche abwichen, wurden lange Zeit verfolgt und als Feinde behandelt. Die erste Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche 1848 markiert mit der dort verabschiedeten ersten Verfassung für das Deutsche Reich einen Meilenstein in der deutschen Geschichte: Zum ersten Mal wurde die Glaubens-, Gewissens- und Versammlungsfreiheit für alle festgeschrieben. Aber auch nach 1848 wurden Taufgesinnte verfolgt, mit empfindlichen Strafen belegt, ihre Gottesdienste verboten und ihre Kinder zwangsgetauft.
Mittlerweile gehören diese Erfahrungen der Vergangenheit an. Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden können heute mit rechtlich anerkanntem Status und partnerschaftlichem Verhältnis zu anderen Kirchen frei arbeiten. Die erste Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde entstand 1834 in Hamburg, als ihre Mitglieder in der Elbe getauft wurden. Diese Gemeinde wurde zum Vorbild für viele andere Gemeinden in Deutschland und Europa.
Die EFG Laubach entstand aus einem Hauskreis, der sich informell seit Mitte der 1980er Jahre bei den Familien Hartmut Schüler und Heinrich Palitsch traf. Im Jahr 1991 fand der Gründungsgottesdienst statt, unterstützt von der EFG Gießen und Pastor Dr. Helge Stadelmann. Dem folgten monatliche Gottesdienste, die ab 1992, mit dem Kommen des ersten eigenen Pastors, wöchentlich gefeiert wurden.
Die Gemeinde entwickelte sich, hatte im Laufe der Zeit verschiedene Versammlungsorte, bis das jetzige Haus im Dörrenbergweg 36 erworben wurde. Umfangreiche Umbauarbeiten folgten, um aus dem ehemaligen Schulungszentrum der BG Chemie ein Gemeindezentrum zu machen. Die heutigen Gottesdienstbesucher und Gemeindemitglieder kommen aus Laubach und einem Umkreis von 20 Kilometern. Es ist erstaunlich, wie gut die kleine Gemeinde ausgestattet ist, sodass bestimmte Sonderveranstaltungen für die Umgebung, wie Frauenfrühstück, Kinderwochen, English Camps, Ausstellung »Weltreligionen«, Pro Christ und andere Gästeabende, angeboten werden konnten.
Für das kommende Lutherjahr ist im März 2017 eine Bibelausstellung mit Führungen und Themenabenden im Rathaussaal Laubach geplant. Regelmäßig jeden Sonntag feiert die Gemeinde um 10.30 Uhr Gottesdienst.

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