20. Mai 2019, 22:06 Uhr

Völlig neue Ansprüche

20. Mai 2019, 22:06 Uhr
Innungsobermeister Reiner Hühne (r.) ist Sketchpartner des Conferenciers und Zauberkünstlers Martin Sierp. (Foto: sel)

250 Gäste füllten die Kongresshalle, in der die Innung für Elektro- und Informationstechnik Gießen in festlichem Ambiente ihr 100-jähriges Jubiläum feierte. Damit ist sie eine der ältesten Elektro-Innungen deutschlandweit. Obermeister Reiner Hühne begrüßte dazu unter anderem Kanzleramtsminister Helge Braun, den Präsidenten des Hessischen Handwerktages, Bernd Ehinger, und den Präsidenten des Fachverbandes Elektro- und Informationstechnik Hessen/Rheinland-Pfalz (FEHR), Christoph Hansen.

Durch den Jubiläumsabend mit Musik von der »Walking Band Drei zu Null« aus Pohlheim und Auftritten des Einrad-Akrobaten Dustin Waree, der Artistin Rosalie Held und des Papierkünstlers »Doc Shredder« führte Conferencier, Comedian und Zauberkünstler Martin Sierp. Außerdem war die Jubiläumsinnung Gießen anlässlich ihres 100-Jährigen Gastgeber des Landesverbandstages des Fachverbandes Elektro- und Informationstechnik Hessen/Rheinland-Pfalz.

Zehn Obermeister

Die Elektrobranche zählt zu den jüngeren Handwerken im Land. 1902 rief Georg Montanbus in Frankfurt mit 18 Kollegen den Verband Deutscher Elektroinstallationsfirmen ins Leben, die Urzelle des heutigen Zentralverbandes der Elektro- und Informationstechnischen Handwerke, der aktuell fast 54 000 elektrohandwerkliche Unternehmen verschiedenster Tätigkeitsfelder und Betriebsgrößen vertritt. Bundesweit sind im Elektro-Handwerk rund eine halbe Million Menschen beschäftigt, die einen aktuellen Jahresumsatz von 58 Milliarden Euro erwirtschaften.

Direkt nach dem Ersten Weltkrieg kamen in Gießen im Zuge der technischen Entwicklung die Herren Baumann, Brinkmann, Rödiger, Schmidt, Stroh und Weißbäcker zusammen und gründeten am 25. März 1919 eine Berufsvereinigung in Form einer Handwerksinnung. Diese sollte sich schon in den 1920er und 30er Jahren mit Inflation und Weltwirtschaftskrise bewähren. Verschiedene Berufsbilder im Elektro-Bereich entwickelten sich. 1925 entschied das hessische Staatsministerium, »dass nur die Ablegung der Meisterprüfung eine genügende Gewähr für ein zuverlässiges, sachgemäßes und einwandfreies Arbeiten als Elektro-Installateur verbürgt«. Und das ist bis heute so geblieben. Ganze zehn Obermeister standen in 100 Jahren an der Spitze der Innung, was ein Zeichen von Kontinuität und Nachhaltigkeit ist. Nicht nur aufgrund der langen Dauer von 37 Jahren, in denen er an der Spitze der Gießener Innung stand, ragt der 2010 im Alter von 89 Jahren verstorbene Ehrenobermeister Karl Friedrich Haas aus Fernwald aus der Riege der Obermeister heraus. Ingo Lück (Lich) wurde 2001 Nachfolger von Haas, dann folgte 2008 Harald Seitz (Pohlheim). Seit 2017 steht Reiner Hühne (Gießen) an der Spitze der derzeit 71 Mitgliedsbetriebe starken Innung, in denen in Stadt und Kreis Gießen rund 800 Menschen beschäftigt sind, unter ihnen über 100 Auszubildende. Hühnes Stellvertreter ist Matthias Müller (Beuern). Die weiteren Vorstandsbeisitzer sind Andreas Siebelist (Haiger), Tim Hermann (Gießen), Michael Alexander (Oppenrod), Michael Stroh (Wettenberg) und Jens Oliver Lechner (Lich).

»Ein hoch entwickeltes Land wie Deutschland ist existenziell auf Strom angewiesen, wobei die Dimensionen künftiger Herausforderungen explodieren«, sagte Kanzleramtsminister Braun. Er nannte zwei Beispiele: Elekto-Autos und die dazugehörenden Ladestationen sowie die »Veränderungen an und in unserem Heimen«, die den Energiebedarf nach oben verändern und völlig neue Ansprüche an die Netze stellen. Stromnetze müssen intelligenter und Speichernetze flexibler werden. »Wir sind stolz auf unser Handwerk, wir sind stolz auf unser duales Ausbildungssystem und unsere Meister im Handwerk«, sagte Braun, der Applaus erntete für sein Versprechen, die Meisterqualifikation in Europa, »die dem Bachelor mindestens ebenbürtig ist«, zu verteidigen.

»Wir tun als Landesregierung viel dafür, dass junge Menschen eine gewerbliche Ausbildung wertschätzen lernen«, erklärte Kultus-Staatssekretär Manuel Lösel. Für Schüler sei es wichtig, »rauszugehen und sich im Handwerk auszuprobieren«. Auch junge Menschen im gymnasialen Bereich sollte dieser Weg aufgezeigt werden. Denn es müsse nicht sein, dass viele im Studium scheitern, ohne zu wissen, welche sinnvollen und zukunftsträchtigen Alternativen es gibt.

Dass Christoph Hansen, Präsident des Fachverbandes Elektro- und Informationstechnik Hessen/Rheinland-Pfalz und Festredner bei der Jubiläumsfeier in der Kongresshalle, ein Ur-Urenkel des ersten Obermeisters der Jubiläumsinnung Gießen, Heinrich Brinkmann, ist, verlieh seiner Anwesenheit beim Innungsjubiläum eine besondere familiäre Note.

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