30. Mai 2017, 19:36 Uhr

Viel geholfen, viel bewegt

30. Mai 2017, 19:36 Uhr
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Aus der Redaktion

Seit Anfang 2015 ist eine Gruppe Ehrenamtlicher in Stangenrod, Beltershain und Grünberg in der Arbeit mit Flüchtlingen engagiert. Nun zog die Gruppe eine Bilanz ihrer Arbeit. Derzeit leben rund 250 Geflohene in Grünberg.

Das neue Flüchtlingsintegrationskonzept, das die Stadt dieser Tage vorstellte, wird von den Ehrenamtlichen begrüßt. »Wenn die Stadt nun selbst mehr tun will, ist das willkommen«, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Ehrenamtlichen haben aber bereits – »ohne Geld, aber mit Kompetenz« – ein Angebot aufgebaut und als Handlungsfelder Sprache, Gesellschaft und Kultur, Mobilität, den Umzug in private Wohnungen und den Weg in die Arbeitswelt ausgemacht.

Um die Flüchtlinge in der deutschen Sprache fit zu machen, bietet man von Beginn an zweimal wöchentlich in Stangenrod Sprachtreffs an (das Wort »Sprachcafé« durfte nach Strafandrohung von einem Frankfurter Unternehmen wegen Verletzung des Markenrechts nicht mehr verwendet werden, Anmerkung Red.). Dabei wird neben der deutschen Sprache auch die deutsche Gesellschaft, Institutionen und Kultur erklärt. Anfang 2016 kam der »Treff Beltershain« hinzu. Im Sommer 2016 setzten Ehrenamtliche durch, dass von der Volkshochschule auch in Grünberg reguläre Integrationskurse angeboten wurden. Der »Frauen und Kinder Treff« half vor allem Müttern, einen Weg in die neue Kultur und Sprache zu finden.

Um die Flüchtlinge unabhängig vom Linienbusnetz mobil zu machen, wurden rund 100 Räder von Spendern organisiert und für 10 bis 20 Euro an die Flüchtlinge verkauft.

Im Spätsommer 2015 tat sich das Team »GU Beltershain« zusammen, um dort Verbesserungen im Brandschutz und der Hygiene durchzusetzen. Dazu wurde auch die Aufsichtsbehörde eingeschaltet und mit der Freiwilligen Feuerwehr eine Übung abgehalten. »Doch noch heute bestehen Mängel«, schreiben die Ehrenamtlichen.

Langfristig sollen die Flüchtlinge auch eine neue Heimat finden – und ein Schritt dahin ist der Weg hinaus aus der Gemeinschaftsunterkunft in eine eigene Wohnung. Das Team organisiert Möbel- und Hausratsspenden und hilft beim Einzug. 22 Haushalten wurde bereits der Umzug in eine Privatwohnung ermöglicht, fünf Wohnungen stellte die Stadt zur Verfügung.

Damit die Flüchtlinge auch eine Arbeit finden, wurde ihnen bei Bewerbungen geholfen. »Mit 61 Personen wurden Lebensläufe erarbeitet, die Übersetzung und Prüfung von Zeugnissen veranlasst, Anpassungsqualifizierungen und Sprachkurse bis C1 (für Akademiker) gesucht.« Sechs Männer und eine Frau wurden in Praktika vermittelt, weitere sechs in Maßnahmen der Agentur für Arbeit. Zehn junge Männer interessieren sich für ein Studium. Die ersten zwei werden im Oktober ihr Studium beginnen, weitere im Frühjahr 2018. Drei Männer arbeiten bereits in bezahlten Jobs.

Nicht zuletzt begleiten die Ehrenamtlichen die Geflüchteten bei Behördengängen und helfen ihnen durch den deutschen bürokratischen Dschungel. Auch die Ehrenamtlichen müssen sich immer wieder einarbeiten. Deshalb wünschen sie sich vor allem Entlastung von Arbeit, die durch die staatliche Bürokratie selbst verursacht wird. Und sie hoffen auf weitere Mitstreiter.



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