Kreis Gießen

»Viel Weiß auf der Landkarte«

Blühende Kulturlandschaften im ländlichen Raum? Oder eher doch nur Kultur in der Stadt? Vielleicht auch etwas dazwischen? Die Frage nach der Unterstützung der Kultur ist auch im laufenden Landtagswahlkampf ein großes Thema. Gleichzeitig mit der Wahl findet eine Volksbefragung zu Verfassungsänderungen statt: Dazu gehört auch die Aufnahme des Schutzes und Förderung der Kultur in die Staatsziele innerhalb der Landesverfassung.
17. Oktober 2018, 21:57 Uhr
Constantin Hoppe
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Kulturelle Angebote finden auch und vor allem »in der Provinz« ein aufmerksames Publikum, wie in diesem Jahr bereits beim Festival »Blues, Schmus und Apfelmus« in Laubach (gr. Foto, Khalif Wailin’ Walter), den Licher Kulturtagen (oben l., Les Brunettes) oder den Wettenberger Winterkonzerten (unten l., Streicher des HR-Sinfonierochesters). (Fotos: Archiv)

Blühende Kulturlandschaften im ländlichen Raum? Oder eher doch nur Kultur in der Stadt? Vielleicht auch etwas dazwischen? Die Frage nach der Unterstützung der Kultur ist auch im laufenden Landtagswahlkampf ein großes Thema. Gleichzeitig mit der Wahl findet eine Volksbefragung zu Verfassungsänderungen statt: Dazu gehört auch die Aufnahme des Schutzes und Förderung der Kultur in die Staatsziele innerhalb der Landesverfassung.

Doch das Verhältnis zwischen Stadt und Land im Bezug auf Kultur ist groß: Viele Kulturangebote auf dem Land laufen ehrenamtlich, für »höhere« Kultur muss man in die Stadt. Sicherlich sind Kommunen wie Lich mit ihrem reichhaltigen Angebot in dieser Beziehung eine Ausnahme: Doch auch hier gibt es Probleme. »Kultur in Lich heißt heute – wie in so vielen anderen Städten – sinkende Besucherzahlen durch ein geändertes Ausgehverhalten und Freizeitangebot der Bevölkerung«, erklärte Peter Damm, Kulturkoordinator der Stadt Lich anlässlich einer Diskussionsrunde mit Politikern verschiedener Couleur am Dienstagabend im Kulturzentrum Bezalel-Synagoge.

Was an diesem Abend nicht erfolgen sollte, waren statistische Werte und klare Stellungnahmen: »Wir wollten hier keine klassische Wahlkampfveranstaltung«, stellte Moderator Bernd Hesse (Vorstandsmitglied der Kulturpolitischen Gesellschaft Bonn; Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft der Kulturinitiativen und soziokulturellen Zentren in Hessen) klar.

Ein zentrales Thema des Abends war die Förderung der Kulturangebote: Schaut man sich die staatlich geförderten Kulturangebote wie Musikschulen und soziokulturelle Zentren in Hessen an, so ist zu erkennen, dass es gerade um Frankfurt und Kassel diesbezügliche Ballungsräume gibt und ansonsten viele weiße Flächen die Landkarte Hessens dominieren. Hier wurde sowohl von der Diskussionsrunde als auch vom Publikum ein wesentlicher Aspekt der Förderung kritisiert: die bürokratischen Anforderungen, um eben in den Genuss einer solchen Unterstützung zu kommen. »Alleine das ist schon eine enorme Hemmschwelle für viele ehrenamtlichen Projekte«, sagte Matthias Riedl (Vorsitzender der Gießener Stadtfraktion Die Linke als Vertreter für Francesco Arman/Direktkandidat für den Wahlkreis Gießen, Die Linke). Dass man hier für Entlastung sorgen müsse, darüber war sich die gesamte Runde einig – wenn auch natürlich eine gewisse Kontrolle erforderlich sein werde, für was die entsprechenden Mittel eingesetzt werden. Wichtig sei, Kunst und Kultur im ländlichen Raum stärker zu fördern: »Kultur gehört zur Infrastruktur einer Region«, sagte Martina Feldmayer (Sprecherin für Kulturpolitik, Landwirtschaft, Wald, Gentechnik und Verbraucherschutz der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen). Sie fügte an: »Ohne ein entsprechendes Angebot könnte es zu einer Spaltung der Gesellschaft kommen.« Angeführt wurde auch das kulturelle Angebot als wichtiger Standortfaktor für eine Kommune. Hier sei der Hessische Kulturatlas als Informationsportal für kulturelle Aktivitäten sicherlich ein guter erster Schritt. Auch das Zusammenspiel zwischen Kommunen und Kulturtreibenden müsse unterstützt und gefördert werden.

Deshalb sind auch die Kommunen in dieser Angelegenheit gefragt – vielleicht noch mehr als das Land. So äußerte Lichs Bürgermeister Bernd Klein zum Abschluss der Diskussion noch einen Wunsch: »Wir brauchen eine verlässliche und sichere Finanzierung kultureller Angebote – dafür würde ich mir von Landesseite mehr Unterstützung für die Kommunen wünschen.«

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-Viel-Weiss-auf-der-Landkarte;art457,501378

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