Kreis Gießen

Verlässliche Politik eingefordert

Beim Jahrestreffen der mittelhessischen Markmeister und Privatwaldeigentümer im Vorderwald der gastgebenden Märkerschaft Muschenheim wurde offenkundig, dass weder die lange Tradition der Markwälder (seit Karl dem Großen) noch Idealismus alleine deren Zukunft sichern. Als Gastgeber hieß Muschenheims Markmeister Horst Haupt die Teilnehmer willkommen.
27. September 2017, 20:07 Uhr
Volker Heller
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Forstamtsleiter Harald Voll (l.) stellt eine Neuheit vor: Die per Satellitenbild entstandene Reliefkarte macht Bodendenkmäler kenntlich. (Foto: vh)

Beim Jahrestreffen der mittelhessischen Markmeister und Privatwaldeigentümer im Vorderwald der gastgebenden Märkerschaft Muschenheim wurde offenkundig, dass weder die lange Tradition der Markwälder (seit Karl dem Großen) noch Idealismus alleine deren Zukunft sichern. Als Gastgeber hieß Muschenheims Markmeister Horst Haupt die Teilnehmer willkommen.

Vom Hessischen Waldbesitzerverband begrüßte Vorstandsmitglied Sylvia Ruppel Ehrenpräsidiumsmitglied Wilhelm Fenner und Frank Wiegand (im Präsidium für den Gemeinschaftswald zuständig) sowie Wolfgang Greilich (FDP), Klaus Dietz (CDU) und Martina Feldmayer (Grüne) und die Exkursionsführer, Revierförster Rainer Alberding und Forstamtsleiter Harald Voll.

Eiche und Douglasie bevorzugt

Wiegand erläuterte den Standpunkt des Präsidiums. Politik und Gesellschaft schätzten den Erholungsort Wald, wer aber schütze den kleinflächigen Bürgerbesitz? Im Privatwald seien die Beförsterungskosten um zehn Prozent gestiegen. Die Landespolitik strebe an, dass Hessen Forst Waldflächen unter 150 Hektar nicht mehr betreue (Markwald Muschenheim: 106 Hektar). Kostendeckend zu arbeiten, falle zunehmend schwer. Die Preise für Fichtenholz seien zwar gestiegen, befänden sich aber auf dem Niveau der 80er Jahre. »Markwälder brauchen verlässliche Politik für den ländlichen Raum«, sagte Wiegand.

Feldmayer berichtete, das Bundeskartellamt habe die gemeinsame Rundholzvermarktung kritisiert (Hessen Forst verhandelt für den Markwald Preise und Verkaufskonditionen mit), bis 2018 solle ein anderes Konzept vorliegen. Die Kernflächen für den Naturschutz beträfen nur den Staatswald (eine Sorge Wiegands). Der Klimaschutzplan Hessen 2025 beinhalte 890 000 Euro für eine Risikokarte, etwa für zukunftsträchtige Waldbaumarten. Laut Feldmayer werde die hessische Bauordnung neu justiert, um den Werkstoff Holz aufzuwerten.

Dietz vermutete hinter dem Kartellthema europäische Interessen. Für Wolfgang Greilich ist Forstwirtschaft unbedingter Bestandteil des ländlichen Raums. Er kritisierte die FSC-Zertifizierung und die neue Jagdverordnung.

Wiegand meinte, Baumarten mit Potenzial könnten Douglasie, Roteiche und Küstentanne sein. Diese Neophyten (aus Nordamerika stammend) würden nunmehr als invasiv abgekanzelt (gefährden die heimische Flora). Ruppel nannte den finanziellen Spielraum »eng«. Noch mehr Vorschriften gefährdeten die Zukunft. Mit FSC habe sich die Märkerschaft noch abgefunden.

Harald Voll stellte fest, dass die vorteilhaftesten Baumarten für den Exkursionsstandort die Eiche, vorzugsweise Traubeneiche, und Douglasie seien. Die Ansprüche dieser Bäume an den Standort ähnelten sich. Neuerdings sei starkes Eichenholz mit Wasserreisern für Furniere im Trend. Solche Bäume besitze der Markwald. Die Douglasie habe mit 20 Festmetern pro Hektar und Jahr den größten Massenzuwachs, doch das interessiere den FSC-Auditor nur am Rande. In einem FSC-Bestand dürfen fremdländische Arten nicht überwiegen.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-Verlaessliche-Politik-eingefordert;art457,322039

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