Kreis Gießen

Utphe: Umgeben von Seen – doch das Löschwasser ist knapp

Utphe liegt mitten in der Wetterauer Seenplatte, aber wenn es brennt, gibt es Probleme bei der Löschwasserversorgung. "Es tröpfelte wie aus einem Gartenschlauch", sagte Ortsvorsteher Büttel.
17. Februar 2019, 18:00 Uhr
Ursula Sommerlad
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Am 4. Januar brannte diese Autowerkstatt am Rand von Utphe aus. Weil das Löschwasser knapp wurde, wird jetzt über eine Wasserentsnahmestelle am geschützten Unteren Knappensee diskutiert. (Archivfoto: lbh)

Vor über einem Jahrzehnt hat die Feuerwehr Utphe schon eine ähnliche Situation erlebt. Es brennt, doch das Löschwasser wird knapp. Und das in einem Dorf mitten in der Wetterauer Seenplatte. »Wir haben 74 Hektar rund um Utphe, aber wie kommen da nicht so einfach ran«, sagt Ortsvorsteher Karl-Ludwig Büttel.

Anlass, das Thema vor zwei Wochen in der Sitzung des Stadtparlaments noch einmal anzusprechen, war ein Großbrand zu Jahresbeginn. Am 4. Januar ging an der Ecke Weedstraße/Heegweg eine Autowerkstatt in Flammen auf. 180 Wehrleute waren im Einsatz, um den Brand zu löschen. Doch der Wasserdruck reichte nicht aus. »Es tröpfelte wie aus einem Gartenschlauch«, wurde Büttel, der selbst als Feuerwehrmann im Einsatz war, zitiert. Auf Nachfrage berichtete er dem Stadtparlament, dass die Wehr bei einem Scheunenbrand im Jahr 2008 eine ähnliche Situation erlebt habe. »Nach zehn Minuten war die Wasserversorgung über den Hydranten zusammen gebrochen«, erinnerte sich der Ortsvorsteher. Damals behalfen sich die Feuerwehrleute mit einem Heckenschlag. Um an den Unteren Knappensee zu gelangen, holzten sie Büsche am Ufer ab. Der See stehe zwar unter Naturschutz, aber im Notfall sei das möglich, erläutert Büttel. Hinterher habe die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) allerdings die Beseitigung des Schadens gefordert.

Der Ortsbeirat habe nach dieser Erfahrung eine feste Wasserentnahmestelle angeregt. Doch daraus sei nichts geworden. Grund: Die HGON lehne ein solche Vorhaben ablehne. So jedenfalls habe es der damalige Bürgermeister Weber der Feuerwehr mitgeteilt. »Wir haben den Plan dann aus den Augen verloren, es hat ja auch jahrelang nicht gebrannt«, berichtete Büttel.

 

Alles eine Frage der Organisation

 

Nun, nach dem Großfeuer in der Werkstatt mit mehreren hundertausend Euro Schaden, wird die Forderung nach einer festen Entnahmestelle wieder laut. »Damit die Feuerwehr im Notfall nicht immer erst mit der Machete durch die Hecke muss«, erläutert der Ortsvorsteher. Ihm schwebt eine Leitung oder ein Saugschlauch mit Filter vor, an den die Wehrleute andocken könne, ohne dass sie das Naturschutzgebiet betreten müssen.

Die HGON ist für dieses Ansinnen allerdings der falsche Ansprechpartner. Nur die Obere Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium in Darmstadt könne die erforderliche Genehmigung erteilen, sagt HGON-Gründungsmitglied Erhard Thörner. Der Untere Knappensee sei Teil des seit 1984 rechtskräftig ausgewiesenes Naturschutzgebietes »Mittlere Horloffaue«. Letzteres gehöre zu den Spitzengebieten für auf Wasser und Feuchtland angewiesene Vogelarten in Hessen. Anders dagegen der Obere Knappensee. Er sei nicht Teil des Naturschutzgebiets, und von Utphe aus führe ein mit Schotter befestigter Weg auch durch die Hecke, die das Ufer umgibt. »Einer Wasserentnahme im Brandfall dürfte wohl nichts im Wege stehen, es könnte eher eine Frage der Organisation sein«, äußert Thörner.

Doch Büttel beharrt: »Wir müssen an beide Seen kommen.« Der Obere Knappensee liege von der Ortslage weiter entfernt und sei im Notfall nur über eine lange Schlauchleitung zu erreichen. »Wir mussten mehrere Pumpen zwischenbauen.« Ob sich der Wunsch der Feuerwehr erfüllt, ist ungewiss. »Wir prüfen derzeit einen Antrag auf eine dauerhafte Entnahmestelle aus dem Unteren Knappensee«, sagt Bürgermeister Rainer Wengorsch. Man werde hierzu Gespräche mit dem Regierungspräsidium führen.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-Utphe-Umgeben-von-Seen-doch-das-Loeschwasser-ist-knapp;art457,553044

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