15. Juni 2018, 21:13 Uhr

Unterrichtsfach: Bousicher platt

15. Juni 2018, 21:13 Uhr
Rita Mattern mit Grundschulkindern aus der Mundartwerkstatt: Einige werden mit »Lebbe-Rita & Co.« bei »Musik im Park« am 21. Juni (ab 18 Uhr) zu hören sein. (Foto: siw)

Platt, Mundart oder Baurisch? – »Ich nenne es meine Heimatsprache. Und die ist ein Stück von mir, meiner Kindheit und meiner Familie«, sagt Rita Mattern. Seit den 1980er Jahren setzt sie sich für den Erhalt ihrer Muttersprache ein. Am besten gelingt ihr dies über die Musik. Rund 60 Mundartlieder hat sie schon selbst geschrieben, anfangs auf bereits bestehende Melodien, später kamen eigene Kompositionen dazu. Weil sie es für wichtig hält, dass Kinder wissen, wie ihre Vorfahren gesprochen haben, bietet sie im Rahmen der Schülerbetreuung der Goetheschule Großen-Buseck nun eine »Mundart-Werkstatt« an.

Aus Erfahrung weiß sie, dass das Erlernen der Mundart über das Schreiben nicht klappt. »Da kommt man einfach nicht voran. Darum singen wir Lieder wie das von der ›Rure Roiwe-Robbmaschin‹ und über die Weck, die schon weg sind.« Als eine geeignete Vorlage für das Erlernen der Farben in Bousicher Platt bot sich etwa der Drafi-Deutscher-Hit »Welche Farben hat die Welt« an.

Mit Opa schwätzen können

Mattern versteht es, Kinder zu begeistern und bei der Stange zu halten. »Ich habe Mundart in Rap-Form als Lockmittel benutzt«, sagt sie augenzwinkernd. Für einen Auftritt zur Einweihungsfeier der neuen Mensa im Mai 2017 hat sie mit einigen Kindern einen Sprechgesang einstudiert und damit einen Volltreffer gelandet. Darin hieß es: »Eässe dou mir joa so gern, häi in de Schul un aach deheem. …. Nix vedrebbelt und nix verschütt, goure Abbeditt!«

Eigentlich bedarf es keiner Überredungskunst, denn die Kinder kommen gerne und freiwillig. Sie sind stolz darauf, mit Oma und Opa Platt zu schwätzen und damit etwas zu können, was die Eltern zumeist nicht mehr beherrschen. Einige wollen sogar nach dem Wechsel an die Gesamtschule – vorausgesetzt der Stundenplan gibt es her – weitermachen, denn nach den Sommerferien soll es weitergehen mit der Mundart-Werkstatt in der Goetheschule. Hier leistet Mattern, einst Kundenberaterin bei einer Bank, als Un-Ruheständlerin einige Betreuungsstunden beim »Pakt für den Nachmittag«. Da wurde zur Gitarrenbegleitung auch mal in Mundart gesungen und so entstand die Idee, eine solche »Werkstatt« einzurichten.

»Uns wurde in der Schule das Plattschwätze abtrainiert. Bei den Mitgliedern des ›Runden Tisches Mundart‹ gibt es Personen, die sogar noch Schläge gekriegt haben, wenn sie nicht Hochdeutsch, oder was man dafür hielt, redeten«, berichtet Mattern, Jahrgang 1951. »Wer sich mit der Umstellung schwer tat, der galt als dumm.«

Sie gibt zu, dass sie es als Jugendliche auch nicht chic fand, außerhalb der Familie in der Heimatsprache zu kommunizieren. Über die Hausmusik mit Bruder Karl-Heinz Damm (Gitarrist und Sänger der Band »Underlane«) und ihrer damaligen Schwägerin brachte sie den Mundart-Gesang zunächst bei Dorffesten und privaten Feiern zu den Leuten. Mit der Gruppe »Zaitensprung« und nach deren Auflösung mit der Formation »Kanapee« konnte sie einen weit größeren Hörerkreis erreichen. Für den Heimatverein Beuern zeichnet sie als zweite Vorsitzende für die Abteilung »Unterhaltung und Kleinkunst« verantwortlich. Auch hier wird, wo immer es passt, die Mundart ausgiebig gepflegt. Der nächste Mundartnachmittag findet beim Wiesgoadefest am »Alten Faselstall« in Beuern am 14. Juli statt.

»In meinen Liedern erzähle ich aus dem Alltag, von Dingen, die jedem von uns passieren können. Das kann ein spaßiges Lied sein, oft ist es aber auch nachdenklich, manchmal humorvoll-kritisch«, meint Mattern. »Schweätze, wäi mer de Schnowwel gewoase iass, doaß dou ich gern.«

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