01. Februar 2017, 13:00 Uhr

Streitthema

Unmut über Neuregelung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes

Lindens Kommunalpolitiker sind sauer. Das neue Prozedere bringe nur Nachteile: "Wir werden sozusagen gefressen."
01. Februar 2017, 13:00 Uhr
Die Neuregelung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes sorgt bei den Lindener Politikern weiterhin für Unverständnis und Ärger, der sich im Stadtausschuss entlud. (Foto: Archiv)

 

Im Kreis Gießen gibt es künftig im ärztlichen Bereitschaftsdienst zwei Zentralen in Gießen und Lich, die Zentrale in Lollar wurde geschlossen. Jene in Linden und Grünberg werden nur noch als Standorte für den Fahrdienst betrieben. Diese neue Regelung ist Bestandteil einer Reform des Ärztlichen Bereitschaftdienstes in Hessen. Dabei wurden die Bezirke vergrößert mit dem Effekt, dass die niedergelassenen Ärzte seltener zum Bereitschaftsdienst herangezogen werden müssen. Das ist ein Baustein, um dem Mangel an Hausärzten in ländlichen Regionen entgegenzuwirken. Ein weiterer: »Die Etablierung einheitlicher Vergütungs- und Finanzierungsregeln«, wie Dr. Starke hervorhob.

Im Anschluss an seinem Vortrag stellte sich Dr. Starke mit Björn Hambach den Fragen der Anwesenden. So bemerkte Bürgermeister Jörg König: »Ich habe den Eindruck, Sie gehen davon aus, dass Linden eine ausblutende Stadt ist. « Und ergänzte nicht ohne Stolz, dass die Einwohnerzahl nach letzten Berechnungen auf 13 313 angewachsen ist. »Wir hatten bisher ein hervorragendes System«, erklärte er . »Nun müssen wir nach Gießen oder Lich mit langen Wartezeiten.« Dem hielt Dr. Starke entgegen, dass die Bürger in Hessen eigentlich deutlich besser versorgt seien, räumte aber ein, dass »der eine oder andere weiter fahren« müsse.

Der Allgemeinmediziner sagte aber auch zu: »Wenn der Ärztliche Bereitschaftsdienst nicht mehr funktioniert, werden wir reagieren.« So werden bei der KV die Patientenströme beobachtet. Gudrun Lang, Vorsitzende der SPD-Fraktion im Stadtparlament, bezeichnete die Schließung der Lindener Notfallpraxis als »willkürlich« und sieht wirtschaftliche Interessen dahinter. Dem widersprach Dr. Starke und erklärte, dass die Reform den Bereitschaftsdienst nicht billiger mache. Frank Hille, Vorsitzender der CDU-Fraktion, befürchtet eine Verschlechterung der Versorgung und damit der Lebensqualität in Linden. »Sie lassen den Bürger im Regen stehen«, warf er der KV vor. Drastischer formulierte es Dr. Christof Schütz, Fraktionsvorsitzender der Grünen: »Wir sind am Ende der Nahrungskette und werden sozusagen gefressen.« »Die Versorgung ist nicht schlechter geworden«, entgegnete Dr. Starke, der allerdings einräumte, dass die Kommunikation hätte besser sein können. Außerdem: Wenn junge Ärzte hören, dass sie an jedem dritten Tag Bereitschaft haben, gehen sie.

« Die neue Regelung soll helfen, den »Beruf des niedergelassenen Arztes attraktiver zu machen«. »Wenn es einen Systemfehler gibt, dann müssen Sie das melden«, forderte Dr. Starke die Anwesenden auf und kündigte in diesem Fall Veränderungen an. »Wir sehen, wo es klemmt, und werden nachbessern.«

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