30. November 2018, 21:38 Uhr

Unbekannt – bis jetzt

30. November 2018, 21:38 Uhr
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Aus der Redaktion
Leroy Emmanuel erzählt, rechts »King Christian« Wegscheider. (Foto: axc)

Der Auftritt des europäischen Trios um Leroy Emmanuel ließ die gefühlte Temperatur im Kino Traumstern nach und nach deutlich ansteigen. Vielen Zuhörern dürfte der Name des 72-jährigen, aus Atlanta, Georgia, stammenden und in Detroit, Michigan, groß gewordenen Gitarristen und Sängers unbekannt gewesen sein.

Umso bekannter sind die Namen all der Legenden, in deren Bands der Mann mit der sonoren Stimme und dem einzigartigen Gitarrenstil seit 60 Jahren mitwirkt. Dazu zählen die Blues-Giganten John Lee Hooker und T-Bone Walker ebenso wie Helden des Motown-Soul wie Marvin Gaye oder die Jackson 5. Nicht zufällig heißt der Opener des aktuellen Albums »Curtis«, denn auch Mayfield war »A friend of Mine«. In Lich spielt er den Song als finale Verbeugung vor den Besten am Schluss.

»Brick House« als Zugabe

Es dauert ein wenig, bis Stimmung im Saal aufkommt: Der sympathische Emmanuel erzählt etwas zu viel von seinen Erinnerungen an einen früheren Auftritt am Ort, bevor er zur Musik kommt. »You’ve got the Love« punktet mit flottem, aber entspanntem Tempo, coolen Rhythmuslicks auf der knallgrünen Gibson und wunderbar schleifender oder sülzender Hammond-Orgel (»King Christian« Wegscheider) und punktgenauem Schlagzeug (»Prince Csaba« Schmitz). Mit dem noch forscheren »Love & Things« folgt die nächste Eigenkomposition.

Mühelos wechselt Emmanuel zwischen präzis-knackiger Rhythmus- und wohldosierter Soloarbeit. Ein Plektrum hat er nie benutzt, stattdessen spielt er alles mit dem Daumen, während die anderen Finger auf der Decke seiner Gibson ruhen. Emmanuel spielt also ähnlich wie sein großes Vorbild, Jazzgitarrist Wes Montgomery, dessen fulminantes »4 on 6« mit dem dunklen Bass-Ostinato (Orgel) den Höhepunkt des ersten Sets bildet. Emmanuels mäßig origineller »CNN Blues« fällt da etwas ab.

Der österreichische Organist darf nicht nur mit seinen Hammond-Sounds glänzen, die bisweilen an die frühen Santana oder Deep Purple erinnern, sondern auch mit zwei eigenen Stücken. »A Love I Once Knew« mit einem funky Riff entlässt die Fans in die Pause. Einige nutzen sie zum persönlichen Gespräch mit dem bescheidenen Wahl-Kanadier.

Anschließend gibt es mit einem swingenden »Stormy Monday Blues« und George Bensons »Shiver« weitere Cover-Versionen, letztere mit genretypischem Falsettgesang. »Missing« geht nach einem (ba)rockigen Kirchenorgelsolo in »Things a Man Needs« über, eine schön triefende Ballade zwischen Soul, Blues und ein bisschen Rock.

Die ausgedehnt-groovende Zugabe, der Commodores-Klassiker »Brick House«, enthält eine Rap-Einlage mitsamt Vortrag über die musikhistorischen Zusammenhänge von Funk und Hip-Hop, denn in vielen Samples heutiger Rapper und Hip-Hopper ist auch der Gitarrist des Abends zu hören. Gut so.



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