16. September 2017, 10:10 Uhr

Kinokritik

Überraschend gut: The book of henry

Der Film kommt am 21. September in die Kinos. Unser Kinokritiker Patrick Dehnhardt hat ihn vorab gesehen – und kommt zum Ergebnis: gelungene Abwechslung.
16. September 2017, 10:10 Uhr
Regisseur Colin Trevorrow liefert mit »The Book of Henry« eine gelungene Abwechslung zu Standard-Hollywood-Plots ab. (Foto: Chris Pizzello/Invision/AP/dpa)

Es ist ein bemerkenswerter Film, den Regisseur Colin Trevorrow mit »The book of Henry« abliefert. Die Handlung entwickelt sich unvorhersehbar, steuert einem dramatischen Ende entgegen – und wird dennoch mit sehr schönen Bildern untermalt. Ein kleines Meisterwerk.

Zunächst glaubt man, dass man das schon alles einmal irgendwie so ähnlich gesehen hat: Henry (Jaeden Lieberher) ist hochbegabt und daher ein sehr guter Schüler. Mit seiner Mutter Susan Carpenter (Naomi Watts) hat er in großen Teilen die Rollen getauscht: Während sie sich bei Computerspielen vor dem Fernseher vergnügt und mit ihrer besten Freundin regelmäßig betrinkt, führt er ihren Aktienfond und kümmert sich um ihr Konto und ihre Steuererklärung. Der Elfjährige ist in seine Nachbarin und Klassenkameradin Christina (Maddie Ziegler) heimlich verliebt, die jedoch auf seine zarten Annäherungsversuche nicht wirklich eingeht. Könnte die Handlung eines klassischen Kinderfilms sein – die sollte man jedoch besser zu Hause lassen, wenn man ihn sich anschaut.

Keiner will ihm glauben...

Denn als Henry bemerkt, dass Christina von ihrem Stiefvater missbraucht wird, versucht er ihr zu helfen. Er wendet sich an das Jugendamt, die Schulleitung und andere Stellen – doch es ist vergebens: Da Glenn der Polizeichef der Stadt und ein angesehener Bürger ist, will dem Jungen keiner so recht glauben. Alle Ermittlungen werden bereits im Ansatz erstickt.

Nun versteigt sich Henry in den Gedanken, dass Problem durch Selbstjustiz zu lösen. Detailliert plant er, wie er an eine Waffe kommen und Glenn töten kann, ohne das seine Spur entdeckt wird. Doch bevor er den Plan verwirkliche kann, bricht er zusammen. Die Ärzte diagnostizieren einen Gehirntumor. Wenige Tage später stirbt Henry im Krankenhaus.

Mordauftrag aus dem Jenseits

Obwohl die Hauptfigur des Films damit zur Hälfte bereits tot ist, ist er doch weiter gegenwärtig. Denn in seinem Notizbuch hat er den Plan, Glenn zu töten, für seine Mutter notiert und ihr auf Tonbandkassetten hinterlassen. Susan versucht zunächst auf legalem Weg, Christina zu helfen, doch auch sie scheitert. Da sie ihrem Sohn bisher immer blind vertraut hat, folgt sie seinen präzise ausgearbeiteten Anweisungen...

Der Film überrascht angenehm. Jaeden Lieberher spielt auf ein unaufdringliche Art und Weise die Rolle des genialen Jungens. Statt den Missbrauch zu zeigen, wird dieser nur angedeutet, indem man Henrys und später Susans Reaktion sieht, als sie jeweils Zeuge der Tat werden. Ein guter Griff in die filmische Trickkiste statt billigen Voyeurismus.

Henry wird zudem nicht als Überfigur a la Sheldon Cooper aus »The big bang theory« dargestellt, sondern bleibt weiterhin Kind, auch wenn dies sein Umfeld immer wieder vergisst. Er spielt mit seinem Bruder Peter und versucht diesen immer wieder aufzumuntern und bei Problemen beizustehen. Diese besondere Beziehung liefert auch einen der Wendepunkte des Films: Als Susan bereits im Plan, Glenn zu töten, weit vorangeschritten ist, verunstaltet Peter in der Schule ausgehängte Kinderbilder, in dem er auf die Gesichter Bärte malt. Als Susan ihn dafür kritisiert, antwortet er: »Aber Henry hätte es gefallen«, worauf sie erwidert: »Henry ist auch ein elfjähriger Junge.«

Der Film kommt am 21. September in die deutschen Kinos. Für regelmäßige Filmegucker und Kinogänger ist er eine willkommene Abwechslung zu sonst meist sehr vorhersehbaren Storys.

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