24. März 2018, 18:00 Uhr

Gesund arbeiten

Trotz Stress im Job mal den Kopf frei kriegen

In der Asklepios Klinik Lich sollen die Patienten gesund werden. Und die Mitarbeiter möglichst lange gesund bleiben. Deshalb wird auf Station regelmäßig geturnt und massiert.
24. März 2018, 18:00 Uhr
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Von Ursula Sommerlad
Einmal im Monat zieht Physiotherapeut Sebastian Katzenbach durch die Asklepios-Klinik Lich. Die Mitarbeiter auf Station können sich dann eine zehnminütige Massage gönnen.

Reinhard Brugger ist 59 Jahre alt und seit vier Jahrzehnten Krankenpfleger. »Mit Leib und Seele«, wie er sagt. Doch am Leib haben die körperlichen Belastungen Spuren hinterlassen. Zwei Bandscheibenvorfälle hat Brugger hinter sich. An diesem Vormittag gönnt er sich eine Pause von seinem anstrengenden Job. Im Frühstückszimmer von Station 2a der Asklepios-Klinik Lich lässt er sich zehn Minuten lang massieren. »Heute nehme ich mir die Zeit«, sagt er.

Kostenlose Massage bietet die Asklepios-Klinik Lich ihren Mitarbeitern einmal im Monat an. Dann zieht Physiotherapeut Sebastian Katzenbach mit einem klappbaren Massagestuhl über die Stationen. »Der Auftakt ist immer am schwierigsten«, erzählt er. Aber wenn erst einmal ein freies Plätzchen gefunden ist und einer den Anfang gemacht hat, kann sich Katzenbach nicht mehr über mangelnde Arbeit beklagen. So ist es auch an diesem Vormittag. Kaum hat sich die Stationssekretärin unter seine Hände begeben, klopfen die nächsten schon an die Tür. »Ich möchte auch gerne...«

 

Ein Bündel an Maßnahmen

Das Angebot einer monatlichen Massage gehört zu einem Demographie-Projekt, das der ganze Asklepios-Konzern im Bereich Personal umsetzt. Ziel: Die Mitarbeiter sollen möglichst lang möglichst fit und gesund bleiben. Davon profitieren die Betroffenen. Aber auch die Vorteile für die Arbeitgeber liegen auf der Hand. Krankenpflege ist ein Mangelberuf, Nachwuchs nur schwer zu finden. Die Krankenhäuser sind also darauf angewiesen, dass das vorhandene Personal leistungsfähig bleibt. »Aber auch der Wissentransfer ist wichtig«, sagt Klinik-Sprecherin Patricia Rembowski. Ältere Mitarbeiter sollen so lange wie möglich ihre Erfahrungen an die Jüngeren weitergeben können.

In Lich wird das Demographie-Projekt seit Anfang 2017 umgesetzt. Neben Personalleitung, Marketing und Betriebsrat sind auch Mitarbeiter eingebunden. Letzteren komme eine wichtige Funktion zu. »Sie sind das Ohr in der Station«, sagt Rembowski. »So erfahren wir, was verbessert werden könnte.« Und wenn es nur ein Tisch ist, der höher oder niedriger eingestellt werden muss.

Mittlerweile kann die Klinik-Sprecherin auf ein ganzes Bündel an Maßnahmen verweisen: Die Mitarbeiter können kostenlos Kurse beim TV Lich belegen, sie bekommen in Licher Fitness-Studios Sonderkonditionen, in den Sommermonaten gibt es regelmäßig kulinarische Mittagspausen und einmal wöchentlich animiert TV-Übungsleiterin Ilka Schäfer die Mitarbeiter auf den Stationsfluren zur Gymnastik. »Mal zehn Minuten lang den Kopf frei kriegen, darum geht’s«, sagt Patricia Rembowski. Weitere Ideen sind willkommen. Zu den Resultaten des Projekts kann die Sprecherin noch nichts sagen. »Wir sind in der Umsetzungsphase.« Frühestens im dritten oder vierten Quartal werde man Ergebnisse zusammen tragen können.

Man muss abschalten lernen. Sonst kann man diesen Beruf nicht ausüben.

Eine Krankenschwester

Ob Krankenpfleger Brugger das Angebot begrüßt? »Na sicher«, sagt er. Während er seine Massage genießt, erzählt er, dass es gar nicht so sehr die körperlichen Belastungen sind, die seinen Beruf anstrengend machen. »Die Arbeitsbedingungen haben sich verschärft.« Deswegen findet er es auch gut, dass seit dem letzten Bundestagswahlkampf die Situation in der Pflege verstärkt in den Fokus gerückt ist. Er selbst hat einen eigenen Weg gefunden, mit der beruflichen Belastung umzugehen. »Ich mache Sport, da kann ich mich abreagieren.«

Die Kollegin, die nach ihm auf dem Massagestuhl Platz nimmt und ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, hat eine ähnliche Strategie. Als Ausgleich zur anstrengenden Schichtarbeit macht sie Yoga, geht schwimmen und verschafft sich auch sonst viel Bewegung. »Man muss abschalten lernen«, sagt die Frau, die seit einem Vierteljahrhundert im Licher Krankenhaus arbeitet. »Sonst kann man diesen Beruf nicht ausüben.« Auch deshalb hat sie sich trotz des eng getakteten Alltags auf Station die zehn Minuten für die Massage frei geschaufelt. »Wenn der Arbeitgeber das schon anbietet, sollte man sich die Zeit auch gönnen,« findet sie. »Und der Basti macht das ganz wunderbar.«

 

Zeit für Gespräche

Sebastian Katzenbach geht es aber nicht nur darum, mit seinen Massagen den Kollegen Entspannung zu verschaffen. Mindestens genauso wichtig findet er das Gespräch. Denn nicht alle Mitarbeiter achten so auf ihre Gesundheit wie Reinhold Brugger und seine Kollegin. »Es kommen manche, auch Jüngere, die haben Beschwerden, Verspannungen, bis hin zu Taubheitsgefühlen. Und wenn ich dann frage: Machst du was?, dann heißt es: nö.« In solchen Fällen kriegen die Kollegen nicht nur eine entspannende Massage. Sondern auch Tipps und Anregungen von einem Experten. (Foto: us)



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