20. Mai 2019, 22:18 Uhr

Triumph auf akustischem Neuland

20. Mai 2019, 22:18 Uhr
Exotisches Flair in der Stadtkirche mit Maracatuque alias (v. l.) Thomas Keil, Herbert Elischer, Brigitte Wagner, Vitor Domingo Hausen, Oliver Reitz und Jürgen Pfeil. Daniela Werner an der Orgel wird als kongeniale Partnerin im zweiten Konzertteil gefeiert. (Foto: ik)

Seine Eltern waren mindestens 10 000 Kilometer weit gereist, um an diesem Konzert teilnehmen zu können - und sie dürften sich nicht nur wegen des warmherzigen Applauses gleich wie zu Hause gefühlt haben: Für den brasilianischen Sänger und Gitarristen Vitor Domingo Hausen mit Wahlheimat im Marburger Land hatte der Freitagabend eine ganz eigene Bedeutung. In der Evangelischen Stadtkirche verblüffte er gemeinsam mit dem Gießener Percussion-Ensemble Maracatuque und der Treiser Organistin Daniela Werner mit einem Programm, das für alle Beteiligten akustisches Neuland darstellte - Publikum inklusive.

In der Reihe »Mixtur - eine Woche mit der Orgel« präsentierten die Akteure die große Bandbreite brasilianischer Musik; die spezielle Herausforderung lag dabei in der Verschmelzung der typischen südamerikanischen Rhythmen wie etwa Bossa Nova, Samba und Jazz mit dem Klang der Königin der Instrumente, der Orgel. »Heizen Sie uns richtig ein, damit uns etwas wärmer wird«, hatte Markus Stiehl vom Laubacher Tourismusbüro die Musiker eingangs aufgefordert. Und tatsächlich wich die Kühle des Gotteshauses schon bald einer wohligen Wärme, die sich in den Herzen der Zuhörer breitmachte.

Während Herbert Elischer, Thomas Keil, Jürgen Pfeil und Oliver Reitz mit Holztrommeln, Snares, Shekeres, Gonguê und allerlei weiteren Rhythmusinstrumenten einen verblüffend authentischen Klangteppich zum Gesang von Vitor Hausen ausrollten, lud (Mit-Percussionistin) Brigitte Wagner mit ihrer Querflöte ein ums andere Mal zum Träumen ein. Da flanierte vor dem inneren Auge des Zuhörers beispielsweise Antônio Carlos Jobims »Girl from Ipanema« mit sommerlicher Leichtigkeit über den Prachtstrand von Rio de Janeiro. »Rhythmus mit all seinen Facetten und Freude spendenden Eigenschaften wird persönlich erfahrbar«, hatten die Veranstalter angekündigt und damit keineswegs zu viel versprochen. »Wir bewegen uns hier auf kirchenakustischem Neuland«, wollte Herbert Elischer möglichen Irritationen vorbeugen - seine Skepsis war unbegründet, denn das Publikum ließ sich gerne auf das Experiment ein.

Aus logistischen Gründen war die Orgel im ersten Programmteil ausgespart; Maracatuque und Co. musizierten zunächst »allein« im Altarraum. Rasant ging es mit »Samba duro« dann auf der Empore weiter: Das Ensemble hatte sich um die Orgel mit Daniela Werner gruppiert und lief zur Hochform auf. Mittels Videotechnik konnte das Publikum den Auftritt auch im Bild verfolgen. Dank des sensiblen Spiels der Percussionisten zur herausragenden Interpretation von Daniela Werner an der Orgel und Brigitte Wagner an der Querflöte wird die exquisite Version von Maurice Ravels »Boléro« noch lange nachhallen. Bei Klassikern wie »Mas que nada« oder »Aquarela do Brasil« gingen alle mit. Das aufmerksame Publikum wurde mit dem Titelsong aus »Phantom der Oper« als Zugabe belohnt. Ein spannendes Crossover, das allen ein Lächeln ins Gesichts zauberte und bei dem kaum jemand ruhig sitzen blieb.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Antônio Carlos Jobim
  • Gitarristen
  • Königinnen und Könige
  • Oper
  • Organistinnen
  • Orgel
  • Publikum
  • Querflöte
  • Samba
  • Siege und Triumphe
  • Sänger
  • Laubach
  • Gabriele Krämer
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen