19. Juni 2018, 22:13 Uhr

Afrikanische Schweinepest

Trichinen-Untersuchung von Wildschweinen gebührenfrei

19. Juni 2018, 22:13 Uhr

Der Landkreis Gießen verzichtet für die kommenden zwei Jahre auf die Erhebung der Gebühr für die Trichinen-Untersuchung bei erlegten Wildschweinen. Das hat der Kreistag jüngst beschlossen. Voraussetzung ist, dass die Jäger die Proben selbst entnehmen und zur Untersuchung ins Veterinäramt bringen.

»Das Ausbreitungsrisiko der afrikanischen Schweinepest kann durch die Verringerung des Wildschweinebestandes minimiert werden. Da dies für die Jägerschaft einen zusätzlichen Jagdaufwand bedeutet, wollen wir sie durch die Übernahme der Untersuchungsgebühr entlasten«, erklärte Landrätin Anita Schneider.

Die afrikanische Schweinepest ist eine anzeigepflichtige Viruserkrankung, die ausschließlich Haus- und Wildschweine befällt. Menschen können sich nicht infizieren. Derzeit tritt sie vor allem im Baltikum, Polen, Moldawien, Rumänien und Tschechien auf. Bisher gibt es noch keine Fälle in Deutschland. »Eine Einschleppung in heimische Tierbestände muss verhindert werden«, sagt Hans-Peter Stock, der für Veterinärwesen und Verbraucherschutz zuständige Dezernent. Die derzeit hohe Wildschweindichte würde im Falle der Einschleppung der Schweinepest zu einer schnellen Ausbreitung führen. »Eine intensivere Bejagung reduziert die Wildschweindichte und damit das Risiko.«

Diese Aussetzung der Gebühren soll gleichzeitig ein Anstoß dafür sein, dass Wildschweinfleisch auch in den Verkauf kommt. Denn jedes Wildschwein, das für den Verzehr bestimmt ist, muss auf Trichinen untersucht werden. Trichinen sind winzige Fadenwürmer, die als Parasiten im Muskelgewebe von Tieren leben.

Im vergangenen Jagdjahr wurden im Kreis Gießen rund 4000 Wildschweine geschossen. Der Preis für Wildschweinfleisch ist durch die gestiegenen Abschusszahlen jedoch um über 50 Prozent gesunken. »Für Jäger wird es immer unwirtschaftlicher, Wildschweine zu schießen«, erklärt Dieter Mackenrodt, Vizepräsident des Landesjagdverband der Hessen e.V. Die Entscheidung der Gebührenaussetzung findet Zustimmung bei den rund 2000 Jagdscheininhabern der Region. Allerdings würden auch damit wirtschaftliche Verluste der Jäger nicht aufgefangen werden. Eine Prämie für geschossene Wildschweine wäre noch besser«, sagt Mackenrodt.

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