23. April 2018, 18:56 Uhr

Wiesn

Trauer um Wiesnwirt Richard Stoiß

Richard Stoiß war der Mann, der die Wiesn einst nach Pohlheim holte. Mit Herzblut und Hingabe hat er daraus ein eigenes Format gemacht. Am vergangenen Freitag ist Stoiß mit 57 Jahren gestorben.
23. April 2018, 18:56 Uhr
So werden wohl die meisten Wiesn-Besucher Richard Stoiß (r.) in Erinnerung behalten: Eine Maß in der Hand und immer für gute Stimmung sorgend - wie hier im Jahr 2009 zusammen mit Rainer Noll (l.), dem ehemaligen Geschäftsführer der Licher Brauerei. (Foto: Geck)

Wir machen nichts anderes als das Verlangen der Menschen zu stillen nach dem kurzweiligen Miteinander und dem Feiern – und sie sollen dabei gut essen. Herkommen und für acht Stunden alles vergessen, was ihnen sonst so irgendwo am Bein hängt.« Es sind Worte von Richard Stoiß, 2016 hat er sie gesagt. Die Pohlheimer Wiesn und Stoiß, das war immer eins. Er war der Macher, der Wiesnwirt, der das Event 2009 ins Leben rief. Ein Stück bajuwarische Tradition auf der Mockswiese.


Am vergangenen Freitag nun ist Stoiß nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 57 Jahren gestorben. Es ist eine äußerst ungerechte Laune des Schicksals, eine Woche vor dem Start der Jubiläums-Ausgabe. Und so mag jene so alltäglich wirkende Betriebsamkeit, die auch am Montag auf der Mockswiese herrschte, über die persönliche Betroffenheit hinwegtäuschen. Überall wurde gewerkelt, der Aufbau des Festzelts ist weit fortgeschritten. Bei Bill-Event, seiner Firma, sind sie sicher, Stoiß hätte es so gewollt.

Seine Fußstapfen sind riesig groß. Eigentlich kann man diese nicht ausfüllen

Carsten Prill


Bereits im vergangenen Oktober hatte sich Stoiß aus den geschäftlichen Angelegenheiten zurückgezogen. Schon damals war er gezeichnet von der Krankheit. Es sei sein Fest und wird es auch immer bleiben, sagte Carsten Prill vor ein paar Wochen auf einem Pressetermin. Prill, der Unternehmer aus Stadtallendorf, ist ein langjähriger Freund von Stoiß und sein Nachfolger als Wiesnwirt. Die Fußstapfen von Stoiß, sagte Prill damals noch, »sind riesig groß. Eigentlich kann man diese nicht ausfüllen.«


Stoiß, geboren am 26. November 1960 in der Schweiz, wuchs in Olching in Oberbayern auf. Die Wiesn war schon immer ein Teil seiner Vita. Bereits als Kleinkind war er das erste Mal auf dem Münchner Oktoberfest. »Es war fast ein Pflichttermin, dass man als Familie hingeht«, hat er einmal im Interview mit dieser Zeitung gesagt.

Stoiß war Visionär


Nun wäre es arg verkürzt, sein Schaffen auf die Pohlheimer Wiesn zu beschränken. Es war »sein Baby«, wie seine Firma Bill-Event in ihrem Nachruf schreibt. 1993 hatte er sie gegründet – zunächst als Zeltverleih. Später kam die Catering-Sparte hinzu, 1999 übernahm Stoiß den Logistikbereich der Licher Brauerei. 2006 setzte sich das Unternehmen im Event-Bereich durch und verlegte 2011 den gesamten Firmensitz nach Lich. In Stoiß’ Sinne sollen alle Geschäftsfelder weitergeführt werden. Das Wiesnfest aber war trotz etlicher anderer erfolgreicher Events immer das, womit man Stoiß in Verbindung brachte.


Im Prinzip war er so etwas wie ein Visionär. Münchner Tradition nach Hessen zu verfrachten, das barg ja durchaus auch Risiken. Doch Ideen auszuprobieren, sich inspirieren zu lassen, das gefiel Stoiß, erst recht wenn es um die Wiesn ging.

Liebe zum Detail


Wer mit ihm darüber sprach, der merkte schnell, dass er stolz auf sein ganz eigenes Format war. Man habe damit »eine gewisse Marke« geschaffen, so hat er es einst genannt. Und: »Wir sind nicht zu kopieren.« Dass Stoiß auch bei einfachsten Dingen selbst Hand anlegte, dass er durchaus perfektionistisch veranlagt war, das liegt wohl in der Sache. »Jeder Haken der im Wiesn-Festzelt hängt, wurde von ihm persönlich ausgesucht und genau ausjustiert, wo er zu hängen hat«, heißt es im Nachruf von Bill-Event.


Was neben unternehmerischem Erfolg dazugehören müsse, damit er von einer sinnvoll gestaltete Lebenszeit spreche, wurde er einst gefragt. Stoiß antwortete: »Es müssen schöne Veranstaltungen hinter einem liegen, die man gut abgearbeitet hat. Der Lohn der Arbeit ist ja nicht allein in Geld zu bemessen, sondern hat mit der Zufriedenheit der Leute zu tun, der Kunden, der Festbesucher. Wenn etwas gelingt, dann ist das der schönste Lohn der Arbeit.«


An diesem Freitag nun startet das zehnte Wiesnfest. Es ist das erste ohne Stoiß. Er hinterlässt seine Ehefrau Iris mit Tochter und Sohn sowie seine beiden Töchter und sechs Enkelkinder.

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