23. Januar 2018, 18:00 Uhr

Hommage

Sven Görtz singt Leonard Cohen

Landkreispremiere in Lollar: Sven Görtz mag Leonard Cohen. In seinem neuen Programm singt er die Lieder des kanadischen Stars und wandelt auf seinen Spuren.
23. Januar 2018, 18:00 Uhr
Sven Görtz singt Lieder von Leonard Cohen und erzählt aus seinem Leben. (Foto: vh)

Georg Friedrich Händel verbuchte 243 Jahre lang ein Alleinstellungsmerkmal: das Halleluja (aus Oratorium »Messias«). 1984 änderte sich das. Der kanadische Singer-Songwriter, Schriftsteller, Dichter und Maler Leonard Cohen veröffentlichte ein Album namens »Various Positions«, darunter die neue Version eines Halleluja. Dessen eingängige Melodie wurde weltberühmt.

Doch Cohen war weit mehr als ein »Halleluja«. Sven Görtz erinnerte mit einer famosen Darbietung unter dem Titel »So long, Leonard Cohen« an sein großes Vorbild. Die Veranstaltung der Stadt- und Schulmediothek der Clemens-Brentano-Europaschule war ausverkauft.

Görtz selber wandelt auf ähnlichen Spuren, betätigt sich als Singer-Songwriter, Hörbuchsprecher und literarischer Philosoph der Romane und Essays verfasst. Und das kommt nicht von ungefähr.

Ohne Cohen wäre ich nicht der, der ich bin, sagt Görtz sinngemäß. »Aber das weiß der natürlich nicht«, schiebt er nach und erzählt von einer faszinierenden Person mit lauter ungewöhnlichen Lebensstationen.

Görtz singt mit seiner ungemein deutlichen Aussprache und sonorer Stimme Cohens schönste Lieder. Am 11. November 2016, einem klirrend kalten Tag mit feldmausgrauen Wolken habe in allen Zeitungen gestanden, dass Cohen am 7. November in Los Angeles gestorben sei, sagte Görtz. Er sei erschüttert gewesen.

 

Authentische Perfektion

 

Cohen sei ihm ein großer und bedeutender Teil seiner Jugend gewesen – wie ein »Echo aus glücklichen Zeiten«. Er habe ruhige schlehendunkle Augen gehabt und dennoch 1000 Gesichter.

Stets tadellos gekleidet, habe Cohen ruhig fließende Worte zu einfachen Melodien mit perlender Gitarrenbegleitung gefunden. Die Gitarre sei extra zwei Töne tiefer gestimmt gewesen.

Görtz spricht von der Originalität der leisen Töne. Cohen habe immer die Langsamkeit gemocht, nach Antworten über Sinn und Inhalt des Lebens gesucht. Den guten Song bestimme der Grad der Wahrheit und Aufrichtigkeit.

Cohen habe die künstlerische Wahrhaftigkeit gelebt und vieles verworfen. Als die Tonstudiotechnik 40 Spuren zuließ, sei der Künstler der eigenen unverstellten Klangästhetik treu geblieben.

 

Alles, aber nicht trivial

 

Gleichwohl er auf besondere Arrangements verzichtet habe, habe Cohen nicht trivial gearbeitet, vielmehr authentische Perfektion betrieben. Ganze Notizbücher habe er für einen Song voll geschrieben.

Aufgrund dieses Perfektionismus habe er oft mit Produzenten über Kreuz gelegen. Cohen habe geheimnisvolle Texte verfasst, auch ungewöhnliche Formen genutzt. Auf dem Album »Songs of Love and Hate« wird der Titel »Famous blue Raincoat« am Ende musikalisch unterschrieben mit »Sincerely L. Cohen«.

Görtz wandelt auf den Spuren des Kanadiers, begleitet ihn Anfang der 60er Jahre auf Londons regennasse Straßen, spielt Mäuschen auf der griechischen Insel Hydra, wo Cohen ein einfaches weiß gestrichenes Haus kaufte, dass heute noch im Familienbesitz sei.

 

Einsamkeit und Konzentration

 

Auf Hydra wurde die Norwegerin Marianne Ihlen zu seiner Muse. Cohen habe Einsamkeit und Konzentration gesucht, erreichbare Drogen konsumiert, gefastet wie ein Mönch in der Klause und sei doch wieder den Verlockungen des Eros erlegen.

Heute lebe der Jet-Set auf Hydra und Cohens Haus sei sicher das Tausendfache des Kaufpreises wert, sagte Görtz. Der Bau von Stromleitungen auf die Insel habe den Suchenden zu dem Song »Bird on a Wire« inspiriert, das Lied über die Freiheit schlechthin.

Am Ende war das Publikum ob der vielen Infos über Cohen etwas erschöpft. Es schwelgte aber in der von Görtz Sprech- und Singstimme wunderbar vermittelten Charakteristik eines Individualisten, von dem viele nur ein Halleluja kennen.

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