17. Mai 2019, 05:00 Uhr

Waffenbastler

Staufenberger wegen privater Waffensammlung verurteilt

Flammenwerfer, Schusswaffen, gefährliche Chemikalien: All das fand die Polizei im März in einer Staufenberger Wohnung. Der Besitzer stand nun vor Gericht. Was hatte er mit den Waffen vor?
17. Mai 2019, 05:00 Uhr

Es begann mit großer Aufregung in einem kleinen Ort: Am 14. März tummelten sich Polizei und Feuerwehr in einer Straße in Staufenberg-Mainzlar. Anwohner wurden evakuiert. In sozialen Netzwerken war schnell von einem SEK-Einsatz die Rede, doch die Polizei dementierte.

Der Mann, dem dieser Einsatz galt, stand am Donnerstag vor dem Amtsgericht. Ein ruhiger, unauffällig wirkender junger Mann. Doch die Sammelleidenschaft, der er in seiner Wohnung nachging, war alles andere als gewöhnlich: Laut Anklage fand die Polizei bei ihm ein Waffenarsenal Marke Eigenbau.

Von Flammenwerfer bis Napalm

Der 35-jährige gebürtige Friedberger hortete zwei selbst hergestellte Waffenläufe, einen selbstgebauten Flammenwerfer, außerdem Schusswaffen, Munition, ein Butterflymesser und Chemikalien, aus denen sich Sprengstoff herstellen lässt. Staatsanwältin Dr. Julia Vorländer sprach von Napalm und einer »Armstrongschen Mischung«, die auch für Streichholzköpfe verwendet wird.

Waffen und Munition besaß der Angeklagte ohne Erlaubnis - und entgegen einem ausdrücklichen Verbot. Vor einigen Jahren hatte er in einem Wald Schüsse abgefeuert und war dabei erwischt worden. Daraufhin wurde ihm der Besitz von Munition behördlich untersagt.

Polizei: Kein terroristischer Hintergrund

»Wir sind hier, um reinen Tisch zu machen«, äußerte sich der Anwalt des Angeklagten. Er räumte den Tatvorwurf ein: Verstoß gegen das Waffen- und das Sprengstoffgesetz. Doch warum hatte der Staufenberger sich das Arsenal aufgebaut? Wollte er die Waffen einsetzen? Bereits am Tag der Hausdurchsuchung hatte die Polizei einen terroristischen Hintergrund ausgeschlossen.

»Groß vor hatte ich damit nichts, es war eher so das Bauen an sich, was mich interessiert hat«, sagte der Angeklagte. Er habe »eine hohe Affinität zu Waffen und Sprengstoff, das fasziniert ihn«, meinte sein Anwalt, doch er habe die gefährlichen Gegenstände nie gegen andere einsetzen wollen. »Ich denke, das ist eine psychische Auffälligkeit, die behandelt werden muss.« Über die Suchthilfe habe er bereits nach Hilfe für den Angeklagten gesucht, bislang erfolglos.

Jürgen Seichter, der Vorsitzende Richter, hakte nach: Wann kam der Hang zu Waffen? »Mit 17, 18 Jahren«, antwortete der Staufenberger, »das hat sich langsam entwickelt, irgendwie«. Auch die persönliche Situation des Mannes war Thema. Seit drei Jahren ist er ohne Beschäftigung - ohne Führerschein sei es schwierig, etwas zu finden. Das kam beim Vorsitzenden nicht gut an: »Meine Großmutter hat immer gesagt: ›Müßiggang ist aller Laster Anfang‹«, sagte Seichter.

Etliche Vorstrafen

Zeugen wurden am Donnerstag nicht gehört. Seichter befragte die Lebensgefährtin des Angeklagten lediglich informell. »Ich habe nicht wirklich mitbekommen, was er gebastelt hat«, sagte sie. Laut Anklage hatte er ihren Online-Zugang genutzt, um die Chemikalien zu kaufen. Auch ihr gegenüber zeigte sich der Angeklagte einsichtig: »Ich wollte mich noch mal bei dir entschuldigen für den Stress, den ich dir gemacht habe.«

Das Vorstrafenregister des Heimwerkers auf Abwegen schien auf den ersten Blick ähnlich umfangreich wie seine Waffensammlung: Sieben Einträge seit dem Jahr 2000, darunter Geld- und Bewährungsstrafen wegen Diebstahls, Fahrens ohne Führerschein, unerlaubten Waffenbesitzes und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Das Gericht wertete allerdings zu seinen Gunsten, dass die Taten teils schon weit zurücklagen.

Auch Gefahr für Nachbarn

Die Staatsanwältin beantragte eine Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten - und erinnerte daran, dass über dem Angeklagten eine Frau mit Kind wohne, die er ebenfalls gefährdet habe: »Schon UV-Licht hätte zu einer Explosion führen können.« Die Verteidigung plädierte dagegen auf eine Bewährungsstrafe.

Das Urteil: Eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, zur Bewährung auf vier Jahre ausgesetzt. Zudem muss der Mann 200 Arbeitsstunden leisten. Der bislang ausgesetze Haftbefehl wurde aufgehoben. »Wir fürchten, dass Sie im Gefängnis vielleicht eine Arbeitsgruppe Sprengstoff gründen würden«, sagte Seichter. Der Haft ist der Angeklagte offenbar nur knapp entkommen. Das Schöffengericht nahm dem Mann ab, dass er niemanden verletzen wollte - und hofft, dass er sich nun ein ungefährlicheres Hobby sucht.

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