01. Mai 2019, 17:43 Uhr

Wiesnfest

Stagediving mit DJ Ötzi: So lief der Tanz in den Mai beim Wiesnfest in Pohlheim

Beim Tanz in den Mai auf der Mockswiese bewegt DJ Ötzi die Besucher zum Feiern, Mitsingen und zum Stagediving. Zwei Wörter reichen ihm aus, um das Festzelt zum Kochen zu bringen.
01. Mai 2019, 17:43 Uhr
Stefan_Schaal
Von Stefan Schaal
Die Besucher tanzen, feiern, einmal hieven sie einen stagedivenden Rollstuhlfahrer bis zur Bühne und DJ Ötzi. (Foto: hf)

Es ist kurz vor Mitternacht, als Gerhard Friedle hinter dem Festzelt auf der Mockswiese mit Besuchern plaudert. Ohne sein Markenzeichen, ohne seine weiße Strickmütze, ist Friedle alias DJ Ötzi in der Dunkelheit nicht auf Anhieb zu erkennen. Gedämpft dringen Bässe von der Bühne des Wiesnfests nach draußen – und das Lied »I will wieder hoam«.

DJ Ötzi steckt in einem schwarzen Kapuzenpulli, umarmt Fans und drückt sie sekundenlang. Auf die Frage, ob er bei Konzerten Rituale pflegt, antwortet der Musiker mit leiser, rauer Stimme: »Ich bin sehr gläubig. Rituale sind Aberglaube.« Dann hält er die linke Hand ans Herz, während er mit dem rechten Zeigefinger nach oben deutet. In diesem Augenblick ist kaum zu glauben, dass dieser Mann wenige Minuten zuvor einen tosenden Sturm im Festzelt entfacht hat. Zwei Wörter röhrte er am Dienstagabend zu Beginn ins Mikrofon: »Ein Stern« – und schon schmetterte ihm ein Chor aus 4000 Kehlen entgegen: »Der deinen Namen trägt.«

I treff mi mit dem Silbereisen in Frankfurt. I muss fohrn

DJ Ötzi

Als DJ Ötzi beim Tanz in den Mai kurz nach 22 Uhr die Bühne betritt, brechen im Festzelt die Dämme. Die Besucher strömen nach vorne. Sie stellen sich auf die Tische und strecken die Arme in die Höhe, einmal hieven sie einen feiernden und stagedivenden Rollstuhlfahrer bis zur Bühne. Immer wieder verneigt sich DJ Ötzi für mehrere Sekunden – um dann den nächsten Gassenhauer wie »Hey Baby« anzustimmen.

Zwei Stunden zuvor: Der Musiker kommt in Pohlheim an – und erinnert sich sofort. Er habe den Waldweg zur Mockswiese wieder erkannt, erzählt er später im Gespräch. »Da wusste ich: Hier war ich schon mal. Das Festzelt war damals aber noch nicht so groß.«

 
Fotostrecke: Tanz in den Mai mit DJ Ötzi beim Wiesnfest

Tatsächlich war DJ Ötzi vor zehn Jahren beim ersten Wiesnfest bereits dabei. Unter den Besuchern war damals auch Sigrun Schmandt. Wer 2009 in bajuwarischer Tracht erschien, wurde zum Teil belächelt, war zumindest in der Minderheit. »Heute gibt es kaum Besucher, die nicht im Dirndl oder in der Lederhose aufs Wiesnfest kommen.«

Für Stimmung sorgen beim Tanz in den Mai zunächst die Trenkwalder. Spontan bilden Besucher eine riesige Polonäse, ziehen an den Tischen und Bänken vorbei. Mittendrin tanzt ein Mann in einem blau-weiß karierten Hemd und in Lederhose, er trägt eine weiße Strickmütze auf dem Kopf. Sascha Hausmann aus Stadtallendorf ist bestens vorbereitet auf den Auftritt von DJ Ötzi. »Jo mei«, imitiert er den bayrischen Dialekt. »I bin halt a Profi.«

 

Promidichte im Festzelt

Während DJ Ötzi die Besucher zum Tanzen und Feiern bringt, setzt für die Kellnerinnen eine kleine Flaute ein. Eine von ihnen, Rebecca, wird kreativ: Sie läuft in dem schmalen Graben zwischen Bühne und Publikum auf und ab. Besuchern, die gerade »Anton aus Tirol« grölen, ruft sie ins Gesicht: »Etwas trinken?« Dabei hält sie die rechte Hand vor ihren Mund, spreizt Daumen und kleinen Finger aus. »Was soll man sonst machen, wenn man auf Provisionsbasis arbeitet? Bei DJ Ötzi bin ich gerade mal vier Bier losgeworden«, erklärt sie später, ohne sich allerdings zu beschweren. »Es ist ein angenehmer Abend.« Auch weil der Altersdurchschnitt recht hoch sei. »Ältere Besucher geben Trinkgeld und hinterlassen saubere Tische.«

Der Tanz in den Mai beim Wiesnfest steht traditionell für den guten Zweck im Zeichen der Tour der Hoffnung. Einmal ist plötzlich Fernsehmoderator Johannes B. Kerner, Botschafter der Tour, im Publikum. Vor der Bühne bildet sich eine Menschentraube. Nicht etwa, weil viele Gäste nach einem Autogramm fragen, sondern weil zwei Sicherheitsleute ihn schützen, und einen Durchgang im Zelt versperren. Kerner tanzt für einige Sekunden mit einer Besucherin, dann ist er wieder verschwunden.

 

Im Festzelt ist jeder per du

Kurz vor ein Uhr verlassen die letzten Gäste das Festzelt. Ohne großen Lärm und ohne Bierleichen geht der Tanz in den Mai zu Ende. Drinnen beugt sich währenddessen der Wiesnwirt über eine Holzbank. Carsten Prill hat wieder mehrere Kilometer zurückgelegt, Hände geschüttelt, mit Gästen geplaudert. Die Landrätin war da, der Polizeipräsident, der Bürgermeister und der Regierungspräsident. Vor allem eines bleibe nach dem Abend hängen, erklärt Prill. »Die haben von unserem Fest gesprochen.« Prill nennt keine Titel oder Amtsbezeichnungen, wenn er von der hohen Prominentendichte erzählt. Er spricht nicht etwa von der Landrätin, sondern schlicht von Anita. Unter dem grün-weißen Zeltdach sind alle per du.

DJ Ötzi ist derweil längst wieder unterwegs. »I treff mi mit dem Silbereisen in Frankfurt«, hat er bei seinem Abschied gesagt. »I muss fohrn.«

Info

Das ist am Wochenende los
  • Freitag: Auf der Bühne singen und tanzen die Dorfrocker, das Helene-Fischer-Double Victoria und Mickie Krause.
  • Samstag: Die Münchner Zwietracht, Loona und Mickie Krause sind zu Gast.
  • Sonntag: Beim Wiesnfest-Finale unterhalten von 11 bis 17 Uhr die Grabenland Buam und die Höhner.


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