07. Januar 2018, 09:00 Uhr

Lkw-Verkehr

Ständiges Ärgernis: Lkws auf Irrfahrt durch Daubringen

Trotz Fahrverbot quetschen sich immer wieder Lkw durch Daubringens enge Straßen – und sorgen für Sachschäden und Ärger unter Anwohnern. Dabei gibt es seit fünf Jahren eine Ortsumfahrung ins Mainzlarer Industriegebiet. Staufenbergs Bürgermeister will nun handeln.
07. Januar 2018, 09:00 Uhr
Wenn Lkw-Fahrer erst an diesem Schild in Daubringen auf das Durchfahrtverbot aufmerksam werden, beginnt oft eine Irrfahrt durch die engen Straßen des Ortes. (Foto: edg)

An einem Freitagmorgen gegen zehn Uhr blieb ein osteuropäischer Fahrer mit seinem Lkw in Daubringen stecken, erinnert sich Manfred Hein, Ortsvorsteher von Daubringen noch gut an die Szenerie. Geparkte Autos wurden dabei beschädigt und die Polizei sei gekommen, um den Schaden aufzunehmen. Alles zog sich hin und der Fahrer geriet unter Druck, da er seine Lieferung bis 14 Uhr in Mainzlar abladen musste. Hein versuchte noch, die Verantwortlichen zu erreichen, aber es war zu spät. »Er saß hier und hat geweint«, sagt er. Der Fahrer musste bis Montag in seiner Fahrerkabine übernachten, um seine Ladung nach dem Wochenende loswerden zu können. Ein anderes Mal hatte ein Fahrer, der einen Schaden angerichtet hatte, keine Versicherungskarte. »Diese Fahrer tun mir leid«, sagt Hein.

Diese Fahrer tun mir leid

Manfred Hein, Ortsvorsteher von Daubringen

Auch rund fünf Jahre nach Eröffnung der seit den 1970er Jahren geplanten Umgehungsstraße ins Mainzlarer Industriegebiet Pfingstweide bleibt der Zulieferverkehr ein Ärgernis in Daubringen. Immer wieder fahren sich Lkw mit ihrer tonnenschweren Fracht in Daubringens enger Ortsdurchfahrt fest, beschädigen Autos oder gar Häuser. Genau diese Probleme sollte die Umgehungsstraße von der Abfahrt der B3 entlang der vitalen Mitte nach Mainzlar verhindern. Dazu wurde die Ortsdurchfahrt über die Großgasse zudem für den Lkw-Verkehr gesperrt. Warum nutzen die Fahrer nicht die viel komfortabler ausgebaute Umgehung und riskieren stattdessen eine Strafe?

 

Fahrer aus Osteuropa nutzen veraltete Navis

Die meist osteuropäischen Fahrer verwenden Navigationsgeräte mit veraltetem Kartenmaterial, das die Umgehungsstraße nicht enthält, ist Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller überzeugt. Orstvorsteher Hein wohnt nahe der Großgasse Im Steingarten, wo Fahrer ab und an auf ihrer Irrfahrt stranden. Sie stammten etwa aus Weißrussland, Polen, Rumänien oder Bulgarien und seien Subunternehmer, die RHI (ehemals Didier-Werke) Material zulieferten. »Ich habe in 2017 schon mindestens zehn Fahrer zu den Didierwerken gelotst«, sagt er. »Sie haben einfach die falschen Navis, verlieren in Daubringens engen Straßen die Orientierung und können oft nicht einmal die Straßenschilder lesen.« Die Anwohner seien angesichts der Schäden an Autos und Häusern nicht begeistert. Allerdings parkten sie oft auch recht eng an Kreuzungen, sagt Hein.

Schon vor dem Ortseingang sollte ein Schild Zulieferern den Weg geradeaus zur Firma RHI weisen, meint Staufenbergs Bürgermeister Peter Gefeller. (Foto: edg
Schon vor dem Ortseingang sollte ein Schild Zulieferern den Weg geradeaus zur Firma RHI we...

»Wir müssen die Fahrer dazu bringen, über die extra dafür gebaute Ortsumfahrung die Betriebe im Gewerbegebiet von Mainzlar anzufahren«, sagt Gefeller. Er wolle die Fahrer nicht verteufeln, sondern habe eher Mitleid mit ihnen. Von der Autobahn kommende Fahrer, die auf den Kreisverkehr stoßen, werden durch ein Verkehrschild auf das Gewerbegebiet Pfingstweide hingewiesen. Das sei jedoch wenig hilfreich, da die Fahrer zumeist nach der Firma RHI Ausschau hielten und den Namen nicht zuordnen könnten. Das Durchfahrtsverbotsschild in der Großgasse sorge eher dafür, dass sich die Fahrer beim Umfahren in kleine Straßen wie Heidstraße und Waldstraße verirrten. Er fordert von Hessen Mobil, der zuständigen Behörde, daher zusätzliche Schilder am Kreisverkehr und dem Ortseingang nach Mainzlar, die auf die Firma RHI hinweisen.

 

Hessen Mobil hält Beschilderung für ausreichend

»Die Beschilderung zu den Industriegebieten ist eindeutig geregelt«, teilt Hessen Mobil jedoch auf Anfrage mit. Nicht jede einzelne Firma könne separat ausgeschilderte werden. Zudem sei die Ausweisung privater Ziele auf wegweisenden Schildern unzulässig. Das komme nur in Einzelfällen in Betracht, wenn große Betriebe über mehrere Anliefer- und Abholstationen verfügten. Denkbar ist für die Behörde aber ein Schild, das schon vor dem Kreisverkehr auf das Durchfahrtsverbot hinweist, nicht aber auf RHI.

Staufenbergs Bürgermeister ist indes fest entschlossen zu handeln. Notfalls werde das Schild auch ohne Hessen Mobil aufstellen, sagt er. »Mit kleinen Hilfsmitteln können wir für eine große Verbesserung der Lage sorgen.« (Mitarbeit: Gesa Vullriede)

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