01. Februar 2018, 18:56 Uhr

Stadtkern ist heute ein Schmuckstück

01. Februar 2018, 18:56 Uhr
Auch Sanierungsobjekt, das Rathaus.

Der historische Stadtkern ist heute ein Schmuckstück – doch bis es dazu kam, war es ein hartes und langes Stück Arbeit. Über Details des Sanierungsverfahrens von 1968 bis 2007 referierte Ehrenbürgermeister Siegbert Damaschke kürzlich im Museum im Spital. Während seiner Zeit als Rathaus-Chef waren die meisten Projekte umgesetzt worden. Passend zum Thema ist im Museum noch bis 15. April die Sonderausstellung »Fachwerk in Grünberg« zu sehen.

1967 wurde eine Bauleitplanung für die Altstadt in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse dieser Planung mündeten in einem Bebauungsplan mit dem Ziel, ein leistungsfähiges und modernes Stadtzentrum zu schaffen. »Mit dem vorgesehenen neuen Straßennetz wären allerdings schwere Eingriffe in die historische Bausubstanz verbunden gewesen«, erinnerte Damaschke. Die geplanten Veränderungen hätten zu einem großen Verlust historischer Bausubstanz geführt und das dicht bebaute Altstadtzentrum in eine bis zur Unkenntlichkeit aufgelockerte Stadtrandzone verändert und über Jahrhunderte gewachsene Struktur zerstört. Glücklicherweise wurde dieser Plan nie rechtskräftig, wie Damaschke betonte.

Nur an einer Stelle ist der historische nun Stadtgrundriss gestört: 1969 wurde mit der Grünberger Burg ein imposanter Fachwerkbau am Burggraben abgerissen und durch drei dem Zeitgeist entsprechende Terrassenhäuser mit Flachdächern ersetzt. Auch die Parkfläche davor bis hin zum Brauhaus erfuhr keine dem Stadtbild angepasste Bebauung mehr, obwohl hierzu 1992 ein Wettbewerb ausgeschrieben wurde. Durch die Kritik übergeordneter Behörden und durch das Engagement interessierter Bürger und Kommunalpolitiker wurden die Planungen gestoppt. Von der Stadtverordnetenversammlung wurde am 17. März 1972 auf der Basis des neuen Städtebauförderungsgesetzes das Sanierungsgebiet förmlich festgesetzt und im Oktober 1973 vom Regierungspräsidenten in Gießen genehmigt. Gleichzeitig wurde die Planungsgruppe ROB in Schwalbach/Ts. mit den wesentlichen Angelegenheiten der Sanierung beauftragt.

Der Untersuchungsbericht verdeutlichte, dass die Stadt durch eine Vielzahl städtebaulicher Missstände belastet war. Der Individualverkehr tat der historischen Innenstadt nicht gut, es herrschte Parkraumnot, Geschäfte verloren an Attraktivität, Häuser und Wohnungen wurden nicht unterhalten, verfielen oder wurden abgerissen. Damit einher ging der Verlust der Mittelpunktfunktion. Auch fehlten innerstädtische Grünflächen. Ein städtebaulicher Rahmenplan wurde 1980 von der Stadtverordnetenversammlung als Selbstbindungsplan beschlossen. Die zentrale Aufgabe bei der Umsetzung der Ziele und Konzepte war die permanente Beratung von Bauherren, Architekten, aber auch der poltisch Verantwortlichen und der Verwaltung. Zusätzlich wurde 1978 eine Erhaltungs- und Gestaltungssatzung für das Sanierungsgebiet erlassen. 1981 trat eine Farbleitsatzung für die wichtigsten Straßenzüge in Kraft.

Erste Sanierungsmaßnahmen starteten 1975. Das Gemeinnützige Siedlungswerk Worms wurde 1976 von der Stadt beauftragt, die Sanierung treuhänderisch zu führen. Zusammen mit dem bereits beauftragten Planer wurde ein Sanierungsbüro eingerichtet, um eine kontinuierliche Betreuung der Bürger, der Verwaltung und der politischen Gremien zu gewährleisten. Durch ein vom Land Hessen 1978 beschlossenes Sofortprogramm, waren weitere Baumaßnahmen möglich. Zusätzliche finanzielle Unterstützung des Landes und der Stadt für die Fachwerkfreilegung und Herrichtung der Fassaden zum Hessentag 1980 führte zu einer steigenden Nachfrage der Sanierungsmaßnahmen.

Anhand von Bildern ging Damaschke auf einige Sanierungsmaßnahmen ein – Beispiel Barfüßerkloster: Reste der Klosteranlage waren mit einem Satteldach überdeckt und wurden als Scheune genutzt. Die zur Hofanlage gehörenden bzw. angrenzenden Gebäude waren teils baufällig oder dringend sanierungsbedürftig. Die Gesamtanlage wurde in mehreren Schritten komplett erneuert. Mit Eingliederung der neuen Bundesländer 1990 wurden große Teile der Fördermittel für die Stadtsanierung neu verteilt. In Grünberg sind bis Ende 2007 insgesamt 125 Gebäude modernisiert oder saniert worden. (Fotos: dis)

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