01. Juni 2017, 20:40 Uhr

Sanierungsfälle

Stadt Laubach will leerstehende Häuser kaufen

In der Einfallstraße zum Laubacher Marktplatz stehen Häuser leer und verfallen langsam. Die Stadt Laubach will das nun ändern und die Innenstadt aufwerten.
01. Juni 2017, 20:40 Uhr
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Von Thomas Brückner
Zum Ankauf durch die Stadt Laubach vorgeschlagen: das »Hochzeitshaus« in der Grünemannsgasse unterhalb des Marktplatzes. (Foto: tb)

Leerstände tun weh. Nicht nur dem Auge. Straßen mit Häusern, die buchstäblich vor sich hin bröckeln, schaden langfristig auch der Stadtkasse; wer schließlich will schon gern in diesem Umfeld wohnen, investieren und also Steuern zahlen. Vor Jahresfrist bereits entschlossen sich Laubachs Stadtväter grundsätzlich, 500 000 Euro in die Hand zu nehmen, um selbst auf dem Immobilienmarkt tätig werden zu können, jetzt stehen erste Entscheidungen an: Geht es nach dem Magistrat, beschließt das Stadtparlament in Kürze den Ankauf von vier Anwesen in der Kernstadt.

Gebäude mit Potenzial

Eine wesentliche Voraussetzung gemäß besagtem Grundsatzbeschluss ist auch: Die zu erwerbenden Objekte müssen über Entwicklungspotenzial verfügen, ist das »Immobiliengeschäft« doch eingebettet in das Integrierte Kommunale Entwicklungsprogramm (IKEK), wofür Laubach vom Land insgesamt eine Million Euro an Fördergeldern erhält.

Am Anfang also stand eine Prüfung, wo am ehesten Potenziale für die Stadtentwicklung liegen könnten. Der Fokus lag zunächst auf der Kernstadt, vier Anwesen im Altstadtkern wurden ausgewählt, für drei ist bereits der Preis ermittelt worden, insgesamt ein Invest von 220 000 Euro. Für das vierte muss das Ortsgericht erst noch die Summe ermitteln, sobald das erledigt ist, will Bürgermeister Peter Klug die Magistratsvorlage ins Stadtparlament einbringen.

Eingebunden in die Entscheidung sind nicht nur die Stadtverordneten, sondern auch all jene Bürger, die sich für das Stadtentwicklung engagieren, also die Mitglieder der IKEK-AG und -Steuerungsgruppe. Ebenso der Ortsbeirat der Kernstadt, der in seiner jüngsten Sitzung den Vorschlägen des Magistrats mehrheitlich gefolgt ist.

Leerstandsmanagement

Wie aber kam es zur Auswahl: Als Bestandteil des IKEK-Prozesses hatte die Stadt im Vorjahr ein Leerstandsmanagement aus der Taufe gehoben. Betraut wurde damit die Laubacher Tourismus und Service GmbH (LTS). Unterm Dach des städtischen Eigenbetriebs ward eine ganze Stelle eingerichtet, mit dem Laubacher Michael Köppen besetzt. Zunächst pilothaft für die Innenstadt ermittelte der, welche Immobilien leer stehen, erarbeitete in zahlreichen Gesprächen mit Eigentümern bzw. Erbengemeinschaften Verkaufsoptionen, leitete im Erfolgsfall Wertschätzungen durch das Ortsgericht ein. Ebenso galt es, Verkäufe an privat zu vermitteln und Objekte in Immobilien-Datenbanken einzustellen.

Teil des IKEK-Prozesses

Die Sondierungen sind jetzt so weit gediehen, dass Leerstandsmanagement und Stadtverwaltung der letztentscheidenden Stadtverordnetenversammlung konkrete Kaufempfehlungen vorlegen. Aus »strategischen städtebaulichen Gründen«, wie Klug es formuliert, soll der Schwerpunkt im Bereich der Unteren Langgasse liegen. Schließlich sei diese eine von zwei Haupteinfallstraßen zum Marktplatz und für den ersten – meist entscheidenden – Eindruck der Laubacher Innenstadt mitverantwortlich.

Kein Widerspruch ist möglich, was die Einschätzung der ausgesuchten Objekte Untere Langgasse 7, 12 und 13 durch die Stadt angeht: Alle drei zum Kauf anempfohlene Gebäude befinden sich fürwahr »optisch in einem schlechten Zustand«. Durch eine Sanierung würde das gesamte Quartier tatsächlich aufgewertet. Ziel ist vor allem die Schaffung von kleinen Wohneinheiten, von staatlich geförderten Sozial-, aber auch Betreuten Wohnungen für Senioren. Realisieren sollen dieserart Potenziale des aktuell erstellten Konzeptes zur Innenstadtentwicklung private Investoren, Klug denkt aber auch an die örtliche Baugenossenschaft sowie die neue Wohnungsbaugesellschaft auf Kreisebene.

Platz für Parkplätze am Marktplatz

Neben den genannten Objekten strebt der Magistrat auch den Kauf des sogenannten »Hochzeitshauses« in der Grünemannsgasse 13 an, auch dies keine Augenweide. Aus einer Sanierung erwartet die Stadt eine Aufwertung des angrenzenden Marktplatzes. Zumal das Anwesen ein großes Grundstück umfasst, auf dem die Stadt Parkflächen schaffen, somit die Situation am Marktplatz verbessern könnte. Auch dieses Anwesen soll in das Innenstadtentwicklungskonzept integriert werden, als mögliche Sanierungsziele für das Gebäude werden genannt: Gastronomie, sozialer Wohnungsbau, Multifunktionsgebäude.

Schließlich die nackten Zahlen: Für das »Hochzeitshaus« in der Grünemannsgasse werden 145 000 Euro aufgerufen, für die Anwesen Untere Langgasse 7 sind es 25 000 Euro, für die Untere Langgasse 12 sind es 50 000 Euro, für das Haus Untere Langgasse 13 steht die Wertermittlung noch aus.

Klug hofft nun auf das Placet der Stadtverordneten, wäre für ihn der Ankauf der Häuser doch ein geeigneter und zugleich gebotener Baustein der Ortskern- und Stadtentwicklung.

Zum Ankauf durch die Stadt Laubach vorgeschlagen: das »Hochzeitshaus« in der Grünemannsgasse unterhalb des Marktplatzes. (Foto: tb)



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