29. April 2019, 21:42 Uhr

Signalgerüst und Gedenktafel

29. April 2019, 21:42 Uhr
Günter Leicht (r.) und Cenneth Löhr an der Signalpyramide und der Erinnerungstafel.

Sturm, Hagel und Regen fegten über das Dünsbergplateau, als die Signalpyramide und die Gedenktafel »200 Jahre Erd- und Landvermessung auf dem Dünsberg« zum 120-jährigen Bestehen des Dünsbergvereins ihrer Bestimmung übergeben wurden. Günter Leicht erläuterte den gut 50 Besuchern die Hintergründe in der Gipfel-Raststätte.

»Mit dem Nachbau der dreiseitigen Signalpyramide über der Replik des Sandsteinvermessungspfeilers hat der Dünsbergverein die Situation vor rund 190 Jahren nachvollzogen. – Ursache und Ausgangspunkt für den Bau des Aussichtsturms und die Gründung des Dünsbergvereins 1899 war ein etwa zehn Meter hoher hölzerner Vermessungsturm, der 1890 errichtet wurde und für die Öffentlichkeit gesperrt war. Aus dem Unmut der Besucher darüber entstand der Wunsch, einen gemauerten Aussichtsturm zu errichten. Die Landesvermessung ist somit die ›Mutter‹ des Dünsbergvereins«, erläuterte Leicht.

Um 1830 wurde der heute noch vorhandene Sandsteinvermessungspfeiler als Ersatz für einen kleineren Stein errichtet. Der Marburger Professor Christian Ludwig Gerling, ein Schüler und Freund des Mathematikers Carl Friedrich Gauß, hatte 1835 auf dem Dünsberg Messungen im Rahmen der Kurhessischen Landestriangulation durchgeführt. Er beschreibt in seinen persönlichen Erinnerungen das Vorhandensein einer dreiseitigen Signalpyramide und Gespräche mit Zimmerleuten und Tagelöhnern, die dieses Signal errichteten. Dünsbergvereinsvorsitzender Cenneth Löhr dankte Günter Leicht für seinen Rückblick und der Firma Barthel für die Errichtung der Signalpyramide. Zur Einweihung waren auch die Teilnehmer der Sternwanderung des Dünsbergvereins gekommen.

Nur 30 Zentimeter Differenz zu heute

Am Vorabend hatte Günter Leicht im Saal der Gastwirtschaft Leicht zum Thema »200 Jahre Erd- und Landvermessung auf dem Dünsberg« mit einer Präsentation referiert. 2017 gab es zwei Jubiläen – »150 Jahre Großprojekt Europäische Gradmessung« und »Beginn der Erdvermessung der Dreieckskette 1. Ordnung von Berlin nach dem Rhein vor 200 Jahren«, in die auch der Dünsberg einbezogen war. 1792 erhielten die zwei französischen Astronomen Delambre und Mechain den Auftrag zu Vermessung der Welt. »Der Dünsberg war eingebunden in sechs Dreiecksnetze (Triangulationen), etwa die ›Alte Preußische Dreieckskette von Berlin nach dem Rhein‹ (1817 bis 1822) und die ›Königlich Preußische Landesaufnahme‹ (1889 bis 1892). Auch in die ›Nassauische Triangulation von 1821 bis 1839‹ war der Dünsberg mit einbezogen«, berichtete Leicht. Die Triangulation war die wichtigste Messmethode, um große Areale zu vermessen. Dazu wurden langseitige Dreiecke (30 – 50 Kilometer ) durch Winkelmessung bestimmt. Die Kurhessische Triangulation wurde von 1821 bis 1839 durchgeführt. In bewaldeten Gebieten mussten zur besseren Sicht hölzerne Türme gebaut und Sichtschneisen geschlagen werden. »Die Vermessungstechnik ist in den letzten 50 Jahren durch die Satelliten- und Rechentechnik revolutioniert worden. Der früheren ›Mess- und Rechenkunst zu Fuß‹ steht heute ein riesiges Instrumentarium entgegen, das natürlich genauere Ergebnisse liefert. Seit 1984 wird das World Geodetic System in der Landesverwaltung angewendet. Die Ergebnisse der früheren Triangulation stimmen innerhalb von 30 Zentimetern mit den neuen Werten überein. Aber gerade im Vergleich ist zu erkennen, welch beeindruckende Leistungen die damaligen Pioniere – auch auf dem Dünsberg – vollbracht haben.« (Foto: ws)

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