09. Januar 2017, 18:50 Uhr

Sie wissen nicht, was sie sehen

Ins Kino gehen und nicht wissen, welcher Film läuft – das ist das Konzept der Sneak. Im Lumos in Nidda findet sie am Mittwoch zum 100. Mal statt. Steffen Presse, Sebastian Weiß und Joram Gornowitz öffneten vor zwei Jahren die Türen ihres Kinos – mitten in der Kleinstadt. Wurde der Mut belohnt? Wir haben Mit-Initiator Presse gefragt.
09. Januar 2017, 18:50 Uhr
Zum Film gehört Popcorn dazu: Steffen Presse freut sich, dass das Kino Besucher aus allen Altersklassen anlockt. (Foto: pad)
Als das Lumos gebaut wurde, haben viele gesagt, dass das eine mutige Idee sei. Hat sich der Mut gelohnt?
Steffen Presse: Wir haben seit Februar 2015 offen. Was die Besucherzahlen und die Rückmeldungen betrifft, hat es sich gelohnt. Allerdings ist es eine Investition, die sich über 15 Jahre tragen muss, also ist es für eine Bilanz noch zu früh. Aber es ist gut angelaufen.
Statt einen Standardkinosaal hinzustellen, haben Sie viel Zeit und Liebe in die Planung der Details gesteckt. Warum?
Presse: Wir haben versucht, alles aus der Sicht der Besucher zu betrachten. Die Ränge sind etwa so steil, wie in der Commerzbank-Arena in Frankfurt. Dadurch hat man von jedem Platz perfekte Sicht auf die Leinwand, auch wenn jemand Großes vor einem sitzt. Außerdem konnte dadurch die Bildkante weiter nach unten rücken, wodurch wir mit 60 Quadratmetern eine für den Saal überdimensional große Leinwand haben.
Wann kamen Sie auf die Idee, ein Kino eröffnen zu wollen?
Presse: Wir hatten mit dem »Plan Kino« 2008 angefangen. Da haben wir drei noch studiert und im Kino als Aushilfen gearbeitet. Konkret wurde es dann 2010, ab da haben wir viel Zeit in die Planung und Konzeption gesteckt.
Und warum Nidda?
Presse: Wir waren als Kinder in Kohden im Ferienlager. Damals sind wir hier in das kleine Kino gegangen und haben »Herr der Ringe« geschaut. Bürgermeister Hans-Peter Seum suchte dann jemand, der nach dem Vorbild von Nidderau ein Kino betreibt. Es sollte die Attraktivität der Stadt erhöhen. Da haben wir uns den Standort angeschaut und mit einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft. Das Ergebnis war positiv. Außerdem schloss damals das alte Kino in Nidda.
Die Kinobesucher kommen nicht nur aus Nidda, Hungen und Lich, sondern dem ganzen Vogelsberg und der Wetterau. Weiß man da vorher immer, welche Filme hier gut laufen?
Presse: Uns war klar, dass wir viele Filme anbieten möchten. Wir haben in der Woche rund 30 verschiedene Filme im Programm und wollen alle Sparten abdecken. Was gut angenommen wird, sind die Familienfilme.
Sie schaffen es auch, viele ältere Besucher ins Kino zu locken, was den Kinos in den Großstädten kaum gelingt. Was ist Ihr Rezept?
Presse: Da spielen ein paar Dinge eine Rolle. Zum einem haben wir Reisefilme und die Seniorenkino-Reihe. Dabei haben wir meist rund 200 Besucher. Darauf sind wir sehr stolz. Wir zeigen Filme speziell für ein älteres Publikum, etwa »Honig im Kopf«. Außerdem begrüßen wir die Besucher im Kinosaal und stellen ihnen noch kurz vor, welche weiteren interessanten Filme in der nächsten Zeit laufen. Der Kinobesuch soll einfach Spaß machen. Denn wenn es dem Besucher gefällt, kommt er auch wieder.
Aber Sie machen nicht nur Werbung übers Internet. Warum?
Presse: Wir setzen viel auf die Zeitung, was sich viele Kinos sparen. Die Jüngeren erreiche ich über Facebook und Internet. Aber wenn ich keine Werbung in der Zeitung, etwa dem Licher Wochenblatt, mache, schließe ich das ältere Publikum aus. So erreichen wir Menschen, die sonst nicht wüssten, was bei uns im Kino läuft.
Was ist Ihr Lieblingsfilm?
Presse: Das ist eine schwere Frage. Wir haben schon so viele gute Filme geschaut – und in welcher Zeit? Aus der Kindheit ist es »Der kleine Lord«, den schaue ich noch immer mit meiner Mama zu Weihnachten. Als Klassiker »Braveheart«, in der jüngeren Vergangenheit »Avatar« als bester 3-D-Film. Und jetzt freue ich mich auf »Passengers« mit Chris Pratt und Jennifer Lawrence. Das ist wie »Titanic« im All..
In der Sneak kann man bei Ihnen immer mittwochs auch Filme sehen, die erst einige Tage oder Wochen später in die Kinos kommen. Mittwoch gibt es die 100. Sneak. Warum ist das auch für Kinobetreiber eine besondere Veranstaltung?
Presse: Das ist total schön, weil sich da eine richtige Fangemeinde aufgebaut hat, die schon an der Snackkasse vom Personal mit ihrem Lieblingsgetränk erwartet wird. Viele fahren 20 bis 25 Minuten, um dafür zu uns zu kommen. Bei uns beginnt die Sneak bereits um 21.30 Uhr, da kann man am nächsten Tag auch noch zur Arbeit oder in die Schule gehen. Außerdem nehmen die Besucher die Erfahrung mit heraus, sprechen mit Freunden über den Film. Das ist auch wieder Werbung für uns.
Wird es denn zur 100. Sneak etwas besonders geben?
Presse: Wie immer: einen Überraschungsfilm.

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