15. März 2019, 22:18 Uhr

Sechs Gulden für einen Platz in der Kirche

15. März 2019, 22:18 Uhr
Bild des Jahrgangs 1905. (Foto: pm)

Zu einem Vortrag von Inge Zimmer hatte der Kulturkreis Lauter am Mittwoch eingeladen, bei dem sie ihr neues Buch »Die Lauterer Kirche, ihre Pfarrer und Konfirmanden« vorstellte. Darin sind die Konfirmandenjahrgänge zwischen 1905 und 1975 von Queckborn und Lauter enthalten, allerdings mit einigen Lücken in den Jahren vor und während des Ersten Weltkriegs.

An diesem Abend nahm sie die Besucher mit auf eine Zeitreise durch das alte Lauter bis in die neuere Zeit. Sie hatte sich aus den verschiedenen Bildern einzelne Konfirmanden und Konfirmandinnen herausgepickt und von ihnen auf alten Fotos spätere Lebenswege aufgezeigt. Auf Hochzeitsbildern konnte man sehen, welchen Ehepartner sie fanden, welche Hobbys sie hatten und wie ausgelassen man damals feiern konnte, wenn auch die Zeiten nicht immer rosig waren. Etliche der Konfirmanden mussten ihr Leben schon in jungen Jahren für den Wahnsinn des Zweiten Weltkriegs opfern, was in ihren Familien nie ganz verschmerzt wurde.

Die jetzige Lauterer Kirche war im Jahre 1779 festlich eingeweiht worden, nachdem das alte Kirchlein, das in einem sumpfigen Gelände an der Lauter stand, Mitte des 19. Jahrhunderts abgerissen werden musste. Doch für eine Orgel hatte das Geld erst einmal nicht gereicht. Der damalige Pfarrer Soldan bemühte sich erfolgreich um die Anschaffung dieses teuren Instrumentes. Um das nötige Geld zu beschaffen, wurden die einzelnen Kirchenplätze verkauft. Dieser Erlös und einige großzügige Spenden deckten schließlich die Kosten von 270 Gulden und so konnte die Orgel am 3. Mai 1801 in Dienst genommen werden.

In der Lauterer Abteilung des Laubacher Stadtarchivs finden sich die genauen Aufzeichnungen dieser Platzverkäufe. Das Anrecht auf den gekauften Platz wurde jeweils an die Kinder und Schwiegerkinder weitervererbt. Wenn es keine entsprechenden Nachfolger gab, konnten später auch andere Gemeindeglieder Plätze erwerben. So ersteigerte die Ururoma von Inge Zimmer im Jahre 1851 den Platz Nr. 22 in Reihe 4 und zahlte dafür sechs Gulden und 50 Kreuzer. Deren Enkelin Elise Tröller benutzte diesen Platz noch bis zu ihrem Tod im Jahre 1952, also noch 100 Jahre später.

In dem Buch von Inge Zimmer sind auch alle Pfarrer aufgeführt, die seit 1550 ihren Dienst in Queckborn und Lauter versahen. Dazu konnte sie auf die Aufzeichnungen der Queckbörner Heimatforscherin Marie Herber zurückgreifen. Unter den vielen Pfarrern befand sich auch Johann Georg Buff, der Onkel von Charlotte Buff in Wetzlar, in die sich der junge Goethe unsterblich verliebt hatte. Doch sie war bereits einem anderen Mann versprochen, und so hat Goethe mit seinem Briefroman »Die Leiden des jungen Werther« seinen Schmerz verarbeitet und ihr ein bleibendes Denkmal in der Weltliteratur gesetzt.

Pfarrer Rink 35 Jahre im Amt

Etliche Pfarrer haben die Pfarrei Queckborn über viele Jahre hin versehen, so etwa Pfarrer Grünewald, der später Dekan in Grünberg wurde. Thomas Phasian war 34 Jahre lang (von 1595 bis 1629) Pfarrer von Queckborn und Lauter. In seine Dienstzeit fielen die ersten elf Jahre des furchtbaren 30-jährigen Krieges. Doch die längste Dienstzeit von fast 35 Jahren erreichte Pfarrer Ernst Rink, der seit 1972 auch Dekan des Dekanates Grünberg war. Er war der Vorgänger des jetziger Pfarrers Matthias Bink.

Das Buch »Die Lauterer Kirche, ihre Pfarrer und Konfirmanden« kann über Inge Zimmer, Lauter, für zwölf Euro bezogen werden (Tel. 0 64 01/38 74).

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