12. November 2018, 21:17 Uhr

Schriftsteller sind schwer integrierbar

12. November 2018, 21:17 Uhr
Der ausdrucksstarke Vortragsstil von Anna Chaplet (Dr. Cora Stephan) beeindruckt die Zuhörer in Buseck. (Foto: siw)

Anne Chaplet ist das Pseudonym von Dr. Cora Stephan, unter dem sie mehrfach preisgekrönte Kriminalromane veröffentlicht hat. Ihr erster Cevennen-Krimi »In tiefen Schluchten« erschien 2017. »Brennende Cevennen« ist der zweite Teil des geplanten Quartetts mit Ermittlerin Tori Godon, einer ehemaligen Anwältin. Atmosphärisch dicht und mitreißend erzählte die Autorin in der katholisch-öffentlichen Bücherei eine erschütternde Tragödie in einem geschichtsträchtigen Landstrich.

Dabei steht Mord und Totschlag nicht im Vordergrund. Ihre intensive Lust an der Beobachtung anderer Leute und ihr Interesse an dem, was im Dorf brodelt und zischt, spiegelt sich im Buch wider. Stephan beschreibt die Dorfbewohner, die auf ihre Art liebenswert sind, schildert beschaulich das Gehabe der Männer und berichtet über das Zusammenleben von verwurzelten Menschen und Aussteigern.

»Die eklige Beschreibung eines verkohlten Hundes, reicht Ihnen das, um bei meinem Buch von einem Krimi sprechen zu können?« Etliche Seiten weiter sagt sie: »Nun sind es zwei tote Hunde, das ist doch auch schon was.« Vor Eröffnung der Fragerunde verspricht Stephan: »Nun spitzen sich die Dinge zu und es gibt eine ordentliche Aufklärung des Falles, ermittlungstechnisch zwar nicht ganz sauber, aber moralisch gerechtfertigt.« Geschickt macht die ausdrucksstarke Autorin neugierig auf ihr Buch, ohne nicht allzu viel von der Handlung zu verraten.

Seit 48 Jahren kennt Stephan die von ihr liebevoll beschriebene Gegend. Sie ist fasziniert von den mächtigen Flüssen und Bergen, Vulkanen und Höhlen – und der Geschichte des alten Vivarais, die Stoff für weitere Krimis bietet. Das Vivarais (eine ehemalige Grafschaft der historischen Provinz Languedoc in dem heutigen Département Ardéche) und die Cevennen sind geprägt von den Hugenotten und den Kamisardenkriegen, vom kurzen Glück der weltweit besten Seidenproduktion, von Katastrophen in Gestalt von Feuer und Wasser. Vor Jahren hat Stephan dort ein altes Haus gekauft, das zum Teil aus dem zwölften Jahrhundert stammt und so seine Geheimnisse birgt. Dennoch: »Ich spreche nicht perfekt Französisch. Wenn ich am Schreiben bin, wie soll ich da mit den Leuten ins Gespräch kommen?« Sie gesteht: »Schriftsteller sind nicht leicht integrierbar.«

Die Lesung war – auch ohne, dass das Blut nur so spritzte – ein Genuss. Vielleicht sogar gerade deswegen. Die Mimik der Autorin köstlich, schlagfertig ihre Antworten auf Fragen (»Woher ich die Ideen habe? Soll ich etwa mein Betriebsgeheimnis verraten?«) Ungeplant die lustige Einlage beim Einstellen des Mikrofons. Da die Autorin derzeit in einem alten Fachwerkhaus in Mücke wohnt, war ihre Anreise kurz.

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