Der Mann handelt mit leckeren Weinen, kümmert sich um die Aktivitäten der Vereinsgemeinschaft in seinem Dorf, betreut das Bürgerhaus am Hain, erfreut sich am Laternenzug des Enkelkinds – wer mag da an Böses denken, bei diesem netten Herrn von nebenan: Mitte 60, freundliche Halbglatze, lachende Augen?

Rainer Rau tut es immer wieder gern: An Böses denken – und zwar ausgesprochen gut. Jetzt legt der Autor aus Biebertal mit »Festgezurrt. Schrei... wenn du kannst« einen weiteren Thriller vor. Seine mittlerweile siebte Veröffentlichung. Sein letztes Werk »Im Verlies der Burg« nahm mit auf eine Zeitreise in die frühe Neuzeit – und spielte auf Burg Gleiberg sowie in Gießen.

Mit dem aktuellen Werk ist er wieder in der Gegenwart unterwegs, bleibt aber Hessen treu: Es geht um dunkle Seiten und Machenschaften in einem psychiatrischen Krankenhaus in Frankfurt: Um Erbschleicherei, eine sadistische Mitarbeiterin, um pädophile Neigungen eines Pflegers…

»In manchen psychiatrischen Kliniken werden ... Patienten nicht nur durch Medikamente ruhiggestellt; sie werden auch über einen längeren Zeitraum ans Bett gefesselt«, schreibt Rau einleitend. Und verweist darauf, dass es dazu keine genauen Erhebungen gibt, dass nur Einzelfälle bekannt würden. Rau: »Der Thriller ist allen Patienten gewidmet, die sich ein einer solche Lage befinden und befanden«.

Rainer Rau wohnt seit 1972 in Biebertal, ist verheiratet und hat zwei Töchter. In Bieber ist er zu Hause, da engagiert er sich vielfältig. »Ein Thriller muss für mich von der ersten Seite bis zum Schluss eine gewisse Dauerspannung beinhalten, die im Wechsel mit reellen Informationen, aber auch ironisch-lustigen Passagen gepaart sein sollte«, hat Rainer Rau seinen eigenen Anspruch einmal formuliert.

So thematisierte er in den sechs vorherigen Werken kritische Fragen zur katholischen und evangelischen Kirche, stellte in »Zwillingsmord« die Urknalltheorie infrage, befasste sich mit Mobbing oder Organhandel und klagte in »Wachkoma« die Machenschaften der Großverdiener unter den Banken an.

Auch wenn die von Rau geschilderten Handlungen und Personen regiona l und lokal verortet und wiederzuerkennen sind, so schreibt er beileibe keine Regionalkrimis, wie man sie von einem Jacques Berndorf und seiner Eifel-Reihe her kennt, oder vom legendären Autoren-Duo Leo P. Ard/Reinhard Junge, das mit den »Datteln«-Krimis dem nördlichen Ruhrgebiet ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Aber es ist schon erfreulich, etwa im »Verlies« Burg Gleiberg oder die einstigen Stadtwälle von Gießen wiederzuerkennen oder im aktuellen Werk mit dem kenntnisreichen Autor in Frankfurt unterwegs zu sein.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder juristischen Personen sind derweil rein zufällig und nicht beabsichtigt... (Foto: Rainer Alt)

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