14. März 2017, 20:04 Uhr

Schlechtes Jahr für Höhlenbrüter

14. März 2017, 20:04 Uhr
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Von Volker Heller
Es gibt immer weniger Meisen. Eine mögliche Ursache ist der Waschbär.

Groß war die Überraschung bei der Naturschutzbund-Ortsgruppe Odenhausen/Lahn (NABU), dass dem kürzlichen Aufruf zur Gründung der Jugendgruppe NABU-Kids über 20 Teilnehmer gefolgt waren. Die zweite Vereinsvorsitzende Tina Döring weiß, es werden nicht zu jedem Nachfolgetreffen wirklich alle kommen. Aber mit dem großen Pool, der jetzt vorhanden sei, könne man in Odenhausen gut weitermachen, sagte Döring anlässlich der Jahreshauptversammlung des Vereins. Der nächste Termin steht schon fest: Am Samstag, dem 13. Mai, im Vorfeld des Muttertags, wird ein Naturbastelprojekt angeboten.

Stabile Schwalben-Population

Im Mittelpunkt der Versammlung stand ein Bericht des Vogelschutzbeauftragten Jörn Jörren. Er erinnerte, dass die sogenannte Alte Lahn ein nach der EU-Richtlinie anerkanntes Vogelschutzgebiet ist. Aufgrund seiner Ortsnähe erfreut es sich der Aufmerksamkeit von Spaziergängern. Auch 2016 brütete dort ein Höckerschwanpaar, diesmal mit sieben Jungen. Zum Entsetzen der Beobachter blieb nur die Schwänin übrig.

Im Kuhstall des Hofgutes Friedelhausen wurde ein Rückgang der Rauchschwalbenbruten beobachtet. In einigen anderen Gebäuden des Anwesens haben Rauchschwalben neue Nistplätze gefunden; sie werden dort auch geduldet. Im übrigen Odenhausen ist die Brutenzahl der Rauchschwalbe etwa gleich geblieben. Die in Gebäuden brütende Rauchschwalbe wird von einigen Gebäudebesitzern liebevoll und sorgfältig beobachtet. Die Zahl der Mehlschwalbenbrutpaare lag 2016 etwa im Mittel der letzten zehn Jahre. Hier fehlt es allerdings an einer genaueren Beobachtung, etwa der Anzahl und Ergiebigkeit der Bruten pro Brutpaar. Der Kreisbeauftragte für den Vogelschutz, Dietmar Jürgens, hat den Gedanken eines Mehlschwalbenkatasters aufgenommen und regte auf Kreisebene eine entsprechende methodische Weiterentwicklung an.

Ein seit 1990 beobachtetes Brutvorkommen des Mauerseglers an immer der gleichen Stelle hat im Vorjahr seine Brut mit drei Jungen durchgebracht – normal sind zwei. Die von Familie Goebel vor vielen Jahren im Dachboden eingerichtete Nisthilfe hat dem standorttreuen Vogel damals nach Einschätzung des NABU sehr vorausschauend geholfen. Frieder Kopp berichtete, dass sich Dohlen erstmals auf einem Feld niederließen; bisher waren sie nur im Überflug zu beobachten.

Bei den Höhlenbrütern – erfasst werden vor allem Meisen und Feldsperlinge – wurden gebietsweise bis zu 80 Prozent der Bruten zerstört. Der Verdacht ruht auf dem Waschbär. Insgesamt wurden im Berichtsjahr 327 Einzelbeobachtungen getätigt; die zwölf Beobachter erfassten 84 Vogelarten.

Jörn Jörren ging auch auf Pflege- und Artenhilfsmaßnahmen sowie auf den Biotopschutz ein. Intensiv pflegten F. Kopp, L. Döhring, J. Jörren und D. Zecher rund 100 Nistkästen. Steinkauzröhren wurden gepflegt, ein Turmfalkenkasten ersetzt. Die Ortsgruppe hat sich in das Beobachtungs- und Schutzprojekt für den Trauerschnepper eingeschrieben, dessen Federführung in den Händen der NABU-Gruppe Villingen liegt. Eine aufwendige Biotoppflege fand an der Alten Lahn statt. Bernd Rosenbaum und H. Neumann hatten bereits ein Jahr zuvor einige Abschnitte des Gewässers ausgebaggert, die vom Trockenfallen bedroht waren. Bereits im niederschlagsarmen Sommer 2016 zeigte sich der Erfolg dieser Maßnahme.

Der Vogelschutzbeauftragte wies auf einen Verstoß gegen den Naturschutz hin: die Fällung zweier stattlicher Linden im Unterdorf von Odenhausen. In einem Beschwerdebrief an die Stadt forderte die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz zumindest eine Nachpflanzung, wenngleich ein Ausgleich des Schadens erst nach Jahrzehnten zu erwarten sei. Hier gebe es seitens der Stadt Lollar bisher keine Reaktion.

Ausblick: Das NABU-Jugendzeltlager findet vom 30. Juni bis 2. Juli an der Schutzhütte statt. 2018 feiert die Ortsgruppe 50-jähriges Bestehen. 2016 beteiligte man sich am ersten Odenhäuser Dorffest »Spiel ohne Grenzen« mit einer Station zum Ertasten von Naturmaterialien. 19 Teams nahmen an den Spielen der Gaudiolympiade teil; der NABU spricht sich dafür aus, die Veranstaltung erneut auszurichten. (Foto: Archiv)



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