24. August 2018, 22:37 Uhr

Schlachtvieh und schwarze Schafe

Schweine, die im Lkw nichts zu trinken haben, ein mit Schafen beladener Laster, der stundenlang in der Sonne steht, ein total überfüllter Kuh-Transporter – Erik Brüning hat all das schon gesehen. Brüning arbeitet bei der Autobahnpolizei, die gemeinsam mit dem Veterinäramt Tiertransporte kontrolliert. Oft erfüllen die Laster die Kriterien nichts.
24. August 2018, 22:37 Uhr
Arme Sau: Die Autobahnpolizei kontrolliert in Zusammenarbeit mit den Veterinärämtern der Landkreise regelmäßig Tiertransporte. Verstöße gegen Vorschriften sind keine Seltenheit. Häufiges Manko: Die Ladeebenen sind für die Tiere zu niedrig eingestellt. (Foto: dpa)

Tausende Tiere werden täglich quer durch die Republik gekarrt; Schlachtvieh, mit dem nicht immer gut umgegangen wird. Regelmäßig kontrolliert die Autobahnpolizei Butzbach, die auch für den Kreis Gießen zuständig ist, in Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt die Tiertransporte. Die Beanstandungsquote ist hoch: 2015 verstießen 43 der 58 überprüften Transporte gegen die Vorschriften, erinnert sich Erik Brüning von der Autobahnpolizei. In den Lastern waren insgesamt 3265 Schweine, 1156 Kälber 584 Rinder, 10 Pferde, 2580 Puten und 398 Schafe.

2015 und 2016 sei man »den Transporteuren furchtbar auf die Füße getreten«. Laster wurden stillgelegt, Fahrer bekamen Bußgelder, mussten ihre tierische Ladung um- oder abladen. Wer glaubt, das Gros der Transporteure hätte die Konsequenzen gezogen und nachgebessert, unterliegt laut Brüning einem Irrtum. Die Folge ist vielmehr ein Verdrängungseffekt: »Die Schlechten fahren jetzt anderswo lang.« Vermeiden also kurzerhand das Gebiet der Butzbacher Autobahnpolizei. Ob Brüning das fuchst? »Ein bisschen.« Er ist sich allerdings sicher: »Irgendwann kommen die wieder.«

Momentan kontrollieren die Beamten der Station in Zusammenarbeit mit den Veterinärämtern der Kreise Wetterau, Gießen oder Lahn-Dill die Transporte etwa einmal pro Monat. »Meistens nachts.« Die Kontrollen sind unangekündigt. Überprüft wird, ob die Fahrer ihre regelmäßigen Pausen gemacht haben, ob alle Genehmigungen vorliegen, ob die Laster nicht zu lang oder zu hoch sind. Und es geht um das Wohl der Tiere: Haben sie genug Platz? Funktioniert die Tränke im Transporter? Sind die Tiere schon zu lange unterwegs? Ist das Fahrzeug in einem Zustand, dass sich das Vieh nicht verletzt?

»Ein häufiges Problem ist die fehlende Rückenhöhe bei doppelstöckigen Rindertransporten«, sagt Brüning. Lkw dürfen nicht höher als vier Meter sein. Werden die Kühe in zwei Ebenen übereinander geladen, kann es eng werden. Um die Höhenbegrenzung einzuhalten, werden die Tiere teilweise eingequetscht, stoßen mit dem Rücken oben an, verletzen sich.

Einen schlimmen Fall erlebte Brüning vor einigen Jahren: Ein Fahrer hatte in seinem Laster so wenig Platz, dass er die Tiere in der oberen Ebene liegend transportieren wollte. »Die Kühe versuchten immer wieder, aufzustehen, was natürlich nicht klappte.« Sie hatten sich bereits an einigen Stellen enthäutet. »Gegen den Transporteur wurde Strafanzeige gestellt.« Einige Länder hätten inzwischen reagiert und »haben doppelstöckige Tiertransporte kurzerhand verboten«.

160 Kälber passen ungefähr in einen Tiertransport. »Sie werden dreistöckig gefahren«, sagt der 45-jährige Brüning, der selbst kein Kalbfleisch mehr isst. Nicht selten seien die Laster überladen. »Wir nehmen eine Gewichtsschätzung vor. Wenn wir der Meinung sind, dass das zulässige Gewicht deutlich überschritten wurde, muss der Transporter auf die Waage.« Einige Privatunternehmen helfen der Polizei, stellen ihre Lkw-Waagen zur Verfügung. Manchmal müssen die Tiere ab- oder umgeladen werden.

Brüning begleitet die Kontrollen seit vielen Jahren, kennt seine Pappenheimer inzwischen. »Einige sogar namentlich«, sagt er. Er weiß, wer die Vorschriften einhält, und wer sie nicht so genau nimmt. Immer wieder bekommt er zudem Tipps aus der Bevölkerung. Kürzlich, an einem heißen Tag, wurde er nach Holzheim gerufen. Dort habe ein Lkw-Lenker aus Rumänien kurz zuvor eine Pause eingelegt. »Der Fahrer hat in der prallen Sonne geparkt, den Laster voller Schafe. Den Tieren ging es noch gut.« Das Problem war schnell gelöst: »Wir habe den Mann gebeten umzuparken.« (Foto: nic)

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