06. Februar 2019, 21:23 Uhr

Schildkröten zeigen sich von ihren besten Seiten

06. Februar 2019, 21:23 Uhr
Landschildkröten müssen ins Fotostudio.

Wer einen Pass haben möchte, braucht ein Foto. Was viele nicht wissen: Das gilt auch für viele Landschildkröten. Die müssen regelmäßig zum Fototermin erscheinen. Die Aufnahmen des Bauch- und Rückenpanzers werden von der Artenschutzbehörde des Regierungspräsidiums (RP) Gießen in die Papiere eingeklebt, sozusagen der Pass des Tieres.

Die Alterung der Schildkröte wird in vorgeschriebenen Intervallen fotografisch festgehalten und auf der Bescheinigung eingetragen. Das Prozedere hat einen guten Grund: den Artenschutz. Derzeit sind 8039 Landschildkröten beim RP gemeldet, die dokumentationspflichtig sind.

Nachzuchten kennzeichnen

»Viele Landschildkrötenarten sind streng geschützt«, erklärt Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich. Ihre wilden Verwandten finden in den Herkunftsländern rund um das Mittelmeer kaum noch geeignete Lebensräume, weshalb sie vom Aussterben bedroht sind. Tiere, die als Nachzuchten aus einer Tierhaltung in der Europäischen Union stammen, müssen von ihren Züchtern gekennzeichnet werden. So schreibt es die EU-Artenschutzverordnung vor.

Vögel bekommen einen geschlossenen Ring, Säugetiere in der Regel einen Chip oder Transponder. »Bei Reptilien ist das schwieriger«, berichtet Corinna Vahrenkamp vom RP-Dezernat, das für Artenschutz verantwortlich ist. Sie dürfen aus Tierschutzgründen erst ab einem Gewicht von 200 Gramm mit einem Minitransponder gekennzeichnet werden, und das nur unter Narkose. »Daher wurde nach einer schonenden Alternative für die nur wenige Gramm leichten Schildkrötenschlüpflinge gesucht.«

Halter sind verantwortlich

In einer wissenschaftlichen Untersuchung wurde festgestellt, dass bestimmte Merkmale der Panzerung sich bei den streng geschützten Landschildkröten kaum verändern. In der Bundesartenschutzverordnung wurde für sie die Fotodokumentation als Kennzeichnung in Deutschland zugelassen.

Die ersten Fotos werden von der Artenschutzbehörde mit Sitz in der früheren Spilburg-Kaserne in Wetzlar an die Papiere angesiegelt, die dann nur zusammen mit den Fotos gültig sind. Diese Papiere werden landläufig häufig Cites genannt, amtlich lautet die Bezeichnung EU-Vermarktungsbescheinigung.

»Für alle weiteren Fotos sind dann die Halter verantwortlich«, sagt Corinna Vahrenkamp. Die Bilder werden zu angegebenen Terminen angefertigt und eingeklebt. Bei einer Artenschutzkontrolle kann dadurch bewiesen werden, dass das ausgestellte Dokument tatsächlich zu der jeweiligen Schildkröte gehört.

Ist die Fotodokumentation hingegen lückenhaft, und kann nicht anhand anderer Merkmale festgestellt werden, dass es sich um dasselbe Tier handelt, verliert die Bescheinigung ihre Gültigkeit. »Ist das der Fall, erlischt die Besitzberechtigung.«

Das Tier kann dann möglicherweise von der Artenschutzbehörde entschädigungslos eingezogen werden. Wenn die Elterntiere noch leben, kann die Abstammung zwar unter Umständen durch einen Gentest geklärt werden. Dieser muss jedoch von den Haltern bezahlt werden.

Wer sich näher informieren möchte, kann sich an Corinna Vahrenkamp (E-Mail: corinna.vahrenkamp@rpgi.hessen.de) wenden . (Foto: RP Gießen/pm)

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