17. April 2019, 05:00 Uhr

Kreisberufsschule

Sanierungskosten für die Willy-Brandt-Schule explodieren

Die Sanierung der kreiseigenen Willy-Brandt-Schule in Gießen wird doppelt so teuer wie zunächst geplant und soll nun über 17 Millionen Euro kosten. Bisher waren 8,4 Millionen Euro vorgesehen.
17. April 2019, 05:00 Uhr
Die Sanierung der Willy-Brandt-Schule wird doppelt so teuer wie bisher veranschlagt. Als Grund nennt Baudezernentin Christiane Schmahl vor allem weitere Mängel und gestiegene Baupreise. (Foto: Schepp)

Die Kosten für die Sanierung der Willy-Brandt-Schule schießen in die Höhe: Im Vergleich zum zunächst vorgesehenen Investitionsvolumen von etwa 8,4 Millionen Euro steigen die Kosten nun um 5,4 Millionen auf insgesamt 13,8 Millionen Euro.

Außerdem sollen nach dem Willen des Kreisausschusses zwei weitere Vorhaben in die Gesamtsanierung der Berufsschule aufgenommen werden, die zuvor nicht dafür vorgesehen waren: Die Erneuerung der Fensterelemente der Fassade (3,3 Millionen Euro) und die Sanierung der Dächer über dem zweiten und dritten Obergeschoss der Schule (520 000 Euro). Der Gesamtausgabebedarf beträgt dann 17,62 Millionen Euro.

 

Technik in schlechtem Zustand

Der Kreistag hatte im Dezember 2016 eine umfassende Sanierung der Willy-Brandt-Schule beschlossen. Jetzt wurden vom Landkreis die Planungen für die Sanierung der der kreiseigenen Beruflichen Schule überarbeitet.

Hintergrund war eine deutlich gestiegene Kostenprognose im Vergleich zu den ursprünglich vorgesehenen Plänen. Schuldezernentin Dr. Christiane Schmahl hat am Montag die Details dem Kreisausschuss vorgelegt. Der Kreisausschuss befürwortet das Vorgehen und hat einen entsprechenden Antrag an den Kreistag auf den Weg gebracht. Das Gremium wird sich am 13. Mai mit dem Thema befassen.

Seit 2013 haben sich die politischen Gremien mehrfach mit der Sanierung der Kreisberufsschule befasst (siehe Zusatzelement rechts unten) – mit jeweils unterschiedlichen Maßnahmen einschließlich Ausbau des dritten Obergeschosses des Gebäudes in der Carl-Franz-Straße oder des Umzugs ins ehemalige US-Depot.

 

Blick ins Innere

Die bereits begonnene Sanierung wurde dann Ende 2016 beschlossen. Kritik an der Kreiskoaliton aus SPD, Grünen und Freien Wählern gab es während des Prozesses immer wieder. Die CDU bemängelte Ende 2018, dass seit 2013 nichts passiert sei, »obwohl mittlerweile Fensterelemente in die Klassenzimmer hineinfallen« (Fraktionschef Claus Spandau). Zuletzt hatte die FDP Ende März eine Kostenexplosion befürchtet.

Der nun überarbeiteten Planung sind in den vergangenen Monaten Prüfungen des Landkreises gemeinsam mit allen Beteiligten vorausgegangen, teilte Christiane Schmahl mit.

Zu den wesentlichen Ursachen für die gestiegenen Kosten gehören laut Dezernentin der von den Planern festgestellte schlechte Zustand der technischen Anlagen sowie zwischenzeitlich offenbar gewordene weitere Mängel. Hinzu kommen »die stark gestiegenen Kosten« in der Baubranche.

Fachplaner haben »eine sehr genaue Kostenermittlung vorgenommen«, heißt es in der Pressemitteilung des Landkreises. Mehrere Klassen wurden ausquartiert, um ins Bauinnere schauen zu können.

 

Heizung muss komplett ausgetauscht werden

Dadurch gibt es nun neue Erkenntnisse über den Zustand der Leitungssysteme im Haus. Ein Erhalt der Heizung ist demnach nicht mehr wirtschaftlich, sie muss komplett ausgetauscht werden. Die Lüftungssysteme sind ebenfalls nicht reparatur- und erweiterungsfähig. Neue Lüftungsgeräte sind erforderlich.

Die Schmutzwasserleitungen haben auch ihre Haltbarkeit überschritten. Bei den Trinkwasserleitungen traten in der Zwischenzeit Undichtigkeiten auf. Bei den Gewerken für Heizung, Lüftung und Sanitär kommt es zu den größten Änderungen bei den kalkulierten Kosten, hier sind rund zwei Millionen Euro mehr als ursprünglich vorgesehen erforderlich.

Neue Erkenntnisse liegen auch über den baulichen Zustand der Lehrküchen vor, die seit vorigem Jahr saniert werden. Bei den Arbeiten kam zutage, dass der Estrich unter dem Bodenbelag gebrochen und gerissen ist. In die Neuberechnung der Kosten flossen deswegen der Abbruch des alten Estrichs und ein komplett neuer Estrich für das gesamte Gebäude mit ein.

 

Nebenkosten steigen um 1,5 Millionen Euro

»Eine erhebliche Rolle« bei den Baukostensteigerungen seit 2016 spielt die Preisentwicklung der Baubranche, wie Schuldezernentin Schmahl erklärt. »Allein die Kosten für den Bereich Starkstrom haben sich von Herbst 2016 bis zum Umsetzungsbeginn um etwa 190 000 Euro verteuert.«

Die Dezernentin verweist auch darauf, dass durch die gestiegenen Gesamtkosten anteilig die Baunebenkosten steigen. Allein dieser Posten macht rund 1,46 Millionen Euro aus.

Nachdem 2016 die Dach- und Fenstersanierungen nicht in das Gesamtvorhaben aufgenommen worden waren, sollten Reparaturen durch die Bauunterhaltung erfolgen. Zu diesem Zweck wurde ein Gutachten über den Zustand der Dächer beauftragt.

Es folgte der Beschluss, das größte Dach über dem Erdgeschoss mit Mitteln aus dem Kommunalinvestitionsprogramm (KIP II) des Landes Hessen zu sanieren. »Wie wichtig dieser Beschluss war, stellte sich im Winter 2018 heraus, als es einen Wassereinbruch über dieses Dach gab und Notmaßnahmen zur Abdichtung nötig wurden«, sagt die Baudezernentin. Die anderen Dächer sind zwar laut Gutachten nicht so marode, sollen nun aber mit in das Sanierungsprogramm aufgenommen werden, um kein Risiko einzugehen.

Die Fensterelemente der Fassade sind laut Kreisverwaltung mittlerweile stark baufällig, ebenso die Jalousien. Ersatzteile dafür sind nicht mehr erhältlich. Daher ist auch hier ein kompletter Austausch nötig, der nun in das Sanierungsprogramm aufgenommen wird.

 

Umzug nach Biebertal

»Für die Arbeiten sind drei Bauabschnitte vorgesehen, von denen der erste der umfangreichste sein wird«, erklärt Schmahl. Dafür müssen weitere Klassen ausziehen, die vorübergehend in der ehemaligen Gesamtschule in Biebertal untergebracht werden.

Läuft alles nach Plan, wird der erste Bauabschnitt etwa zwei Jahre dauern. Für die darauf folgenden kleineren Bauabschnitte ist jeweils ein Jahr kalkuliert, sodass die Sanierung 2023/2024 abgeschlossen sein soll. Vorab werden die Lehrküchen und das Dach über dem Erdgeschoss fertig saniert.

 

 

Info

Was bisher geschah

Seit 2013 gibt es Überlegungen zum Sanieren der Berufsschule. Von rund 14 Millionen Euro Kosten ist damals die Rede.

Im März 2015 fasst der Kreistag den Beschluss, die Schule ins ehemalige US-Depot an der Grünberger Straße in Gießen zu verlagern. Statt einer Sanierung am alten Standort in der Carl-Franz-Straße wird nun der »Kauf nach Sanierung« der Kasernengebäude für etwa 16,7 Millionen Euro angestrebt.

Ende 2015 der Rückzug: Ein Wechsel ins US-Depot soll jetzt 27,5 Millionen Euro kosten, der Kreistag beschließt einstimmig die Sanierung am Standort für rund 14 Millionen Euro.

Im Dezember 2016 beschließt der Kreistag eine Sanierung für etwa 8,4 Millionen Euro (unter anderem für Brandschutz, Lehrküchen, Naturwissenschaftsraum, Lackierkabine). Gegen eine noch kleinere Lösung für 3,3 Millionen Euro hatte die Schule öffentlich protestiert. (süd)

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