14. März 2018, 13:00 Uhr

Personalmangel

Reiskirchener Sozialstation macht dicht

Seit Monaten schon hatte die Gemeinde Reiskirchen Probleme, geeignetes Personal für ihre Sozialstation zu finden. Jetzt sind auch die Gespräche mit interessierten Betreibern gescheitert.
14. März 2018, 13:00 Uhr
Pflegen, helfen, beraten – das müssen in Reiskirchen künftig andere übernehmen. Die kommunale Sozialstation wird schließen. (Archivfoto: ti)

Seit Jahrzehnten gibt es die kommunale Sozialstation in Reiskirchen. Jetzt wird sie schließen. Der Grund: Die Verhandlungen seitens der Gemeinde mit potenziellen künftigen Trägern sind gescheitert. Der letzte verbliebene Interessent, ein privater Pflegedienst, hat am Montag per E-Mail mitgeteilt, dass er von einer Übernahme Abstand nehmen will. Bürgermeister Dietmar Kromm gab dies am Abend in der Sitzung des Sozialausschusses bekannt, am Dienstag informierte er die Mitarbeiter.

 

Kein Personal zu kriegen

Seit Monaten hatte die Sozialstation geschwächelt. Problem war das Personal. Immer wieder schieden Angestellte aus und konnten nicht angemessen ersetzt werden. Nur eine Voll- und eine Teilzeitkraft waren zum Schluss geblieben. Mit Aushilfen und der Mitarbeiterin einer Zeitarbeitsfirma hielt die Kommune die Einrichtung in den letzten Wochen am Laufen. Sämtliche Bemühungen seitens der Verwaltung, neue Angestellte zu finden, verliefen erfolglos. »Der Markt ist leer gefegt«, hatte Kromm schon im Dezember bedauert.

 

Andere zahlen mehr

Anzeigen waren geschaltet, Kontakt mit Pflegeschulen und dem Arbeitsamt aufgenommen, persönliche Gespräche mit Bewerbern geführt worden. Doch bedingt durch den gesteigerten Bedarf an häuslicher Pflege wird es immer schwieriger, frei werdende Stellen neu zu besetzen. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Kommune ihre Angestellten nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) bezahlen muss. Andere Träger dagegen bieten oft höhere Gehälter oder Boni an.

 

Gescheiterte Gespräche

Bereits im Spätsommer war wegen des abzusehenden Handlungsbedarfes das Parlament aktiv geworden. Mit Beschluss vom 13. September ermächtigte es den Gemeindevorstand, verschiedene Möglichkeiten für die Sozialstation zu prüfen: Erhalt, Verkauf, Übertragung, Übernahme oder Abwicklung. In der Folge hatten die Beigeordneten Verhandlungen mit Anbietern der häuslichen Pflege mit dem Ziel aufgenommen, die Konditionen für Verkauf, Übertragung oder Übergabe zu ermitteln. Es gab Sondierungsgespräche mit vier verschiedenen Trägern bezüglich einer Übernahme, darunter das Deutsche Rote Kreuz und die Johanniter sowie zwei private Pflegedienste. Die sind nun gescheitert.

 

Parlament muss noch zustimmen

Auf Nachfrage von Gerhard Albach (FW) im Ausschuss, was dies für die Einrichtung bedeute, erklärte der Bürgermeister: »Sie wird geschlossen.« In der nächsten Sitzungsrunde im Juni wird eine Beschlussempfehlung des Gemeindevorstandes vorliegen, über welche die kommunalen Gremien zu befinden haben, so Kromm auf Anfrage der Gießener Allgemeinen Zeitung. »Wir werden wohl noch dieses Jahr für die Abwicklung brauchen«, so der Rathauschef. Kündigungsfristen seien einzuhalten, ausstehende Rechnungen zu stellen, Kontakt mit der Pflegekasse aufzunehmen. »Außerdem können wir den Patienten ja nicht von heute auf morgen sagen, dass wir nicht mehr kommen«, gab er zu Bedenken. Es soll einen »sauberen Übergang« geben.

Was mit den gemeindeeigenen Räumen in der Gartenstraße geschieht, wo die Sozialstation untergebracht ist, ist noch unklar. Kromm: »Da haben wir jetzt genug Zeit, uns Gedanken zu machen.«

Schlagworte in diesem Artikel

  • Agentur für Arbeit Haßfurt
  • Arbeitsämter
  • Deutsches Rotes Kreuz
  • Dietmar Kromm
  • Rotes Kreuz
  • Verhandlungen
  • Zeitarbeitsfirmen
  • Reiskirchen
  • Christina Jung
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos