26. Oktober 2018, 22:57 Uhr

Wie weiter?

Ratlosigkeit in Albach: Vorstand des Feuerwehrvereins will aufhören

Die Albacher Feuerwehr hat keinen Standort mehr. Und bald auch keinen Vorstand, denn der hat für Anfang 2019 geschlossen seinen Rücktritt angekündigt.
26. Oktober 2018, 22:57 Uhr
Weiter Krise in Albach: Jetzt hat der Vorstand des Feuerwehrvereins seinen Rückritt angekündigt. Foto: khn

350 Mitglieder hat der Verein der Freiwilligen Feuerwehr Albach. Aus ihren Reihen werden jetzt vier oder fünf Mutige gesucht, die bereit sind, als Vorstand Verantwortung zu übernehmen. Denn seit der Schließung des Feuerwehrstandorts Albach durch die Gemeinde steckt der Verein in der tiefsten Krise seiner 84-jährigen Geschichte. Der amtierende Vorstand findet keinen Ausweg aus dem Dilemma und hat deshalb nun in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung geschlossen seinen Rücktritt zur nächsten Jahreshauptversammlung angekündigt. Die wird wohl im Februar 2019 stattfinden.

Man wolle allen Mitgliedern bis dahin ausreichend Zeit geben, sich Gedanken über die Fortführung des Vereins zu machen«, sagte Steffi Müller, die eine zweiseitige Erklärung des Vorstands verlas. Die beiden Vorsitzenden Friedhelm Langsdorf und Florian Blaukat hielten sich bewusst zurück; sie liegen noch immer mit dem Gemeindevorstand im Rechtsstreit.

In der letzten ordentlichen Hauptversammlung im April hatte der Vorstand angekündigt, sich über die weitere Arbeit des Feuerwehrvereins Gedanken zu machen. Er hat seine Hausaufgaben gemacht. Man habe sich intensiv mit der Lage auseinander gesetzt und auch einen bundesweiten Experten in Sachen Feuerwehrrecht zu Rate gezogen, sagte Müller.

Auch Auflösung steht zur Debatte

Zusammengefasst schilderte sie die Lage so: Wegen der Schließung des Feuerwehrstandorts Albach kann der gemeinnützige Verein in seiner jetzigen Struktur de facto keinen einzigen Satzungszweck mehr erfüllen. Eine Änderung oder Erweiterung der Satzung wäre nur möglich, wenn alle Mitglieder ohne Ausnahme zustimmen. Müller: »Das ist nach Ansicht des Vorstands faktisch ausgeschlossen.« Man könne auch nicht einfach den Brandschutz in anderen Orten unterstützen, denn die Satzung beschränke die Aktivitäten des Vereins allein auf Albach.

Soll sich der Verein also auflösen? Auch diese Möglichkeit stellte der Vorstand zur Diskussion. Dafür wären zwei Drittel der abstimmenden Mitglieder nötig. Eine Abwicklung steht aber nur als allerletzter Schritt im Raum. »Wollt ihr das?« wurde Vorsitzender Langsdorf in der Diskussion gefragt. Die Antwort kam wie aus der Pistole geschossen. »Nö.« Der amtierende Vorstand habe aber leider ein Kommunikationsproblem mit der Gemeinde. Man komme dort nicht mehr ins Gespräch.

Appell: Nicht einfach in den Sack hauen

Aus der Versammlung kam der Appell, »nicht in den Sack zu hauen.« Mehrere Mitglieder warnten davor, den Verein einfach abzuwickeln: »Wer weiß, was in fünf Jahren ist. Irgendwann ist der Bürgermeister weg.« Die Hoffnung: Vielleicht könne man einfach abwarten und Gras über die Sache wachsen lassen. Dafür aber benötigte der Feuerwehrverein einen neuen Vorstand.

In der Diskussion wurden auch Skepsis und Kritik laut. »Wer will diesen Trümmerhaufen denn übernehmen?!« Friedhelm Langsdorf widersprach: »Das ist kein Trümmerhaufen. Das ist immer noch ein Verein.« Im übrigen haben man die außerordentliche Mitgliederversammlung nicht einberufen, um nach Schuldigen zu suchen, sondern um die Mitglieder über die Lage zu informieren.

Die ist auch unter finanziellen Gesichtspunkten verzwickt. Das Vereinsvermögen wurde vom Vorstand nicht näher beziffert. Es gehen aber weiter Mitgliedsbeiträge ein, obwohl der Verein keine Ausgaben mehr hat. Und es ist nicht möglich, das Geld einfach für andere sozialen Zwecke zur Verfügung zu stellen. Das widerspräche der Satzung des gemeinnützigen Feuerwehrvereins und wäre laut Vorstand Steuerhinterziehung.

So endete die Versammlung nach einer Stunde ohne Beschluss, aber mit einem Auftrag an alle Mitglieder: »Macht euch Gedanken, wie wir das weiterführen.« Der amtierende Vorstand werde als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, versicherte der Vorsitzende. Und er zeigte sich zuversichtlich: »Gemeinsam werden wir eine Lösung finden.«

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