10. April 2018, 05:00 Uhr

Gericht

Räuber muss vier Jahre in Haft und ist froh darüber

Solche Worte hört man selten vor Gericht: Er sei froh, dass er ins Gefängnis müsse, sagte der Angeklagte. Er hatte Spielhallen auch im Kreisgebiet überfallen, um seine Sucht zu finanzieren.
10. April 2018, 05:00 Uhr
(Foto: Schepp)

»Es ist gut, dass die Polizei mich geschnappt hat und es ist gut, dass ich jetzt in der Justizvollzugsanstalt sitze«: Das sind Worte, die man im Gerichtssaal selten von einem Angeklagten hört.

Doch genau das sagte ein 36-Jähriger aus Büdingen vor der Urteilsverkündung am Gießener Landgericht am Montagnachmittag. Vier Jahre Haft sowie die Unterbringung in einer Entzugsanstalt für eine Drogentherapie – so lautet das Urteil gegen den Angeklagten.

Die einjährige Therapie kann er nach dem Abschluss des ersten Haftjahres beginnen. Sollte er sie erfolgreich abschließen, könnte er das Gefängnis anschließend verlassen.

 

Steigende Drogensucht seit 16 Jahren

 

Sachbeschädigung, Diebstahl, Unterschlagung, Raub und gefährliche Körperverletzung – der 36-Jährige ist schon häufiger mit dem Gesetz in Konflikt geraten, meist in Verbindung mit seiner Drogenproblematik: »Seit 15 bis 16 Jahren leidet der Angeklagte unter einer steigenden Drogensucht«, erklärte der psychologische Gutachter Dr. Jens Ulferts.

Nach einer Feier am 12. September des letzten Jahres verspürte der Angeklagte Druck, sich Drogen zu besorgen. Er war knapp bei Kasse und brach zu einer mehrtägigen Raubserie auf eine Bank in Glauburg sowie Spielhallen in Gedern, Nieder-Florstadt und in Hungen auf. Für die Beute kaufte er in Frankfurt Kokain (diese Zeitung berichtete).

Am 19. September klickten dann die Handschellen bei Würzburg: Hier stellte die Polizei den Angeklagten nach einer Verfolgungsjagd auf der A 3. In seinem Blut wurde »eine exorbitante Menge an Kokain« nachgewiesen, wie Ulferts ausführte.

 

Angestellte leidet bis heute

 

Zum Abschluss der Verhandlung wurden Zeugen angehört, darunter auch eine Angestellte der überfallenen Spielothek in Hungen. »Er kam herein und hat gesagt: Das ist ein Überfall«, sagte die Hungenerin aus. Der Täter verlangte die Herausgabe von Bargeld aus der Kasse und dem Tresor. »Ich wollte ihm erklären, dass es bei uns keinen Tresor gibt, aber das hat er erst einmal nicht geglaubt.«

Danach sollte sie ihm das Geld aus dem Wechselautomaten geben. »Aber ich war so aufgeregt, dass ich die PIN des Automaten mehrfach falsch eingetippt habe. Daraufhin drohte er mir, er habe eine Waffe dabei«, sagte die Zeugin. Das war übrigens eine leere Drohung, der 36-Jährige hatte sich nur bei seiner ersten Tat in Glauburg bewaffnet.

Nach der Übergabe des Geldes verließ der Angeklagte die Spielhalle. Die Frau aus Hungen leidet bis heute an den Folgen des Überfalls: »Ich konnte einige Monate nicht mehr dort arbeiten«, erklärte sie. »Mittlerweile mache ich zwar wieder Dienste, aber immer wenn jemand Fremdes in den Laden kommt, bekomme ich Angst.«

 

Umfassendes Geständnis strafmildernd

 

Gerade die Überfälle auf die Bank in Glauburg und die Spielothek in Hungen wiegen schwer: Bei diesen beiden Taten trat der Angeklagte mit einem erheblichen Bedrohungspotential auf. »Sie haben in diesen Tagen Angst und Schrecken verbreitet«, sagte der Vorsitzende Richter Heiko Söhnel bei der Urteilsverkündung.

»Es gab ein aggressives Auftreten, das die Angestellten dazu bewegte, nichts zu unternehmen.« Strafmildernd kam das umfassende Geständnis des Angeklagten zum Tragen, zudem entschuldigte er sich während der Verhandlung bei den Opfern.

Mit dem Urteil erfüllte der Richter die Forderung der Staatsanwaltschaft. Sowohl Staatsanwaltschaft als auch der Angeklagte verzichteten auf Rechtsmittel – das Urteil ist rechtskräftig.

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