27. November 2017, 11:35 Uhr

Bürgermeisterwahl

Rabenaus neuer Bürgermeister von Sieg überrascht - Konkurrent hilft mit Bier aus

Florian Langecker (unabhängig) wird am 1. Mai neuer Bürgermeister von Rabenau. Mit dem Sieg bereits im ersten Anlauf hatte er selbst nicht gerechnet, wie auch sein Getränkevorrat bewies. Mit Kommentar.
27. November 2017, 11:35 Uhr
Gespanntes Warten auf das Endergebnis bei Florian Langecker (M.), Ehefrau Melissa und Ralf Lich. (Foto: str)

»Hätte ich das gewusst, hätte ich mich net so leger angezogen«, gestand Rabenaus Bürgermeister Kurt Hillgärtner, als er dem Wahlsieger Florian Langecker gratulierte und allen Kandidaten für einen engagierten und fairen Wahlkampf dankte. »Er wird gewiss ein würdiger Nachfolger«, schloss Hillgärtner, der gegenüber dieser Zeitung bekannte, auch er habe mit einer Stichwahl gerechnet.
 

Grafik: MDV

 


Nicht anders sicher die ganz große Mehrheit all jener, die gegen 19 Uhr in der Gaststätte »Zum Lumdatal« das Endergebnis der Wahl zur Kenntnis nahmen: Florian Langecker (36), CDU-Mitglied, aber als Unabhängiger ins Rennen gegangen, holte im ersten Wahlgang 51,5 Prozent. Er wird somit am 1. Mai 2018 Rabenaus neuer
Verwaltungschef – eine faustdicke Überraschung.

 

 

Ich habe nur drei Kästen Bier auf dem Balkon, die reichen bestimmt nicht.

Florian Langecker

   
Auf Platz zwei landete Christoph Nachtigall (33, Freie Wähler) mit respektablen  38,4 Prozent, abgeschlagen auf dem dritten Rang Ralf Lich (56, SPD), der 10,1 Prozent einfuhr.

Wahlsieger zeigte sich überrascht

Applaus für den Sieger Florian Langecker, ganz links Altbürgermeister Eckl. (Foto: str)
Applaus für den Sieger Florian Langecker, ganz links Altbürgermeister Eckl. (Foto: str)

Drei Kandidaten, alle in der Lumdatalgemeinde verwurzelt, alle seit Langem kommunalpolitisch engagiert – vieles hatte da für eine Stichwahl gesprochen. Überrascht zeigte sich denn auch der Wahlsieger selbst: »Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet, ich habe daher auch keine Rede vorbereitet.« So dankte er nur kurz für das Vertrauen und versprach: »Ich bin als Unabhängiger angetreten, und das wird auch eine unabhängige Sache.«
 

Langecker hatte in allen Wahlbezirken die Nase vorn, holte allein in vier von sechs Ortsteilen über 50 Prozent. Nicht nur in CDU-Hochburgen: Mit 56,2 Prozent fuhr er sogar im dereinst »roten Rüddingshausen« sein Spitzenresultat ein. Was gab den Ausschlag? Wie Rabenaus künftiger Bürgermeister im Gespräch mit dieser Zeitung sagte, könne er keine hinreichende Erklärung anbieten. Geholfen habe gewiss, dass er sechs Wochen lang von Haus zu Haus gegangen sei, die Wähler ihn persönlich kennen lernen konnten. Auch sein überparteiliches Verständnis vom Amt habe wohl eine Rolle gespielt.

Drei Kisten Bier reichen nicht

Ralf Lich im Kreise seiner Familie. (Foto: str)
Ralf Lich im Kreise seiner Familie. (Foto: str)

Dennoch sei er überrascht, hätte nicht mal mit Platz 1 gerechnet. »Ich habe nur drei Kästen Bier auf dem Balkon, die reichen bestimmt nicht.« Mitbewerber Ralf Lich vernahm das leidige »Versorgungsproblem« und bot spontan seine Hilfe an: »Einen Kasten kannst du von mir kriegen." Der SPD-Mann konnte sich das schlechte Abschneiden nicht so recht erklären. Auf Nachfrage aber räumte er ein, sein Alter von 56 Jahren habe wohl dazu beigetragen.
 

Wahlsieger Florian Langecker (v.l.) mit Christoph Nachtigall und  Ralf Lich (Foto: str)
Wahlsieger Florian Langecker (v.l.) mit Christoph Nachtigall und Ralf Lich (Foto: str)

Mit einer Stichwahl hatte auch Christoph Nachtigall gerechnet, der sich ebenso keinen Reim auf das Ergebnis machen konnte. Habe er doch einen guten Wahlkampf geführt, nicht nur die richtigen Themen gesetzt, sondern sich überdies mit der Fokussierung auf Tourismus- und Gewerbeförderung von den Mitbewerbern unterschieden.
 

Kommentar von Thomas Brückner

Hohe Erwartungen

Die erste Runde im »Kampf« ums Bürgermeisteramt in Rabenau ist vorbei, und es sollte – zur Überraschung aller Beobachter wie der Kandidaten selbst – auch die letzte sein: CDU-Mitglied Florian Langecker, 36 Jahre jung, als Unabhängiger angetreten, hat mit 51,5 Prozent gesiegt. Die für den zweiten Advent erwartete Stichwahl wird’s nicht geben. Vieles, nicht zuletzt die mageren zehn Prozent für den 56-jährigen Ralf Lich, spricht dafür, dass die Rabenauer einen neuen Verwaltungschef wollten, der ob seines Alters zumindest das Potenzial für mehrere Amtsperioden hat.

Diese Erwartung, gepaart mit einem engagierten Wahlkampf mit sachlich-ehrlichen Aussagen, mit dem Versprechen einer von Parteidenken freien Amtsführung mag den Ausschlag gegeben haben. Mag sein, dass auch die hohen Glaubwürdigkeitswerte, die einem Polizeihauptkommissar zuerkannt werden, eine Rolle spielten. Freilich: Über die wahren Gründe des Erfolgs lässt sich, mangels repräsentativer Wählerbefragungen, doch nur spekulieren. Mal ganz abgesehen von den grundsätzlichen, hier nicht unterstellten »Eigenheiten« einer jeden Persönlichkeitswahl, bei der zuweilen der Außenwirkung ein ungerechtfertigt hohes Gewicht zukommt.

Wie dem auch sei: Langecker hat längst, nicht zuletzt in der Kommunalpolitik, sein Engagement für seine Heimatgemeinde bewiesen. Als Bürgermeister freilich lasten jetzt viel höhere Erwartungen auf seinen Schultern. Die engen Spielräume, die geringen Entwicklungschancen, die ein Kleinzentrum wie Rabenau hat, dürfte er bald als weitere Erschwernis erfahren.

 

 

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