25. Februar 2018, 21:17 Uhr

Prognose: Hungen schrumpft

25. Februar 2018, 21:17 Uhr
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Von Constantin Hoppe
Die Prognosen sagen für Hungen einen Rückgang der Bevölkerung voraus. Die Reaktivierung der Horlofftalbahn könnte dieser Entwicklung entgegen wirken, denn dann hätte der Südosten des Landkreises Gießen eine direkte Verbindung ins Rhein-Main-Gebiet. (Foto: us)

Wie sieht die nahe Zukunft in Hungen aus? Diese Frage stellte der SPD-Ortsverein am Donnerstag im Rahmen seiner Zukunftswerkstatt. »Natürlich ist es nicht einfach, die Zukunft eines Ortes oder einer Region vorherzusagen«, erklärte Referent Dr. Julien Neubert. Als Mitarbeiter des Landkreises Gießen hat er sich im vergangenen Jahr damit beschäftigt, Prognosen für die Gemeinden im Landkreis im Rahmen eines Demographieatlas zu erstellen. Gemeinsam mit dem ehrenamtlichen Kreisbeigeordneten Istayfo Turgay präsentierte er die Zukunftsaussichten für Hungen.

Bei dem Demographie-Monitoring nimmt Hungen eine Sonderstellung ein: »Keine Andere Stadt oder Gemeinde hatte einen so hohen Bevölkerungsrückgang zu verzeichnen«, sagte Neubert. Besonders die beiden Ortsteile Nonnenroth und Rabertshausen hatten einen sehr schlechten Wert. Doch während es bei Rabertshausen vermutlich an der niedrigen Bevölkerungszahl liegt – schon kleinere Schwankungen wirken sich prozentual sehr stark aus – ist es in Nonnenroth etwas schwieriger: Die Bevölkerungszahl sank zwischen 2012 und 2016 um zehn Prozent.

Doch auch die Zahlen beim Nachzug junger Familien seien in Hungen insgesamt sehr niedrig, lediglich Bellersheim und Inheiden konnten hier positiv abschneiden. Doch was heißt das für die Stadt und die Ortsteile? »Wenn nichts passiert, wird man in Hungen bis 2030 einen Bevölkerungsrückgang von mindestens elf Prozent verzeichnen«, erklärte Neubert. Damit hätte Hungen im günstigsten berechneten Szenario im Jahr 2030 noch 11 229 Einwohner gegenüber 12 695 im Jahr 2016 – und über ein Drittel der Einwohnerschaft wäre über 60 Jahre alt.

Was aber kann getan werden, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken? Zuerst einmal müsste das Gebiet verkehrstechnisch attraktiver werden. Hierzu könnte die Reaktivierung der Horlofftalbahn einen großen Beitrag leisten. »Allerdings müsste auch sichergestellt sein, dass man aus den Ortsteilen eine schnelle Anbindung zu den Bahnhaltepunkten hat«, erklärt Neubert. Daneben könnte auch die Ausweisung weiterer Neubaugebiete helfen, den Bevölkerungsrückgang einzudämmen. Aber mit dem demografischen Wandel werden auch noch weitere neue Aufgaben auf die Stadt zukommen: Insbesondere geht man davon aus, dass der Bedarf an Single-Wohnungen bis 2030 um 30 Prozent steigen, die Nachfrage (großer) Familien abnehmen. Auch wird die Digitalisierung auf den Dörfern immer wichtiger werden. »Bei all dem versucht der Landkreis die Kommunen zu unterstützen – bei manchen ist diese Unterstützung auch bereits angelaufen«, versicherte Turgay.

Aber natürlich müssen solche Zukunftsprognosen nicht unbedingt so eintreten, wie man auch am Beispiel der Rabenau sehen konnte: Hier wurde ein starker Bevölkerungsschwund vorhergesagt, tatsächlich stabilisiert sich die Bevölkerungszahl jedoch in den vergangenen Jahren.



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