28. Mai 2019, 05:00 Uhr

Immobilienmarkt

Preise im Kreis Gießen steigen weiter, nur weniger stark

Die Zinsen sind niedrig. Wer sich’s leisten kann, kauft Immobilien, auch im Landkreis. Aber: Die »Flucht ins Betongold« schwächt sich etwas ab. Rekordpreise für Bauland in guten Lagen sind nur ein Grund.
28. Mai 2019, 05:00 Uhr
brueckner_tb
Von Thomas Brückner

Detaillierte Einblicke in den heimischen Immobilienmarkt gewährt alljährlich das Amt für Bodenmanagement (AfB) mit Sitz in Marburg. Wie viele Wohnhäuser, Baugrundstücke, Eigentumswohnungen wurden verkauft, welche Preise gezahlt, wie viel Geld ging insgesamt, alle Teilmärkte addiert, über den Tresen? Daten und Hintergründe stellten gestern in Marburg Stefanie Flecke, Vorsitzende des Gutachterausschusses, sowie ihr Stellvertreter Lothar Dude-Georg vor.

Vorweg: Auf den gesamten Amtsbezirk bezogen - also die Kreise Lahn-Dill sowie Gießen und Marburg (hier ohne die Kreisstädte) - wurden im Vorjahr 9573 Kaufverträge geschlossen. Ein leichter Rückgang gegenüber 2017 um zwei Prozent.

Weniger Hausverkäufe

Ein erster Hinweis auf dennoch weiter steigende Immobilienpreise: Der Geldumsatz legte trotz rückläufiger »Eigentumsübergänge« um 7,9 Prozent zu. Alle Teilmärkte in der Region addiert, stieg der Umsatz um 80 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro - dabei sind die mittelhessischen Universitätsstädte noch gar nicht eingerechnet.

Zur Entwicklung im Umfeld des Oberzentrums, eher ländlich geprägt und daher mit höherer Nachfrage nach Bauland und Häusern als nach Eigentumswohnungen: Im Kreis Gießen mussten die Käufer von Ein- und Zweifamilienhäusern 2018 nochmals mehr bezahlen als im Jahr davor. Im Schnitt wurden 225 000 Euro je Objekt aufgerufen. Ein Plus von neun Prozent und damit ein etwas geringerer Anstieg als in den Vorjahren. Nicht zu vergessen: Die Zahl der Verkäufe sank derweil, von 571 auf 538.

Noch stärker zurückgegangen sind die Verkäufe unbebauter Grundstücke. Gegenüber 2017 sackte die Zahl von 353 auf 213 ab, minus 40 Prozent. Gesunken sind auch die Preise, im Schnitt um acht Prozent, von 164 auf 151 Euro je Quadratmeter. Was freilich vor allem daran liegt, dass mehr Bauland in preiswerteren Lagen über den Tisch ging.

Was die bloße Zahl der Verkäufe angeht, konnte sich vor allem Grünberg gegen den Trend behaupten: Das Neubaugebiet vor der Stadt mit 119 Parzellen kommt an, allein im Vorjahr wechselten 37 Parzellen den Besitzer, ein Plus von 7. Einen Zuwachs kann ansonsten nur Reiskirchen (36, plus 25) verzeichnen. Ganz anders sehen dagegen die Zahlen im Gießener Speckgürtel aus: In Fernwald waren es 2018 gerade noch vier Verkäufe (2017: 34), in Linden 19 (44), in Wettenberg 8 (14), in Heuchelheim 2 (34). Ebenso in Lich, »Boomtown« der vergangenen Jahre, ging die Zahl rapide zurück, von 38 auf 17.

Zinsvorteil kompensiert

Klar ist, Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis: In Heuchelheim kostete so der Quadratmeter im Schnitt 276 Euro (2017: 235), dicht gefolgt von Linden mit 245 Euro (250) und Wettenberg mit 219 Euro (225). Zieht man den Mittelwert der letzten drei Jahre heran, so stagnieren fast überall die Preise. Angezogen haben sie nur in Reiskirchen, Langgöns und Hungen, gesunken einzig in Rabenau, wo zuletzt der Quadratmeter für 56 Euro zu haben war.

»Der Speckgürtel ist nahezu ausverkauft, die Kommunen müssen erst wieder Bauland ausweisen«, sagte Lothar Dude-Georg im Namen des Gutachterausschusses. Im Ergebnis wichen die Häuslebauer aufs weitere Umland aus. Freilich präferierten sie »gute Lagen«. Wer eine gute Infrastruktur biete - etwa Verkehrsanbindung, Schulen, Ärzte und kulturelle Angebote -, der komme zum Zug. Zu besichtigen sei das in Grünberg.

Zur Neige gehende Baugebiete in den guten Lagen, mithin deutlich höhere Preise, sind nach Dude-Georg eine Ursache dafür, dass sich die vielzitierte »Flucht ins Betongold« etwas abgeschwächt habe. Was hinzukommt: Die Preise im Bauhandwerk sind erheblich gestiegen, gegenüber 2009 um mittlerweile rund 30 Prozent. So werde der Zinsvorteil mehr als kompensiert.



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos