07. Oktober 2018, 20:07 Uhr

Powerpoint und Kaffeeklatsch

Am Anfang war die Krise. Drei Jahre nach der Ankunft von über einer Million geflüchteter Menschen in Deutschland ist Alltag eingekehrt. Aber Hilfe tut weiter not, auch auf dem platten Land. Um die berufliche und soziale Integration zu fördern, ziehen Ehrenamtliche und Profis im Landkreis an einem Strang. In Steinbach ist jetzt der Startschuss für ein neues Projekt gefallen.
07. Oktober 2018, 20:07 Uhr
Pilotprojekt in Steinbach: Im Foyer der Fernwaldhalle eröffnet der erste Integrations- und Kompetenztreffpunkt für Geflüchtete. Weitere solcher Gemeinschaftsprojekte von Diakonischem Werk, ZAUG gGmbH und ehrenamtlichen Helfern sollen an anderen Orten folgen.

Seit eineinhalb Jahren lebt Ihab in Steinbach. Er hat einen Deutschkurs gemacht, gejobbt und die Sprache seiner neuen Heimat schon ziemlich gut gelernt. Eine feste Arbeitsstelle hat er in Aussicht. Es läuft nicht schlecht für ihn. Dennoch hat er diesen Termin auf seinem Handy gespeichert: Mittwoch, 17. Oktober, 16 bis 19 Uhr. An diesem Tag nämlich wird der neue Integrations- und Kompetenz-Treffpunkt im Foyer der Fernwaldhalle seine Arbeit aufnehmen. Geflüchtete Menschen sollen hier Hilfestellungen ganz unterschiedlicher Art finden und außerdem einen zwanglosen Treffpunkt, zu dem jeder kommen kann, der Lust darauf hat. Am vergangenen Freitag wurde das Kooperationsprojekt von Diakonischem Werk und der ZAUG gGmbH der Öffentlichkeit vorgestellt, ganz zwanglos, bei Kaffee und Kuchen.

Künftig soll es nicht nur in Fernwald, sondern auch in anderen Kommunen im Landkreis IKTreffpunkte geben. Doch die Grundidee für dieses Konzept stammt von Steinbachern. »Wir brauchen einen Raum, und zwar einen, der offen ist«, hatten die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer schon vor mehr als einem Jahr bei einem Treffen mit Doris Graf-Lutzmann, der Bereichsleiterin Migration beim Diakonischen Werk, geäußert.

Damals gab es in Steinbach noch die Gemeinschaftsunterkunft in der Oppenröder Straße. Die steht zwar mittlerweile so gut wie leer. Aber rund 100 Geflüchtete haben, wie Bürgermeister Stefan Bechthold berichtete, in Fernwald ein neues Zuhause gefunden. Sie sollen künftig immer mittwochs im Foyer der Fernwaldhalle eine feste Anlaufstelle haben.

Durch die Kooperation von Diakonie und ZAUG werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. »Unsere Kompetenz ist die berufliche Bildung, die Diakonie deckt den Bereich Familie und Soziales ab«, erläuterte Sabine Ruppel vom ZAUG. So werde es möglich, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Besucher zu reagieren. Wer eine Bewerbung schreiben möchte oder sich in Word oder Powerpoint fit machen will, findet hier nicht nur Helfer, sondern auch die notwendige Technik wie Laptop oder Drucker.. Wer mit der deutschen Bürokratie zu kämpfen hat, trifft in der Fernwaldhalle Menschen, die er um Rat fragen kann. Hausaufgabenhilfe und Sprachförderung sind ebenfalls im Angebot.

Kinder können in Ruhe malen, ihre Eltern gemütlich Kaffee oder Tee trinken. Gemeinsam verbrachte Zeit sei ein wichtiger Baustein für die soziale Integration, sagt Ruppel, die dem Bürgermeister für die Bereitstellung des Foyers der Fernwaldhalle mitsamt WLAN dankte. Bei Bedarf steht auch der benachbarte Sitzungsraum zur Verfügung. Der Bedarf sei da. »Schulkinder zum Beispiel haben häufig keine Erfahrungen mit dem PC«, sagte Ruppel

Betrieben wird der IKTreffpunkt von den ehrenamtlichen Steinbacher Flüchtlingshelfern. Sie werden von Mitarbeitern des ZAUG und der Diakonie für ihre Aufgaben geschult und können dabei vielleicht selbst noch etwas lernen. »Eine echte Win-Win-Situation«, findet Ruppel. Falls die Ehrenamtlichen mal nicht weiter wissen, können sie die Profis von ZAUG und Diakonie telefonisch um Rat fragen. Mit im Boot ist auch der Landkreis, der die Personalkosten übernimmt, wie Doris Graf-Lutzmann lobend erwähnte.

»Endlich mal ein Angebot, das nicht in Gießen stattfindet«, freute sich ZAUG-Geschäftsführer Heiko Bennewitz. Nun hofft er, dass der Treffpunkt gut angenommen wird. Das wünscht sich auch Martina Espanion, die die Besucher im Namen der Flüchtlingshelfer willkommen hieß. Die Ehrenamtlichen jedenfalls haben sich alle Mühe gegeben, das neue Angebot publik zu machen. Wie Ruppel erzählte, sind sie von Haus zu Haus gegangen, um die Einladung unter die Menschen zu bringen. (Foto: us)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Diakonie
  • Integration
  • Krisen
  • Soziale Integration
  • Stefan Bechthold
  • Steinbach
  • Ursula Sommerlad
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos