18. Dezember 2018, 05:05 Uhr

Ordnungsamt

Pohlheimer Ordnungsamt: Weit mehr als nur Knöllchen schreiben

Umgefahrere Verkehrsschilder, schlecht gesicherte Baustellen, getunte Mopeds: Der Pohlheimer Hilfspolizeibeamte hat schon einiges erlebt.
18. Dezember 2018, 05:05 Uhr
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Von Patrick Dehnhardt , 1 Kommentar
Lacht der Smiley, freut sich auch das Ordnungsamt: Die Messtafel in der Grüninger Schanzenstraße zeigt nicht nur den Fahrern an, ob sie die erlaubten 30 Stundekilometer fahren. Sie erfasst auch, wie viele Fahrzeuge die Geschwindigkeit überschreiten. Das Ordnungsamt wertet diese Zahlen regelmäßig aus. (Foto: pad)

Ein Auto parkt vor einer Hofeinfahrt. Für das Ordnungsamt ist das nur ein Fall, wenn es gerufen wird. Das Parken vor der eigenen Einfahrt ist erlaubt – wenn es nicht durch Haltverbote oder Fahrbahnmarkierungen verboten ist. Zudem: »Woher soll ich wissen, ob es nicht der Bewohner selbst ist? Oder der beste Freund, ein Kunde, der Nachbar, der das darf...«, sagt Thomas B.. All diese Erklärungen hat er schon oft gehört.

Der Hilfspolizeibeamte ist seit 20 Jahren im Dienste der Stadt Pohlheim unterwegs. Und dabei geht es um weit mehr, als nur darum, Falschparker zu verwarnen. Insgesamt scheint in Pohlheim aber meist recht ordentlich geparkt zu werden. Denn auf der Streifenfahrt durch die einzelnen Stadtteile fällt zunächst kein Fahrzeug auf, das den Gehweg blockiert oder in falsche Fahrtrichtung abgestellt wäre.

 

Gehwegparken geht gar nicht

Die Stadtverwaltung hat dem Ordnungsamt klar vorgegeben, solche Verkehrsvergehen konsequent zu ahnden. Fußgänger sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer und gehören auf die Gehwege, nicht Autos. Fußgänger, Kinderwagen und Rollstühle sollen nicht auf die Straße ausweichen müssen, nur weil jemand auf dem Gehweg parkt. Die Straßenverkehrsordnung gibt – ebenso wie Höhe der Verwarnungsgelder – übrigens der Bund vor. Die Kommune hat darauf keinen Einfluss. Wer gegen die Fahrtrichtung auf dem Gehweg parkt, hat eigentlich gleich zwei Verkehrsverstöße begangen. Er muss aber nur die Strafe für den gravierenderen Verstoß bezahlen.

Bevor Beil auf Kontrollfahrt geht, steht zunächst die Büroarbeit an. Denn alle Fälle werden als Beweis mit Fotos dokumentiert. »Sonst beschweren sich die Leute und sagen, dass sie das nicht gemacht haben«, sagt der Hilfspolizeibeamte. Hat er alles auch schon zigfach erlebt.

 

Alles ab 35 Euro geht ans Regierungspräsidium

Die Fotos werden auf dem Computer sortiert. Ein Bild zeigt einen Wagen ohne Kennzeichen, der auf einer Straße steht. Da ein abgemeldetes Fahrzeug keinen Versicherungsschutz mehr hat, darf es nur auf Privatgrundstücken abgestellt werden. Mit einem roten Warnaufkleber wird der Besitzer darauf aufmerksam gemacht. Entfernt er das Auto nicht, drohen 60 Euro und ein Punkt in Flensburg. Die Stadt Pohlheim hat von dem Geld allerdings nichts: Alle Verwarnungsgelder über 35 Euro gehen an das Regierungspräsidium. Im schlimmsten Fall muss sich die Stadt aber um die Entsorgung der Rostlaube kümmern. Das kam in den vergangenen Jahren allerdings immer seltener vor.

Die erste Station der Streifenfahrt ist eine Baustelle. Die Straße ist aufgegraben, die Bauarbeiter machen gerade Pause. Ist die Grube ordentlich abgesichert, sind alle Warnschilder da? Auch diese Kontrolle gehört zu den Aufgaben des Ordnungsamtes. Da derzeit sehr viel gebaut wird, hat der Hilfspolizeibeamte eine ganze Liste von Baustellen, bei denen er vorbei schauen muss.

Doch auch die Schäden der ersten Glättenacht des Winters beschäftigten das Ordnungsamt. In zwei Ortsteilen sind Verkehrszeichen von rutschenden Autos umgefahren worden. Der Hilfspolizeibeamte nimmt die Schäden auf und leitet sie weiter, damit der Bauhof sie reparieren kann.

 

Anwohner mit auswärtigen Kennzeichen

In Grüningen wird derzeit die Ortsdurchfahrt erneuert. Die innerörtliche Umleitung ist eigentlich nur für Anlieger gedacht. Also einfach alle Autos, die kein GI-Kennzeichen haben, rauswinken und verwarnen? Der Hilfspolizeibeamte winkt ab. »Das Kennzeichen sagt heute gar nichts mehr darüber, wo jemand herkommt.« Die einen haben einen Firmenwagen, die anderen beim Umzug auf neue Kennzeichen verzichtet. Wie aufs Stichwort fährt ein Auto mit auswärtigem Kennzeichen vorbei, um nur wenige Meter entfernt in eine Hofeinfahrt abzubiegen.

Die Stadt hat in der innerörtlichen Umleitungsstrecke eine Geschwindigkeitsmesstafel aufgehängt. Autofahrern, die zu schnell unterwegs sind, blickt ein trauriger Smiley entgegen. Diese Anzeigetafel hat in erster Linie eine verkehrserzieherische Aufgabe, ohne den betreffenden Fahrer bei Geschwindigkeitsverstößen gleich zur Kasse zu bitten.

Doch darauf sollte sich keiner verlassen, in regelmäßigen Abständen wird auch in diesen Straßen »geblitzt«. Pohlheim bildet mit den Buseck, Fernwald, Lich und Linden einen gemeinsamen Ordungsbehördenbezirk zur Überwachung des fließenden Verkehrs. Zwei mobile Messanlagen sind dafür unterwegs.

 

Moped mit 125km/h

In Pohlheim, der größten Kreiskommune, wird es für uns nie langweilig, erzählt der Hilfspolizeibeamte. Zwar sei es in Pohlheim in den vergangenen Jahren ruhiger geworden. Trotzdem sind ständige Kontrollen notwendig, damit das auch so bleibt. Positiv sieht der Hilfspolizeibeamte, dass Probleme mit Jugendlichen mittlerweile selten geworden seien. »Früher waren getunte Mopeds noch ein Thema«, erzählt er, mittlerweile sei das nicht mehr so. »Einmal haben wir eins auf den Prüfstand gestellt, das fuhr 105 statt erlaubter 25 Stundenkilometer. Aber das ist lange her.«

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