10. Juli 2017, 12:55 Uhr

Elektromobilität

Ostkreis rüstet sich für neues Automobil-Zeitalter

In einem Pilotprojekt zur Förderung der Elektromobilität werden im Landkreis Gießen acht öffentliche Ladestationen aufgestellt. Sie stehen künftig in vier Ostkreisgemeinden.
10. Juli 2017, 12:55 Uhr
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Von Thomas Brückner , 1 Kommentar

Noch ganz frisch ist diese Meldung: Ab 2019 will Volvo nur noch Autos mit Elektroantrieb bauen. Offen ist noch, wie lange der Großteil der Flotte zusätzlich einen Verbrennungsmotor unter der Haube haben wird. Fest aber steht, früher oder später werden nur noch emissionsfreie »Stromer« auf den Straßen unterwegs sein. Gut für die Öko-Bilanz, mal abgesehen von den umweltschädlichen und rohstoffaufwendigen Lithium-Ionen-Batterien.

Im Teilraum Ost des Kreises Gießen soll jetzt im Rahmen eines vom Land geförderten Pilotprojekts ein Beitrag dafür geleistet werden, dass der Übergang ins neue »Automobil-Zeitalter« gelingt.


Flächendeckendes Ladenetz Ziel

Die Bender GmbH & Co. KG, eingebunden in ein Förderprogramm des Landes, spendiert Grünberg, Laubach, Lich und Hungen je zwei moderne Ladesäulen. Denn, so sieht es Winfried Möll, einer der Geschäftsführer des Grünberger Unternehmens: Ohne ein dichtes Netz an Stationen zum »Nachtanken« kommt die E-Mobilität nicht voran.

Der Technische Direktor des Marktführers in Sachen elektrische Sicherheit ist sich sicher, dass jede fortgeschrittene Technik keine zweite neben sich duldet. Das Smartphone sei dafür das beste Beispiel. »Entweder werden die heutigen Probleme der Elektromobilität gelöst und das Ende des Verbrenners kommt sehr schnell«, sagt Möll, »oder sie werden es nicht und E-Mobilität bleibt eine Nische, ähnlich wie Gas.« Wenn sie sich aber durchsetzt, schätzt der Experte, werden 90 Prozent aller Autos mit Batterieantrieb unterwegs sein. Weil es billiger ist und mehr Kundennutzen bietet.


Optimistisches Szenario

Für das Center of Automotive Management (CAM) an der FH Bergisch Gladbach, das regelmäßig Produktstrategien der globalen Automobilhersteller analysiert, ist dies keine Frage. »Ein Amalgam aus Abgas-Skandal, nationalen und lokalen Umweltzielen und elektromobilitätsfreundlichen Regulationsinitiativen insbesondere in China hat eine enorme Eigendynamik ausgelöst«, wird Stefan Bratzel als Leiter einer aktuellen Studie im Branchenblatt »Automobilwoche« zitiert.

Nach 2020 sei weltweit von einem massiven Wachstum auszugehen. 2025 wird im optimistischen Szenario mit rund 25 Prozent bzw. 25 Millionen jährlich neu zugelassenen Elektro-Pkw gerechnet (konservativ: zwölf Prozent). Der Anteil könne bis 2030 auf 40 Prozent bzw. rund 40 Millionen steigen (konservativ: 25 Prozent).

Zurück in die Jetzt-Zeit: Das Familienunternehmen Bender steht seit drei Generationen für Netzschutztechnik. Nun will es die Chancen des Zukunftsmarktes nutzen, entwickelt Isolationsüberwachungssysteme, die das komplette elektrische Antriebssystem von Elektro- und Hybridfahrzeugen »im Auge behalten« und Schutz gegen Stromschläge bieten. Nicht zuletzt bei Unfällen ist das wichtig. Ebenso werde die Brandgefahr minimiert.


Ausgeklügelte Elektronik
 

Jetzt kommt bei Bender das zweite »Elektro-Standbein« ins Spiel, die Ladestationen. Wobei sich die Ingenieure auf das Innenleben, die Technik, fokussieren. Die »Tankstellen« mit Wechselstrom (AC) greifen auf die übliche Niederspannung zurück, die Ladeinfrastruktur sei daher relativ einfach zu halten. Eine »ausgeklügelte Elektronik« soll jedes Bezahlsystem zulassen.

Momentan gibt es im Landkreis Gießen gerade mal 113 Elektroautos (Stand März 2017, bundesweit waren es Ende 2016 rund 25 150). Abgesehen vom Preis ist vor allem die fehlende oder nicht für alle Typen kompatible Ladeinfrastruktur eines der größten Hindernisse für den Siegeszug der »Stromer«.

»1000 Säulen für Mittelhessen« hat Bender denn auch ein 2015 an den Start gebrachtes Projekt genannt und kam damit in besagtes Förderprogramm des Landes. Der Auftrag: »Erstellen eines Konzeptes zur flächendeckenden Elektrifizierung«, inklusive Installation von 20 Ladestationen in der Region, versehen mit der aktuell intelligentesten Ladetechnik, dazu günstig im Preis.


Erste Tankstellen kommen zeitnah

Die ersten Säulen »powered by Bender« stehen nun. Am Sporthotel Grünberg sind sie zu begutachten (Fotos). Die beiden öffentlichen »AC-Tankstellen« sollen zeitnah in der Tiefgarage Alsfelder Straße aufgestellt werden. Den Standort Tiefgarage hat auch Laubach im Auge – zumindest für eine der zwei Ladestationen. Wie aus dem Rathaus verlautet, rechne man mit Installationskosten von 1000 Euro je Säule sowie einer Nutzungspauschale von 25 Euro.

Dieserart Platzwahl drängt sich laut Experte Möll wegen der gleichmäßigeren Temperaturen auf. Ein Großteil des Stromes verbrauchten E-Autos schließlich für Klima oder Heizung – zulasten der Reichweite. Grundsätzlich ergäben Ladepunkte vor allem dort Sinn, wo das Auto länger steht. Im statistischen Mittel tut es das 22,5 von 24 Stunden am Tag. In der Regel, so Experte Möll, sei das zu Hause – nur besäßen die wenigsten den erforderlichen Stromanschluss. Auf Platz zwei der Ruhepunkt-Statistik folgt der Arbeitsplatz. Mit Ladestationen könnten Firmen einen Beitrag zur »flächendeckenden Elektrifizierung« leisten und einen Anreiz zum Umstieg geben. Bei Bender habe das bereits erste Erfolge gezeitigt.

Doch eines, sagt Experte Möll, gelte es, prinzipiell zu beachten: »Die Lebensdauer der Batterien hängt nicht zuletzt von der Zahl der Schnellladungen ab.« Die brächten zudem oft nur so wenig Reichweite, »dass es nicht mal lohnt, das Kabel aus dem Kofferraum zu holen.« (tb/Fotos: tb)

Pilotprojekt

Acht Säulen für den Ostkreis

Dank des Sponsoring der Fa. Bender im Rahmen eines Förderprogramms des Landes sollen bald acht öffentliche Ladesäulen installiert werden: In Grünberg in der Tiefgarage Alsfelder Straße, in Laubach am »Hessenbrückenhammer« und in der Tiefgarage Wildemannsgasse, in Hungen an Marktplatz und -halle, in Lich in den Turmgärten und am Hessentagsbrunnen in der Heinrich-Neeb-Straße.

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