29. Mai 2017, 19:28 Uhr

Orchideen im Asselbachtal

29. Mai 2017, 19:28 Uhr
Geschützte Orchideen: Ein breitblättriges Knabenkraut im Asselbachtal. (Foto: tma)

Es lag einiges im Argen, als Holger Brusius vom Forstamt Wettenberg vor gut sechs Jahren die Zuständigkeit für das Naturschutzgebiet »Asselbachtal bei Wißmar« übernahm. Die reichen Orchideenvorkommen waren zurückgegangen, einige Bereiche waren verbuscht. In den vergangenen Jahren wurden dort viele Maßnahmen umgesetzt, um dem Kleinod wieder zu einer sprichwörtlichen Blüte zu verhelfen: Der Blüte vieler Orchideen, um genau zu sein.

Entlang des Weges auf der Nordseite wurden die Hecken beseitigt, für Besucher öffnet sich wieder ein hübscher Blick ins Tal. Aus der Bevölkerung kamen viele Rückfragen dazu, sodass der Obst- und Gartenbauverein und das Regierungspräsidium Gießen (RP) die Informationsveranstaltung organisierten.

Gebiet 1997 ausgewiesen

Im Rahmen der naturkundlichen Führung gab neben Brusius auch Gutachter Günter Schwab Informationen zum Naturschutzgebiet. Mit dabei waren auch Andreas Stroh, einer der Bewirtschafter der Wiesen, und der ehrenamtliche Betreuer Hans Karpenstein.

Das Gebiet wurde 1997 ausgewiesen. Schutzgründe sind laut der Verordnung das naturnah strukturierte Bachtal mit temporären Kleingewässern, verschiedenen Grünlandgesellschaften, Großseggenried und Laubwald, wie Brusius erläuterte. »Diese Lebensräume sind durch menschliche Nutzung entstanden«, betonte er, »denn natürlicherweise hätten wir hier Auwald mit Erlen.« Die Existenz der Magerrasen und der Orchideenvorkommen sei daher an die Bewirtschaftung gebunden. Sowohl eine Nutzungsaufgabe als auch eine falsche oder intensivere Nutzung würden die Schutzziele gefährden. Schwab gab Erläuterungen zu den Pflanzenvorkommen. Besonderheiten seien die Magerrasen an den Hängen mit Heilziest sowie die Vorkommen des stattlichen und des breitblättrigen Knabenkrauts.

»Wir haben darüber hinaus recht artenreiche Wiesen mit 40 bis 45 verschiedenen Pflanzenarten«, sagte er. »Es handelt sich um magere Glatthaferwiesen, die bis weit über 60 Pflanzenarten enthalten können.« Wichtig sei eine angemessene Nutzung: je nach Bestandsdichte und Witterung ab Mitte Juni mähen sowie etwa acht Wochen später den zweiten Aufwuchs nutzen. Von der Entbuschung profitieren die Wiesen und auch die Orchideen.

Für das Gebiet gilt ein Betretungsverbot abseits der Wege. Einen illegalen Trampelpfad wolle man mit einem Weidezaun in die Schranken weisen. »Auf solchen wertvollen Wiesen zählt jeder Quadratmeter«, sagte Brusius. Der Zaun diene zudem der Bewirtschaftung der Flächen, so Brusius weiter. Er betonte zudem, dass es sinnlos sei, die unter Naturschutz stehenden Orchideen auszugraben: »Die brauchen bestimmte Bodenverhältnisse. Alle Versuche, Orchideen in Gärten umzupflanzen, scheitern.«

Ein weiterer Aspekt war das Einbringen von Gartenabfällen und die Bekämpfung sogenannter Neophyten. »Das sind eingeschleppte Pflanzenarten aus anderen Ländern, die sich hier ausbreiten können, die heimische Flora verfälschen und auch gefährlich sein können.« Beispielsweise der Riesenbärenklau, dessen Pflanzensaft bei Hautkontakt und Lichteinwirkung Verbrennungen hervorrufe. »Dank unseren Bewirtschaftern Nils Schwantes und Andreas Stroh haben wir den Bärenklau hier gut im Griff«, so Brusius. Er sieht durchaus einen Zusammenhang mit dem Vorkommen des Bärenklaus und anderer Pflanzen im NSG mit dem illegalen Abladen von Gartenabfällen. »Diese sollten immer ordnungsgemäß entsorgt und nie in die freie Landschaft gebracht werden.«

Letzter Exkursionspunkt war die Baumaßnahme am oberen Ende des Tals. Hier wurden unlängst kaskadenartig Becken angelegt, die das Regenwasser aus dem angrenzenden Baugebiet dämpfen sollen. Ulrike Brockerhoff erläuterte, dass die Entwässerung des Gebietes in den Asselbach vor vierzig Jahren ungenehmigt gebaut wurde. Da bei Niederschlägen große Mengen Wasser in den Bach kamen, war dessen Bachbett teilweise bis 2,5 Meter tief ausgespült. »Hier musste dringend etwas getan werden.« Allerdings zeigen sich bereits nach wenigen Monaten in den neu gebauten Rückhaltebecken starke Erosionserscheinungen. Das RP wolle auf die Gemeinde zugehen, um den weiteren Umgang mit der Problematik abzustimmen.

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