19. Mai 2016, 09:43 Uhr

Oma bringt die Drogen

Gießen (sha). Besuch von der Großmutter ist immer schön. Vor allem weil sie ja oft auch Geschenke mitbringt, freut man sich auf ihre Ankunft. Die »Oma«, die Ende November vergangenen Jahres in einer Kommune im Osten des Landkreises vorbeischaute, ließ sich ihr Geschenk jedoch teuer bezahlen: »Oma – 24 750« stand in einem Notizbuch des Angeklagten.
19. Mai 2016, 09:43 Uhr
Unter anderem große Mengen Ecstasy-Tabletten hat der Angeklagte in seiner Wohnung gebunkert. (Symbolfoto: dpa) (Foto: Red)

Die Siebte Große Strafkammer des Gießener Landgerichts unter Vorsitz von Richter Heiko Söhnel geht davon aus, dass es sich hierbei um einen Betrag in Euro handelt. Immerhin ließ sich die alte Dame – laut Ermittlern eine Holländerin von über 70 Jahren – nicht lumpen: Nur wenige Tage nach dem Treffen im Spätherbst konnten Kriminalbeamte am 5. Dezember auf einem Supermarktparkplatz ein größeres Drogengeschäft vereiteln (die GAZ berichtete). Der 44-jährige Angeklagte hatte von einem Lieferanten der betagten Niederländerin gerade ein knappes Kilo Amphetamin sowie 28 Gramm Kokain in Empfang nehmen wollen, als die Ermittler zuschlugen. Sie waren durch abgehörte Telefonate auf das Trio aufmerksam geworden. Das herbstliche Treffen in einem Restaurant, bei dem der 44-Jährige mutmaßlich das Geld übergab, hatten Polizisten observiert.

Die geschäftstüchtige Seniorin saß am Mittwoch nicht auf der Anklagebank. Gegen sie wird in einem gesonderten Verfahren ermittelt. Ihr 54-jähriger Lieferant hatte bereits zum Prozessauftakt über seinen Verteidiger erklären lassen, dass er lange krank und in Geldnot gewesen sei, als er die alte Dame per Zufall kennenlernte. Die habe ihm Geld für Lieferfahrten geboten, bei denen er schon vermutete, dass es um »illegale Medikamente oder Drogen« gehen könnte, hatte der gelernte Fliesenleger, ein gebürtiger Holländer, eingeräumt.

Der jüngere Angeklagte hatte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen geäußert. Am Mittwoch gab jedoch auch sein Verteidiger eine Erklärung ab: Demnach konsumiert der 44-Jährige »seit Jahren Drogen unterschiedlichster Art«, sei aber selbst nicht abhängig. Auslöser soll eine Krebserkrankung des Mannes sein. Er habe das Rauschgift genommen, um Schmerzen zu lindern und Depressionen zu unterdrücken. Bei Feiern mit Freunden und Bekannten in seiner Wohnung seien auch immer viele Drogen konsumiert worden. Aufgrund seiner »vielen Kontakte« habe der Vater dreier Kinder die Drogen für seine Kumpel besorgt – sie jedoch »zum Einkaufspreis abgegeben«, wie der Verteidiger betonte.

Orientiert an dem, was Ermittler noch am Tag der Festnahme in der Wohnung des Mannes fanden, konnten dessen Bekannte aus einem großen Fundus verschiedenster Rauschgifte wählen: kiloweise Cannabis, weit über 1400 Ecstasy-Tabletten, dazu etliche Pilze sowie Amphetamin und Kokain.

Ungünstig für den 44-jährigen Kreis-Gießener: Die Ermittler fanden in seiner Wohnung auch eine Gaspistole sowie eine Machete mit einer 18 Zentimeter langen Klinge und ein »Bowie-Messer«. Bewaffneter Drogenhandel wird allerdings mit mindestens fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet. Sein Mandant habe diese Waffen jedoch »nie für den Drogenhandel bereitgehalten, mitgeführt oder eingesetzt«, betonte Verteidiger Ramazan Schmidt. Im Gegenteil: Es handele sich um teils handelsübliche Ware aus Supermärkten, mit denen der Angeklagte seine Campingausrüstung ergänzt habe. Der Prozess wird fortgesetzt.

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