08. Juni 2017, 10:00 Uhr

Freibad

Ohne Badeaufsichten bleiben die Freibäder zu

Immer weniger junge Leute sind bereit, als Badeaufsichten zu arbeiten. Das hat Konsequenzen für die Badegäste. Ein Problem, das nicht nur Holzheim betrifft.
08. Juni 2017, 10:00 Uhr
Marlene (l.) und Jula wagen den Sprung ins kühle Nass. (Foto: chh)

Freitagmittag, kurz vor 14 Uhr: Die ersten Gäste des Holzheimer Schwimmbads trudeln ein. Jung und Alt, Groß und Klein warten auf den Beginn der Freibadsaison. Wenige Augenblicke später wird das Tor geöffnet. Eine Gruppe Jugendlicher zieht es direkt zum Volleyballfeld, die jüngeren Besucher eilen zum Becken. Ein älterer Herr hingegen ist nicht auf Abkühlung aus. Er schnappt sich einen Rechen und reinigt den Rasen. Fördervereinsvorsitzende Regina Thimm lächelt zufrieden: »So sind die Holzheimer. Alle packen mit an.«

Gäste und Helfer hat das Schwimmbad also genug. Was fehlt, sind Badeaufsichten. Auf der Facebook-Seite des Schwimmbads haben die Verantwortlichen lange nach Aushilfen gesucht, auch in der Gießener Allgemeinen starteten sie einen Aufruf. Immer wieder verbunden mit dem Hinweis, dass das Bad ohne ausreichend Aufsichtspersonal für einige Tage geschlossen bleiben müsse. »Zum Glück haben wir auf den letzten Drücker noch drei Personen gefunden«, sagt Thimm. Im Juni gebe es noch zwei kritische Tage, der Juli sei hingegen abgedeckt. Brenzlig könnte es aber noch einmal im August werden.

Wenn man in der Gastronomie 15 und als Badeaufsicht nur 10 Euro bekommt, ist die Entscheidung schnell gefallen

DLRG-Vorsitzender Sack

Fehlende Badeaufsichten sind aber nicht nur in Holzheim ein Problem. In Grünberg beispielsweise misslang es, die frei gewordene Schwimmmeister-Stelle zu besetzen, ähnliche Probleme gab es auch im Hallenbad Mücke. Und im Licher Waldschimmbad wehte im vergangenen Sommer für einige Tage die rote Fahne, wegen fehlender Aufsichten herrschte Badeverbot. Dieses Jahr sind die Aussichten aber besser, sagt der Fördervereinsvorsitzende Joachim Siebert: »Wir haben durch die große Medienpräsenz im vergangenen Jahr eine fest angestellte Aufsicht gefunden. Allerdings kostet uns das natürlich auch viel Geld.« Mit dem festen Schwimmmeister sind aber nicht alle Probleme behoben, betont Siebert. An heißen Tagen oder bei Veranstaltungen seien bis zu vier Aufsichten nötig. Daher suche man permanent nach Aushilfskräften. »Wir greifen dann häufig auf Studenten zurück.«

Doch auch die sind immer seltener bereit, in der Freizeit im Schwimmbad zu jobben. Der Vorsitzende der DLRG Gießen, Alexander Sack, kennt die Gründe: »Wenn man im Gastronomiebereich 15 Euro und als Badeaufsicht nur 10 Euro bekommt, ist die Entscheidung meist schnell gefallen.« Hinzu komme die Verantwortung. Früher hätten die Aufsichten zusammen mit dem Schwimmmeister gearbeitet, quasi in unterstützender Funktion. Heute seien die Aushilfen häufig alleine im Dienst. Auch die Anforderungen seien eine Hürde, sagt Sack: »Die meisten Schwimmbäder verlangen das DLRG-Abzeichen in Silber. Für Bäder wie in Holzheim, wo es nur ein nicht mal zwei Meter tiefes Becken gibt, würde wahrscheinlich aber auch Bronze reichen.« Durch geringere Anforderungen würde sich die Zahl der potenziellen Aufsichten auf einen Schlag verdoppeln, sagt Sack. »Vergangenes Jahr haben bei uns rund 100 Leute das Abzeichen in Bronze gemacht, aber nur 50 das Silberne.«

Das Wettenberger Schwimmmeister-Urgestein Michael Törner sieht das ein wenig anders: »Wenn neben der Aufsicht ein Schwimmmeister vor Ort ist, mag Bronze reichen. Wenn es aber um selbstständige Aufsichten geht, sollte das silberne Abzeichen vorhanden sein.« Einen Engpass wie in vielen anderen Bädern gebe es im Krofdorfer Freibad aber nicht. »Ich verfüge über ausreichend Rettungsschwimmer, die ich bei Bedarf einsetzen kann.« Törner sagt aber auch: »Es wird immer schwieriger, qualifiziertes Fachpersonal zu bekommen.« Das liege unter anderem daran, dass viele Studenten heute finanziell besser ausgestattet seien als früher. Viele müssten nicht mehr nebenbei arbeiten, um über die Runden zu kommen.

Eine Beobachtung, die auch Regina Thimm in Holzheim gemacht hat. Hinzu kommt: Da hier keine Vollzeitkraft wie in Wettenberg aktiv ist, werden umso mehr Aufsichten benötigt. »Wir haben einen Pool von sechs bis acht Leuten. Wenn im Schwimmbad viel los ist, recht eine Aufsicht nicht aus.« Um potenzielle Kräfte zu gewinnen, zahlt der Verein auch ein Schlechtwettergeld. Thimm: »Das macht es für die jungen Leute ein bisschen attraktiver.«

Aber vielleicht lockt den ein oder anderen ja auch das Arbeitsumfeld. Bei schönem Wetter im Freien arbeiten, Kontakt mit Menschen pflegen und ab und an ins kühle Wasser springen. Die Gastronomie kann das nicht bieten.

Badeaufsichten gesucht

Bäder freuen sich über Helfer

Wer das Team des Holzheimer Schwimmbads unterstützen will, kann sich per E-Mail (vorstand@schwimmbad-holzheim.de) an den Förderverein wenden. Pro Stunde gibt es zehn Euro, eine Pauschale bei schlechtem Wetter wird bezahlt. Das silberne Rettungsschwimmabzeichen, ein Erste-Hilfe-Kurs (beides nicht älter als zwei Jahre) und die Volljährigkeit sind Voraussetzungen. Auch andere heimische Freibäder freuen sich auf Helfer. Eine anderweitige Tätigkeit ist übrigens kein Hinderungsgrund. Auch wenn im Arbeitsvertrag festgehalten ist, dass Nebenverdienste nicht zugelassen sind, dürfen die Interessierten in den Bädern arbeiten. Darauf weißt Joachim Siebert vom Licher Waldschwimmbad hin. »Schwimmbäder sind in der Regel gemeinnützige Einrichtungen. Und dort darf jeder eine gemeinnützige Tätigkeit ausüben.«

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