Kreis Gießen

Notgruppen und Wartelisten

Eindeutige Belege für einen erheblichen Ausbaubedarf bei den Kindertagesstätten - und das für jede Kommune - enthält eine Auswertung, die der Fachdienst Kinder- und Jugendhilfe beim Landkreis mit den Kommunen erstellt hat. Allerdings, so schicken die Mitarbeiter vom Team »Kindertagesbetreuung« voraus: Seit Inkrafttreten des Hessischen Kinderförderungsgesetzes (KiFöG) 2014 verfüge man nicht mehr über konkrete Zahlen zur Belegung der Kitas. Also geht auch in die jüngste »Bestandsanalyse 2018« nur die »maximale Rahmenkapazität« ein. Die tatsächliche Belegung aber hängt von Zahl und Alter der aufgenommenen Kinder ab.
30. Juli 2019, 21:17 Uhr
Thomas Brückner

Eindeutige Belege für einen erheblichen Ausbaubedarf bei den Kindertagesstätten - und das für jede Kommune - enthält eine Auswertung, die der Fachdienst Kinder- und Jugendhilfe beim Landkreis mit den Kommunen erstellt hat. Allerdings, so schicken die Mitarbeiter vom Team »Kindertagesbetreuung« voraus: Seit Inkrafttreten des Hessischen Kinderförderungsgesetzes (KiFöG) 2014 verfüge man nicht mehr über konkrete Zahlen zur Belegung der Kitas. Also geht auch in die jüngste »Bestandsanalyse 2018« nur die »maximale Rahmenkapazität« ein. Die tatsächliche Belegung aber hängt von Zahl und Alter der aufgenommenen Kinder ab.

Laut Bestandsanalyse gab es Ende 2018 im Kreisgebiet (außer Stadt Gießen) 8204 Plätze in Kitas sowie 411 in der Tagespflege. 1267 davon waren von unter Dreijährigen belegt, in der Tagespflege gar 302 - ein Plus von 98 im Vergleich zum Vorjahr und ein weiterer Beweis für eine immer frühere Anmeldung.

Erwähnten Ausbaubedarf belegt auch dies: Erstmalig waren gleich zu Beginn des Kita-Jahres 2018 in sieben Kommunen - Allendorf, Fernwald, Lich, Linden, Lollar, Rabenau, Staufenberg - sämtliche Plätze belegt. »Um dem dringendsten Bedarf nachzukommen«, so der Fachdienst, »mussten Notgruppen eröffnet und Ausnahmegenehmigungen zur Überbelegung von Gruppen erteilt werden.« In elf Kommunen gab es Wartelisten, erhielten zuziehende Familien - auch für Ü3-Kinder - in der Regel keinen Betreuungsplatz. Wesentlich für eine Prognose sind naturgemäß die Geburtenzahlen: In Biebertal, Buseck, Langgöns und Laubach ist die Zahl an Jungen und Mädchen ab einem Lebensjahr »stark schwankend«. Immerhin decke dort das Angebot den Bedarf, die weitere Entwicklung aber müsse beobachtet werden, mahnen die Fachleute beim Kreis.

Mehr Geburten - mehr U-Plätze

Für Allendorf, Heuchelheim, Reiskirchen und Wettenberg wird eine »steigende Tendenz« bei den Geburten festgehalten. Also gelte es dort, weitere Betreuungsangebote zu planen. Nicht nur eine »Tendenz«, sondern ein erheblicher Zuwachs an neuen Erdenbürgern wird für Grünberg, Hungen, Lollar, Pohlheim, Rabenau und Staufenberg ermittelt. Aufgrund des damit hohen Bedarfs an U3-Plätzen bestehe dort »dringender Ausbaubedarf bis hin zu neuen Einrichtungen.«

Für Fernwald, Lich und Linden weist die Erhebung »stark steigende oder aufgrund von Baugebieten zu erwartende hohe Kinderzahlen« aus. Wiederum ob der daher hohen U3-Nachfrage seien neue Einrichtungen »extrem dringend zu schaffen«.

Keine Lösung, das macht der Kreis im Weiteren klar, sei die Tagespflege. Gehe doch die Zahl der »Anbieter« - zum Ende des Vorjahres 90 - ständig zurück. Zwar mehr und mehr nachgefragt, böten diese keine langen Betreuungszeiten an. Nur vereinzelt würden heute Ü3-Plätze gesucht, zumeist wenn die Betreuungszeit in festen Einrichtungen nicht ausreiche oder zwecks Überbrückung bis zur Aufnahme. Dank der Qualifizierungen entstünden zwar alljährlich neue, vor allem U3-Plätze, im Gegenzug aber gäben immer mehr Anbieter ihre Tätigkeit auf. Von den kreisweit 411 Plätzen waren im Vorjahr 329 belegt. Fazit des Landkreises: »Dieses Betreuungsangebot ist nie genau kalkulierbar.«

Der Kreis allerdings macht an dieser Stelle auf ein neues Modell der AWO Gießen aufmerksam: In deren Pflegestellen werden seit Jahresbeginn 1,5 Personen für fünf Kinder abhängig beschäftigt. Die ersten Angebote gibt es in Biebertal (zwei) und Linden.

Das Fazit der Bestandsanalyse 2018: Bei einem Anstieg der »U3-Bedarfsquote« - statt für 59,57 Prozent 2017 wurde für 61,64 Prozent der Ein- bis Dreijährigen ein Platz nachgefragt - und bei steigenden Kinderzahlen könne im Landkreis »nicht allen Jungen und Mädchen eine bedarfsgerechte Betreuung« zur Verfügung gestellt werden. »Insgesamt gesehen besteht weiterhin dringender Handlungsbedarf.«

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-Notgruppen-und-Wartelisten;art457,614880

© Giessener Allgemeine Zeitung 2016. Alle Rechte vorbehalten. Wiederverwertung nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung