11. März 2019, 22:03 Uhr

Noch schlimmer als »Kyrill«

11. März 2019, 22:03 Uhr

Laubach (tb/pm). Im Sommer feiert die Stadtwaldstiftung Laubach ihr 20-jähriges Bestehen (die GAZ berichtete). Die Feierlaune aber wird getrübt durch neue Zahlen zu den Folgen der im Vorjahr extremen »Kalamitäten«: Mehr als 17 000 Kubikmeter Schadholz sind bisher durch den Sturm »Friederike« und die sommerliche Trockenheit angefallen. »Und ein Ende ist noch nicht in Sicht«, wie der Forstdienstleister KB Forst soeben Vorstand und Kuratoriums der Stadtwaldstiftung kundtat. Die Ausfälle seien bedeutsamer als die Folgen des Trockenjahres 2003 oder des Orkans »Kyrill« 2007.

Die Bilanz für das im Herbst endende Forstwirtschaftsjahr 2018 fällt mit einem Ergebnis von knapp 400 000 Euro sehr positiv aus. Zumal dieser Betrag trotz hoher Rückstellungen für Wiederaufforstungen und deren Pflege erreicht worden sei. Die Rücklage wurde laut KB Forst um 150 000 Euro erhöht, um für die kommenden Jahre gewappnet zu sein.

Wie der Bewirtschafter unterstrich, habe man großen Wert darauf gelegt, das Schadholz schnell aufzuarbeiten und zügig zu noch auskömmlichen Preisen auf den Markt zu bringen. »Schnelles Handeln und rasche Abfuhr verhinderten zuverlässig Qualitätsverluste und noch größere Schäden durch den Borkenkäfer.« Allerdings sei die Kapazität der nadelholzverarbeitenden Industrie inzwischen ausgereizt, neue Verträge nur über empfindliche Preiszugeständnisse realisierbar. Das laufende Forstwirtschaftsjahr bestätige im Übrigen, »dass diese Strategie absolut richtig war«. Schließlich kenne der Preis für Nadelstamm derzeit nur noch eine Richtung – nach unten, so Kuratoriumsvorsitzender Dr. Jens Borchers. In einigen Sortimenten seien inzwischen sogar die Erntekosten nicht mehr zu erwirtschaften.

Vor »Ausschüttungsdruck« gewarnt

Ganz anders sei die Situation beim Laubholz. Besonders die Buche sei sehr gefragt und erziele höhere Erlöse als im Vorjahr. Auch Brennholz erfreue sich einer verstärkten Nachfrage. Infolge dessen sei das geplante Jahresergebnis für 2019 zu halten, vermutlich sogar mit weiteren Überschüssen aus der Kalamität. Dennoch zeige auch die Buche bereits Schäden durch die letztjährige Trockenheit, die weiter beobachtet werden müssten. Damit einhergehend sei jedoch auch ein Verlust an Vorräten in den Fichtenbeständen zu beklagen, die in Zukunft die Ergebnisse schmälern würden. Borchers warnte daher eindringlich, »politische Dauerschuldverhältnisse« zu begründen und die Stadtwaldstiftung unter Ausschüttungsdruck zu setzen. Dies gehe zulasten der Nachhaltigkeit und widerspreche damit dem Grundsatz des Vermögenserhalts der Stiftung. Man müsse sich auf magere Jahre einstellen. Der Bewirtschafter wurde beauftragt, ein »Worst-Case-Szenario« erstellen, um auch die finanziellen Folgen der derzeitigen Schäden abschätzen zu können.

Da jetzt die Wiederbewaldung der freien Flächen anstehe, mahnte der Bewirtschafter, sei umso mehr auf die Bejagung des Wildes zu drängen. Ansonsten blieben die Kulturen viele Jahre länger in der Jungwuchsphase, was den Pflegeaufwand erhöhte. .

Wie es abschließend hieß, werde die Stadtwaldstiftung sei weiter um Arten- und Biotopschutz bemühen. So sei geplant, alte Bäume aus der Nutzung zu nehmen und ihren Erhalt zu fördern. Auf trockenen Standorten sollen zur Bestockungssicherung wärmeliebende Sonderbaumarten, Elsbeere, Esskastanie oder nd Feldahorn, angepflanzt werden. Beide Maßnahmen sollen mittels Ökopunkten ausgeglichen bzw. aus Naturschutzmitteln finanziert werden. Es sei auch angedacht, solche Bäume als Patenschaften zu vergeben, etwa bei Hochzeiten, Jubiläen etc.

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