07. Mai 2019, 22:15 Uhr

Neues Schulgebäude: Anwohner hegen Bedenken

In Alten-Buseck mangelt es an Räumen für Kita- und Grundschulkinder. Gegen einen Neubau für beide Zwecke regt sich nun aber Widerstand. Anwohner fürchten mehr Verkehr - und machten ihrem Unmut am Montag Luft.
07. Mai 2019, 22:15 Uhr

Dass dieser Tagesordnungspunkt für solches Aufsehen sorgen würde, dürfte auch einige Parlamentarier überrascht haben: Der Busecker Bauausschuss hatte am Montag einen Aufstellungsbeschluss auf dem Tisch. Es ging darum, den Bebauungsplan im Bereich des Bolzplatzes (»Roter Platz«) gegenüber der Grundschule in Alten-Buseck zu ändern. Das Areal soll so umgewidmet werden, dass dort ein Kita- und Schulneubau errichtet werden kann.

Hintergrund ist eine angedachte Kooperation des Landkreises als Schulträger und der Gemeinde: Der Kreis hatte, wie Bürgermeister Dirk Haas (SPD) erläuterte, angefragt, ob eine dringend nötige Erweiterung der Hofburgschule auf dem gegenüberliegenden Grundstück der Gemeinde möglich sei.

Es entstand die Idee, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Die Kommune könnte als Bauherr ein neues Gebäude errichten, dass auch Raum für Kita-Gruppen bietet, und dann einen Teil des Gebäudes an den Kreis vermieten, um Klassenräume vorzuhalten (die Gießener Allgemeine berichtete).

»Wir haben extremen Zeitdruck«, sagte Haas, denn ab dem kommenden Schuljahr müssten angesichts steigender Schülerzahlen ein bis zwei Klassenräume neu geschaffen werden. Auch Kita-Plätze würden dringend gebraucht. Außerdem sei die Fördersituation zurzeit sehr günstig: Das Bauprojekt könnte laut Haas mit insgesamt 500 000 Euro vom Land bezuschusst werden. Dafür müsste es allerdings noch in diesem Jahr einen Spatenstich geben. Ob die Förderung in dieser Höhe noch über 2019 hinaus möglich wäre, sei fraglich.

Mit genaueren Informationen, etwa zum pädagogischen Konzept der parallelen Nutzung, konnte Haas dem Ausschuss am Montag nicht dienen. Ein Gespräch sei seitens des Landkreises kürzlich verschoben worden. Doch es sei wichtig, nun den Aufstellungsbeschluss zu fassen, damit die Detailplanung beginnen könne und eine Realisierung noch in diesem Jahr möglich sei. Dann gebe es noch ausreichend Gelegenheit, Argumente auszutauschen.

Im Ausschuss stieß dieser Vorschlag teils auf Skepsis. Frank Müller (CDU) sagte, man müsse vor einem Beschluss noch mehr über die Planung erfahren. Auch sei fraglich, ob der Schulstandort auch auf lange Sicht zukunftsfähig, eine Erweiterung dort überhaupt sinnvoll sei. Kai Bolte (FW) war der Ansicht, dass im Bereich des Schulgeländes noch ausreichend Platz für Erweiterung sei, was der Bürgermeister bestritt. Auf dem Roten Platz werde »jeden Tag gebolzt« und der Kreis könne auch in Eigenregie ein Grundstück erwerben, sagte Bolte.

Von der FW-Fraktion wurde Katharina Habenicht (Grüne) um eine Einschätzung gebeten. Sie leitet das Büro der Kreisschuldezernentin und äußerte sich vor allem allgemein: Anders als ursprünglich prognostiziert »explodierten« die Schülerzahlen überall. Der Bedarf an Kapazitäten steige, auch für Nachmittagsbetreuung und Büros würden vermehrt Räume gebraucht. Habenicht: »Es sind unsere Kinder - und die müssen irgendwo untergebracht werden.« Der Schulstandort sei sehr wohl zukunftsfähig - »oder sollen wir eine Schule auf der grünen Wiese bauen?«.

Am entschiedensten äußerte eine Gruppe Kritik, die im Ausschuss kein Rederecht hat: Einige Anwohner waren bei der Sitzung dabei und hatten einen Fragenkatalog mitgebracht. Sie erreichten eine Unterbrechung, um ihre Bedenken vortragen zu können. Man sei nicht grundsätzlich gegen eine Erweiterung. Die Straße vor der Schule sei aber ohnehin eng, »wir leben schon mit dem Bus und den Eltern, die dort wild parken«, sagte eine Anwohnerin. Hinzu komme im Falle des Neubaus, dass Eltern ihre Kinder in der Kita persönlich übergeben müssten - und die allermeisten kämen nunmal mit dem Auto. Man befürchte zusätzlich »vorneweg 20 Autos zu den Stoßzeiten«. Willy Jost (SPD) bezweifelte diese Zahl. Das Neubau-Konzept sei vernünftig. »So billig kriegen wir nie wieder einen Kindergarten«, ergänzte sein Parteigenosse Norbert Weigelt.

Die Diskussion zwischen Anwohnern und Kommunalpolitikern wurde hitziger. Haas wollte schließlich »keine Antworten mehr geben, wenn ich unterbrochen werde«. Am Ende stimmte der Ausschuss mehrheitlich für den Aufstellungsbeschluss - bei einer FW-Gegenstimme und Enthaltungen von CDU und FW.

Am Donnerstag steht das Thema auf der Tagesordnung der Gemeindevertretung. Es könnte wieder eine Sitzung mit viel Publikum werden. (Archivfoto: vrk)

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