21. Januar 2019, 21:38 Uhr

Neue Klänge in der Kirche St. Marien

21. Januar 2019, 21:38 Uhr
Michael Gilles reizt die Möglichkeiten der Digitalorgel aus. (Foto: siw)

Von energiegeladenen Interpretationen bis zu zarten Klangverwehungen: Michael Gilles, Regionalkantor des katholischen Dekanats Gießen, gab am Sonntagnachmittag in der katholischen Kirche von »Sankt Marien« ein Orgelkonzert.

Bereits beim perfekt ausbalancierten Eröffnungsstück »Präludium und Fuge in c-mol BWV 549« von Johann Sebastian Bach wurden die Erwartungen der Besucher an den versierten Musiker und an die neue Orgel übertroffen. Bereits vor sieben Jahren war der Austausch der vor einem halben Jahrhundert von der Pfarrgemeinde »St. Thomas Morus« in Gießen übernommenen Kreienbrink-Orgel beschlossen worden. Erste Spenden dafür wurden damals schon gesammelt, doch dann kam die kostenintensive Sanierung des Pfarrsaals dazwischen.

Wie so oft im Leben, wendet sich am Ende das vermeintlich Schlechte zum Guten: Die Technik der digitalen Orgeln ist inzwischen weit fortgeschritten, sodass der Pfarrgemeinderat nach reiflicher Prüfung einer günstigeren Variante den Vorzug gab und anstelle einer 200 000 Euro teuren Pfeifenorgel eine digitale und gut ausgestattete Kisselbach-Orgel kaufte.

Orchesterklänge aus der Orgel

Aus ihr »kitzelte« Organist Gilles Klangfarben heraus, wie man sie von einer gewöhnlichen Orgel nicht kennt: Glockenschläge, sphärische Töne auf dunklem Klangfundament. Mitunter konnte man meinen, Harfen und weitere Instrumente zu hören. Doch die orchestralisch anmutende Musik kam einzig und allein aus den beiden drei Meter hohen Lautsprechern der digitalen Orgel. Im dezenten weiß-beige gehalten und mit Rundbögen versehen, umrahmen sie die drei farbenprächtigen Empore-Fenster.

Gilles gab mit Gespür für das richtige Tempo und einer satten Portion Leidenschaft für die Musik ein weiteres Werk von Bach (»Air«), das »Rondo alla celtica« vom zeitgenössischen Komponisten Hans-André Stamm und drei Auszüge aus der ersten Orgel-Sonate des französischen Komponisten Alexandre Guilmant. Zwischendurch übte er mit den Gästen den Gesang von zwei bislang wenig bekannten Gotteslob-Liedern ein.

Dagmar Reinl vom Pfarrgemeinderat dankte dem Musiker. Dem Wunsch nach einer Zugabe kam Gilles gerne nach. In einem strahlenden D-Dur kam die Fanfare von Jacques Nicolas Lemmens daher, um nach einem ruhigen Mittelteil im Tutti, also im vollen Werk, mit der größtmöglichen Auswahl von gemeinsamen spielbaren Registern abzuschließen. Mit dieser Fanfare, die gerne zu Hochzeiten gespielt wird, ging das Konzert unter Beifall zu Ende.

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