04. April 2017, 19:51 Uhr

Nachsitzen der etwas anderen Art

04. April 2017, 19:51 Uhr
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Von Erik Scharf
Die Skater testen auf dem Schulparkplatz ihre Fähigkeiten auf den Rollbrettern.

Sobald die Ferien beginnen, wollen Schüler von der Schule normalerweise nichts mehr wissen. 78 Jungs zwischen 10 und 16 Jahren bilden nun aber die Ausnahme. Für sie führte der Weg am gestrigen Dienstag nicht an die heimische Spielkonsole, sondern in die Licher Dietrich-Bonhoeffer-Schule. Im Rahmen der Jungenaktionstage der Arbeitsgemeinschaft Jungenarbeit und vom Jugendbildungswerk des Landkreises Gießen stehen dort zwei Workshop-Tage inklusive Übernachtung auf dem Programm.

Das Angebot für die Jugendlichen bietet ein breites Spektrum. Im Computer-Workshop blicken sie auf den technischen Aufbau eines Rechners. Dass der Workshop in einer Schule stattfindet, stört sie dabei wenig. »Das ist ja nicht wirklich wie Schule. Das ist viel cooler«, stellt der 12-jährige Simon unmissverständlich klar, nachdem er sich über die Leistungsstärke von Grafikprozessoren erkundigt hat.

Einige Räume weiter kommt Farbe ins Spiel. Im Graffiti-Kurs gestalten die Jungs eigene Motive, zunächst noch mit Buntstiften auf Papier. Bevor die Sprühdosen zum Einsatz kommen, vermittelt Kursleiter Ralf Hajdu erst einmal die Grundlagen. So zum Beispiel das Tragen einer Mundschutzmaske. Schließlich soll zum Wiederbeginn der Schule nach den Osterferien keiner fehlen.

Kreativität ist auch beim Waldritter-Projekt gefragt. Hier schlüpfen die mutigen Schüler in die Rollen von Fantasiewesen wie Orks und Elfen und lösen in Live-Rollenspielen magische Rätsel.

In der Holzwerkstatt ist dagegen Vorsicht geboten. Wer nicht aufpasst, wird schnell von einem der herumfliegenden Boomerangs getroffen. »Normalerweise bastele ich nicht gern, aber ich wollte schon immer einen Boomerang bauen«, sagt der 10-jährige Marc. Bei den Aktionstagen könne er mehr erleben als im normalen Schulalltag. Deshalb kommt er auch in den Ferien gerne in die Schule.

Das wohl lauteste Projekt findet im Keller statt. Zwei Sänger, zwei Schlagzeuger, zwei Gitarristen und ein Bassist üben »Einer von 80 Millionen« von Max Giesinger ein. Als Bandleiter Peter Busch sein neues Ensemble befragt, wer denn schon in einer Band aktiv gewesen sei, hebt nur ein Bandmitglied den Finger. Doch genau darum geht es bei dem Projekt: »An den Aktionstagen können die Jungen neue Erfahrungen in für sie vielleicht völlig neuen Bereichen sammeln«, sagt Hans-Peter Stock, Jugenddezernent des Landkreises Gießen.

»Coole Jungs« fanden sich auf dem Gelände rund um die Schule. Zwölf Skater machten auf ihren Rollbrettern den Parkplatz vor dem Schulgebäude unsicher, anschließend erkundeten sie die Stadt auf Skateboards.

Die größte Gruppe war jedoch in der Erich-Kästner-Schule zugegen. Die Par-kour-Läufer überwinden dort Hindernisse auf verschiedenste Weisen.

Für den reibungslosen Ablauf tagsüber wie auch in der Nacht sorgen 13 Mitarbeiter, so Christian Rastert, Jugendpfleger der Stadt Lich und einer der drei Hauptorganisatoren. Die Jungenaktionstage erleben in diesem Jahr ihre neunte Auflage und haben damit inzwischen ihren festen Platz in der Angebotsstruktur für Jugendliche im Landkreis Gießen. »Pädagogische Jungenarbeit hilft dabei, dass sich Jungen mit gesellschaftlichen Fragen beschäftigen und über die Lebenssituationen von Jungen nachdenken«, sagt Stock. Peter Blasini, Schulleiter der Dietrich-Bonhoeffer-Schule, freut sich darüber, »dass nach zweimal Mädchenaktionstagen jetzt auch die Jungenaktionstage hier stattfinden«. Die Projekte werden am heutigen Mittwoch fortgesetzt und finalisiert.



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