24. Mai 2018, 05:00 Uhr

Bahnunglück

Nach Zugunglück: Forderung nach Sensoren, die bei blockiertem Gleis Alarm schlagen

In Gießen gibt es sie schon: Technik, die bei blockiertem Bahnübergang Alarm schlägt. Diese fordert nach dem schweren Bahnunfall Bürgermeister Dirk Haas auch für Buseck.
24. Mai 2018, 05:00 Uhr

Nach dem schweren Bahnunfall am Dienstag in Großen-Buseck sind die Aufräumarbeiten abgeschlossen. Seit Mittwochmorgen 4.30 Uhr rollt wieder der Bahnverkehr, jedoch kommt es hier ebenso wie auf der Zufahrt zum Industriegebiet noch zu Behinderungen: Weil die Signalanlagen fast vollständig zerstört sind, sichert ein Bahnmitarbeiter mit einer rot-weißen Girlande den Übergang, sobald ein Zug kommt. Während Bauarbeiter die zerstörten Schrankenanlagen abbauen, fordern der Fahrgastverband ProBahn sowie Busecks Bürgermeister Dirk Haas Konsequenzen.

 

Demolierte Schranken

 

Am Mittwochmittag lassen sich die Spuren des Unfalls in der Edekastraße noch deutlich erkennen. Verbogene Signale und zerfetzte Schranken sind Zeichen des heftigen Zusammenpralls. Einen Tag zuvor war hier ein Personenzug mit fast voller Geschwindigkeit – 100 Stundenkilometer sind an dieser Stelle erlaubt – in einen auf den Gleisen stehenden Lkw gefahren. Dabei wurden 13 Menschen verletzt, zwei davon schwer. Der Zugführer, ein 40-jähriger Mann aus dem Vogelsbergkreis, schwebt nach einer Notoperation nicht mehr in Lebensgefahr.

Der Fahrgastverband ProBahn fordert eine bessere technische Ausrüstung des Bahnübergangs, etwa mit Vollschranken. Langfristig solle eine andere Zufahrt zum Industriegebiet geprüft werden. »Vollschranken hätten uns am Dienstag nicht weitergebracht«, sagte Bürgermeister Haas. Schließlich habe der Lastwagenfahrer die Schranken nicht umfahren, sondern sei verbotener Weise auf den Gleisen stehen geblieben. »Die Aussage, dass der Bahnübergang den Richtlinien entspricht, stimmt. Die Aussage, dass die Straße sicher ist, stimmt auch«, sagte er. Jedoch gelte diese Sicherheit nur, solange kein menschliches Versagen ins Spiel komme.

 

Schaden: über eine Million Euro

 

Für den Zugführer war nicht erkennbar, dass der Bahnübergang blockiert ist. Aufgrund der langen Bremswege einer Bahn konnte er die Kollision nicht verhindern. Haas favorisiert eine Lösung ähnlich der am Bahnübergang Frankfurter Straße in Gießen: Hier erfassen Sensoren, ob noch stehende Fahrzeuge den Übergang blockieren. Erst sobald sie ihr Okay geben, schalten die Signale für den Zug auf Grün. Allein mit Blick auf die Schadenssumme vom Dienstag – die Bahnpolizei geht aktuell von über einer Million Euro aus – zahle sich die Investition in eine solche Technik aus. Zumal es sich um eine noch schwach besetzte Bahn handelte: »Wäre das zwei Züge vorher gewesen, hätte der Laster nicht Müll, sondern ein Betonteil geladen – es hätte Hunderte Verletzte und viele Tote gegeben«, mutmaßte Haas.

Bereits seit Jahren arbeite die Gemeinde Buseck zudem an Plänen für eine alternative Zufahrt zum Gewerbegebiet, erklärt der Bürgermeister. Es gibt acht Varianten – keine davon lässt sich kurzfristig umsetzen. Eine direkte Verbindung zur Bundesstraße 49 scheidet etwa aus, da hier eine lange und breite Rampe gebaut werden müsse, um den Höhenunterschied zwischen Industriegebiet und Straße auszugleichen. Da es sich um ein Naturschutzgebiet handelt, zudem notwendige Flächen bereits bebaut sind, ließe sich dies nicht umsetzen.

 

Neue Zufahrt schwer realisierbar

 

Eine neue Zufahrt nördlich der Edekastraße scheitert derzeit am Widerstand der Grundstücksbesitzer. Und eine neue Verbindung, die näher an der B 49 liegt, wäre ohne Bahnübergang auch nicht machbar. Würde man hier eine Brücke über die Bahn bauen wollen, würden Kosten in Millionenhöhe auf die Bahn zukommen.

Die Pressestelle der Deutschen Bahn wollte am Mittwoch zu dem Unfall keine Auskunft geben. Man warte zunächst die Untersuchungen der Bundespolizei ab. Auch wann die Signalanlagen repariert sind, ließe sich derzeit noch nicht abschätzen. »Die Bahnübergänge sind alle betriebssicher«, sagte der Pressesprecher. Zu Gesprächen mit der Gemeinde sei man bereit. Die Hessische Landesbahn war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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