Kreis Gießen

Nach »Land unter« 2018: So will Wettenberg die Hochwasser-Gefahr minimieren

Das nächste Hochwasser kommt bestimmt. In Wißmar reifen die Pläne für drei neue Regenrückhaltebecken. Bis sie realisiert werden, dauert es noch eine Weile. Aber es gibt eine weiter Option.
20. Februar 2019, 13:14 Uhr
Volker Mattern
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Noch helfen sich Anwohner mit Barrieren und Sandsäcken gegen eine nächste Überflutung. Um die Ortslage von sogenanntem Außengebietswasser zu schützen, ist der Bau von drei Regenrückhaltebecken im Gespräch. (Foto: so)

Auch wenn einem das Wasser noch nicht bis zum Halse steht – nasse Füße und die Schäden in der Wohnung durch Hochwasser sind schlimm genug und zerren am Nervenkostüm. Und selbiges ist gerade richtig dünn bei den Anliegern der Marburger Straße und dem angrenzenden Viertel, wie beispielsweise »Auf der Hohl« in Wißmar.

Mit Plakaten, Bannern und Transparenten machten sie ihren Hilferuf sichtbar. Ihre Verzweiflung und Wut äußerten sie auch nun bei einem Ortstermin. Die Mitglieder des Ausschusses für Bauen, Planen und Verkehr hatten sich in der Marburger Straße getroffen, um zu beraten, was an vorbeugenden Maßnahmen geht, wie schnell und wann man sie umsetzten kann und wie teuer es wird.

 

Zusätzlicher Regenwasserkanal?

Rückblick: Der 29. Mai 2018 wird vielen Anliegern unvergessen bleiben. Es regnete wie aus Kübeln. Besonders in Wißmar herrschte »Land unter«. Dutzende Keller liefen voll, Höfe wurden überflutet. Feuerwehrleute waren fast zwölf Stunden im Dauereinsatz. Aus Angst vor neuerlichen Überschwemmungen haben sich viele Anwohner mit Sandsäcken und Barrieren einen provisorischen Schutz aufgebaut.

Am Samstag nun kamen 20 Anlieger zum anberaumten Ortstermin des Ausschusses. Kai Mandler, Fachbereichsleiter für Bauen und Planen bei der Gemeinde, und Carsten Schön vom Ingenieurbüro Zick-Hessler, das mit der Planung von Maßnahmen zur Abwendung künftiger Hochwasserlagen betraut wurde, gaben Auskunft über den Stand der Dinge.

 

Mindestens zwei Jahre

Doch nicht alle gewünschten Vorhaben sind machbar. Ein Absenken der Straße etwa scheitert an verschiedenen Parametern. Mittel- bis langfristig kommen nach Auskunft der Experten nur der Bau von Rückhaltebecken oberhalb des Dorfes in Frage, um bei Starkregen Außengebietswasser zu sammeln und dosiert ans Kanalnetz abzugeben, bevor es unkontrolliert die Ortslage erreicht. Standorte sollen am Lohrbach, am Grubenberg und am Gierndbach/Rainweg sein. Nicht ganz einfach die Angelegenheit, denn die Kommune ist nicht Eigentümer dieser Grundstücke, wie Bürgermeister Thomas Brunner erklärte. Folglich sei man bereits in den Grunderwerb eingetreten. Wenn dieser abgeschlossen ist, müssten die planungsrechtlichen Dinge eingeleitet werden, wenngleich der Bürgermeister hier gute Chancen sieht, dass es keine allzu hohe Hürden zu überwinden geben wird.

Dennoch dürfe realistischerweise nicht vor Ablauf von zwei Jahren mit dem Bau der Rückhaltebecken gerechnet werden. Schneller, aber ebenfalls noch nicht in diesem Jahr, könnte ein parallel zum bestehenden Hauptkanal zu bauender Regenwasserkanal Abhilfe schaffen. Aber auch für dieses Bauwerk müssen die genehmigungsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden, da über diesen Bypass zusätzlich Wasser über den Lohrbach in die Lahn abgeleitet wird.

 

Auf Gefahren hingewiesen

Die Anlieger zeigten sich zufrieden mit den vorgesehenen Planungen, machten aber immer wieder deutlich, dass dies alles so schnell wie möglich in die Realisierungsphase gehen müsse.

Die Anwohner machten noch auf einen weiteren Umstand aufmerksam: Wenn das Kanalnetz Wassermassen nicht mehr aufnehme, schleudere der immense Druck die Gullideckel und Schachtabdeckungen aus ihrer Fassung. Bei Überflutungen seien diese Gefahrstellen nicht zu erkennen. Insbesondere für Kinder, aber auch für die Einsatzkräfte der Feuerwehr könne dies zu einer tödlichen Falle werden.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/regional/kreisgiessen/Kreis-Giessen-Nach-Land-unter-2018-So-will-Wettenberg-die-Hochwasser-Gefahr-minimieren;art457,554332

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